Survival-Camp

29. Juni 2011 22:56; Akt: 29.06.2011 22:00 Print

Drei Helden und ein Macho im Wald

von Bettina Bendiner - Dschungel-Camp? Kalter Kaffee. Jetzt schickt das SF drei Normalos auf Survival-Mission ins Tessin. Hannes Bühlmann bewacht die Greenhorns.

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Ab Montag kämpfen sich Roger, Hannes, Gaby und Tom (v.l.n.r.) durch den Wald.

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Er ist Hauptmann bei den Aufklärern der Infanterie, sass schon oft allein im Wald. Hannes Bühlmann ist ein Survival-Profi. Der 40-Jährige weiss, welche Würmer geniessbar sind und wie man sich ein Laubbett baut. Und deshalb buchte ihn das Schweizer Fernsehen für das Sommerspecial «Dahinden im Wald». SF setzte im Frühling drei Normalos im Bündner Misox aus. Ihre Mission: Überleben. Hannes kennt das Gefühl, im Nichts zu sitzen: «Man muss sofort die Umgebung erfassen. Und auch nach oben schauen.» Nahrung findet der Hundebesitzer jederzeit: «Als Kaugummi eignet sich Baumharz und aus Klee kann man tollen Tee brauen», verrät er.

Doch das Wichtigste sei: «Man sollte niemals in Panik geraten.» Denn wer den Kopf verliere, habe fast verloren. Hannes steht zu seinen Ängsten: «Ich bin ein Macho. Aber ein mulmiges Gefühl im Bauch interpretiere ich als Warnung», sagt der Survival-Experte. Auch SF-Sprecher Martin Reichlin stellt klar: «Im Vergleich zu uns ist das Dschungel-Camp ein All-inclusive-Urlaub.» Die drei Freiwilligen befanden sich nicht in einem Studio, sondern in freier Wildnis. Nur wenige Habseligkeiten wie Ersatzwäsche durften Roger (47), Gaby (26) und Tom (26) mitnehmen. Den Rest mussten sie finden. Doch Hannes versichert: «Gegrillt schmecken Insekten ganz gut.»

Die zehn Survival-Tipps von Hauptmann Hannes B.

1. Sich sofort einen Überblick über die Situation verschaffen. Auf einen erhöhten Punkt klettern und schauen, ob es in der Umgebung Wasser oder etwa ein Dorf gibt. Und nicht vergessen: Auch nach oben schauen, damit dem Survivor nicht plötzlich was auf den Kopf fällt.

2. Im Winter: Ein Schneeloch ausheben. Der Temperaturunterschied nach Aussen kann bis zu zehn Grad betragen – und damit Leben retten.

3. Das Bett im Wald? Einen «Sarg» buddeln (Lernfix: menschengrosses Loch im Boden). Als Schaufel könnte ein scharfkantiges Stück Holz dienen. Das Loch mit flachen Steinen auskleiden, schützt gegen Feuchtigkeit. Dann aus Zweigen mithilfe von Gras einen Rost flechten und mit Laub ausstopfen. Auf die gleiche Weise kann man ein kuscheliges Duvet herstellen. Ein praktischer Schirm entsteht, indem man Laubzweige zusammen flechtet.

4. Würmer, Insekten oder Engerlinge sind die Proteinlieferanten des Waldes. Um den Tagesbedarf zu stillen, müssen Wild-Camper aber relativ viele Tierchen zu sich nehmen. Der Tipp: Gegrillt schmecken sie am besten. Dazu passt gut: Ein Gemüsebouqet aus Tannenschösslingen garniert mit Klee.

5. Feuer: Ist es nass, windig und die Sturmzündhölzer fehlen? Lieber ganz aufs Feuer verzichten als stundenlang Steine aufeinander hauen. Das kostet wertvolle Lebensenergie und bringt – ausser man kennt sich aus – meist nicht viel.

6. Gegen Verstauchungen oder Schürfwunden hilft frischer Lehm. Das kühlt und wirkt abschwellend.

7. Wasser: Das Wasser aus Schweizer Bergbächen ist weitgehend unproblematisch. Ansonsten gilt – abkochen, wenn es geht. Abfiltern mit Laubblättern hilft nur gegen Steine und Sandpartikel.

8. Nahrung sofort suchen. Wenn der Hunger schon da ist, ist es schon zu spät.

9. Urin können Wald-Camper bedenkenlos trinken. Andere Exkremente eignen sich nicht zum Verzehr.

10. Der Zwiebellook funktioniert im Wald am besten. Ist eine Schicht nass, ausziehen und trocknen lassen. In der Kälte nasse Kleidung anbehalten und besser einen Hügel hochrennen zum Aufwärmen. Und niemals vergessen: Über den Kopf geht am meisten Energie bzw. Wärme verloren. Ein praktischer Laub-Hut hilft im Sommer gegen einen Sonnenstich und im Winter gegen die Kälte.