So täuschte SF das Publikum

17. Januar 2010 09:49; Akt: 17.01.2010 11:27 Print

Das Rätsel um den doppelten Prêtre

Als das Schweizer TV-Publikum vorletzten Samstag René Prêtre zum Schweizer des Jahres wählte, weilte dieser in Mosambik. Kein Problem – dachten wohl die meisten, für sowas gibt es ja modernste Technik. Die Sache liegt aber anders. Und: Warum stand ein People-Magazin in Mosambik bereit, als der Herzchirurg von der Nachricht «überrascht» wurde?

storybild

Nichts war live: Videobotschaft von Herzchirurg René Prêtre nach dem Gewinn des Swiss Award als Schweizer des Jahres im Zürcher Hallenstadion. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herzchirurg René Prêtre wurde zum Schweizer des Jahres gewählt. Jubel im Saal, doch war Prêtre zum damaligen Zeitpunkt in Mosambik. Dann die Moderatorin: «Wir haben ihm aber die frohe Botschaft überreichen können und wir schalten jetzt nochmal nach Maputo, nach Mosambik, zu ihm», so Sandra Studer. Sekunden später war auf der Grossleinwand im Studio ein freudig überrascht wirkender Prêtre in Arbeitskleidung zu sehen: «Wow, das ist einfach unglaublich, so eine Anerkennung!» Was SF nicht transparent machte, erklärt jetzt der «SonntagsBlick»: Prêtres Statement war Tage zuvor aufgezeichnet worden – für den Fall, dass er gewinnen würde. Sven Sarbach, SF-Redaktionsleiter Events, räumt ein: «Der Satz der Moderatorin wurde in der Hitze des Gefechts nicht ganz korrekt formuliert; sie hätte sagen sollen: 'Für diesen Fall haben wir eine Videobotschaft erhalten.'» Die Botschaft des Arztes aus Mosambik – die der Rhetoriktrainer Marcus Knill in seinem Blog als spontan, verständlich auf dem Punkt und «hundertprozentig mediengerecht» lobt – ist also vorproduziert gewesen: «Es sollte auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass das eine echte Live-Verbindung war,» so Sarbach weiter.

Just dieser Eindruck entstand aber, wie die Berichterstattung belegt: Sogar SF selber sprach auf seiner Website von einer «Videoschaltung nach Moçambique», schreibt die «SonntagsZeitung». Und die Täuschung dürfte die Wahl entscheidend beeinflusst haben. Denn René Prêtre, der gemäss Insidern seit Monaten Wahlkampf betrieb, konnte sich schon bei ­einer vermeintlichen Liveschaltung bedanken, als er zuvor einen Swiss Award gewann: «Der Arzt, über knuddelige afrikanische Kleinkinder gebeugt, musste der Nation an Herz und Nieren gehen», schrieb der «Bund».

War alles schon vor dem Voting entschieden?
Fragen über Fragen. Klar ist aber: Vielen Zuschauern kam die Sache spanisch vor. Eine weitere Geschichte verwirrt ebenfalls: Weshalb standen die Journalisten im fernen Afrika bereit, als die Wahl aus 18 Nominierten auf Prêtre fiel? Die «Schweizer Illustrierte» gibt gegenüber der «SonntagsZeitung» zu, dass sie sich die künstlerische Freiheit nahm, also von Zürich aus die romantische Szene beschrieb und ein doppelseitiges Jubelfoto abdruckte, das von einem Teammitglied stammen soll.

Publikumsrat schaltet sich ein

«Wenn der Eindruck entstand, das sei live, finde ich das sehr ­bedenklich», sagt Manfred Pfiffner, der Präsident des Publikumsrates, zur «SonntagsZeitung». Sein Gremium habe die Swiss Awards nicht auf dem Radar. «Aber ich werde sie an der nächsten Sitzung zur Sprache bringen.»

(kub)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heiri Müller am 17.01.2010 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Prêtre

    Prêtre ist am Kinderspital Zürich angestellt, leistet dort einen guten Job und bekommt dafür einen sehr guten Lohn. Was gibt es da auszuzeichnen?? Könnte auch das Fräulein an der Migros-Kasse Schweizerin des Jahres werden, wenn sie sehr gut arbeitet??

    einklappen einklappen
  • Echo vom Pflanzblätz am 19.01.2010 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Rene Pretre ...

    ... ist einsame Spitze! Gratuliere! Der hat sogar den Nobelpreis für Medizin/Chirurgie verdient. Hat irgendeiner der 20MIN-Schreiberlinge eine Ahnung, was dieser Doc eigentlich leistet! Nein, nein, diese Wahl geht absolut in Ordnung. Bravo. Oder will jemand eine/-nn "Versager-Politiker/-in vorschlagen?

  • Lis am 17.01.2010 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Wo bitte genau liegt das Problem????

Die neusten Leser-Kommentare

  • Echo vom Pflanzblätz am 19.01.2010 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Rene Pretre ...

    ... ist einsame Spitze! Gratuliere! Der hat sogar den Nobelpreis für Medizin/Chirurgie verdient. Hat irgendeiner der 20MIN-Schreiberlinge eine Ahnung, was dieser Doc eigentlich leistet! Nein, nein, diese Wahl geht absolut in Ordnung. Bravo. Oder will jemand eine/-nn "Versager-Politiker/-in vorschlagen?

  • Reto Burri am 19.01.2010 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    fernsehen IST eben manipulation

    selbstverständlich wollte sf den eindruck vermitteln, die schalte nach mosambik sei live. das überraschte getue des arztes (leider schlecht gespielt) hat es doch eindeutig bewiesen. übrigens wird auch bei angeblich authentischen dok-filmen geflunkert auf dass sich die balken biegen. wäre es anders, würde sich kein schwein dafür interessieren. soll auch als vorwurf an das publikum gelten.

  • Isabelle W. am 18.01.2010 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    abgekartetes Spiel? Täuschung? dann nehmt doch Deutschland sucht den Superstar, das Supertalent, Bauer sucht Frau oder all die Gerichtsshow unter die Luppen, die wiederspiegeln sicher 1:1 die Realität ;). Ich finde das SF gut

  • Dani am 18.01.2010 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Oha

    Wie verwerflich - da hat der echt keine Zeit für ne Liveschalte und macht deswegen ein Video? Tze, unverschämtheit, was fällt diesen Leuten bloss ein, denkt doch mal an die Kinder, sollen die Aufwachsen ohne zu wissen was live ist und was nicht? Schrecklich... Ma schaun ob das Freigeschaltet wird...

  • Jamc am 18.01.2010 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Tv für 50+

    Kein wunder dass ich diesen sender allerhöchstens 1 mal im jahr anschaue ...