Trump-Tweets

20. Juli 2018 05:45; Akt: 20.07.2018 14:48 Print

«Der Fehler liegt beim SRF, nicht bei Honegger»

Arthur Honegger äussert auf Twitter seine private politische Meinung. Das müsste SRF unterbinden, findet Kommunikationsexperte Ferris Bühler.

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Der ehemalige US-Korrespondent und heutige «10vor10»-Moderator Arthur Honegger macht keinen Hehl daraus, dass er von US-Präsident Donald Trump wenig hält. Nach dessen Treffen mit Wladimir Putin postete Honegger am Dienstag auf Twitter: «Vielleicht sollten wir Trump nicht mehr als Regierungschef bezeichnen.»

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Dürfen SRF-Mitarbeiter ihre Meinung auf Twitter teilen?

SRF-Mediensprecher Stefan Wyss sieht kein Problem darin, dass sich der 39-Jährige politisch äussert, wie er gegenüber Nau.ch erklärt. Honeggers Twitter-Account sei ein «publizistisch eigenständiger Auftritt, bei dem er klar deklariert, dass er für sich selbst redet und nicht für SRF». Kommunikationsexperte Ferris Bühler sieht das anders.

Strikte Trennung zwischen Politik und Unterhaltung

In Honeggers Fall sei es nicht möglich, eine klare Trennung zwischen privater und öffentlicher Person zu machen. «Er wird auch abseits von ‹10vor10› automatisch als Person wahrgenommen, die politische Inhalte vermittelt», erklärt Bühler im Gespräch mit 20 Minuten.

Aus diesem Grund sei es nicht das Gleiche, wenn News-Anchor Honegger sich politisch äussere, wie wenn ein Moderator aus dem Unterhaltungsbereich seine Meinung teile. «SRF sollte klar trennen: Mitarbeiter von Sendungen, die Politik thematisieren, sollten sich privat nicht politisch äussern dürfen.»

«Tweets sind unterhaltsam»

Der Fehler liegt gemäss Bühler demnach nicht bei Honegger, sondern bei SRF. «Er gehört zu einer neuen Generation von SRF-Moderatoren. Es ist für sie selbstverständlich, Social Media zu nutzen. Darauf ist SRF nicht vorbereitet, es hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.» Das Medienhaus müsse seine Mitarbeiter viel besser schulen.

Dennoch sieht Bühler auch bei Honegger ein Stück weit Verantwortung: «Seine Tweets sind sehr unterhaltsam. Aber er steht in einem der grössten Schaufenster von SRF, deshalb muss er aufpassen, was er macht.»

Insbesondere die Tatsache, dass der News-Anchor seine politische Meinung nicht einfach stehen lasse, sondern seinen Kritikern auf Twitter rege antworte, sei nicht die richtige Strategie. «Honegger lässt sich so auf ein sehr tiefes Niveau herab.»

«Recht auf freie Meinungsäusserung»

Die 20-Minuten-Leser fällen in der Angelegenheit ein klares Verdikt: Rund 60 Prozent der über 19'000 Menschen, die bei unserer Umfrage teilgenommen haben, sind der Ansicht, dass SRF-Moderatoren sich politisch äussern und Stellung beziehen sollen – solange sie klarmachen, dass es sich dabei um persönliche Meinungen handelt. Nur 30 Prozent finden solche Äusserungen auf Social Media deplatziert.

Social-Media-Experte Manuel P. Nappo, Leiter des Instituts für Digital Business an der HWZ, sieht das genauso: «Es sind ja schliesslich freie Menschen, die ein Recht auf freie Meinungsäusserung haben.» Entscheidend sei dabei, dass die prominenten Kommentatoren auch voll hinter ihren Meinungen stehen.

(anh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susanne am 19.07.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit?

    Klar sollte man berufliches und privates trennen, aber als Privatperson darf er sich zu seiner Meinung äussern, wie jeder andere auch. Ich frage mich sowieso, warum in der letzten Zeit immer aus jeder Aussage ein Drama gemacht wird - immer diese ach so politische Korrektheit nervt!

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  • dr kish am 19.07.2018 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiser Mann sagte mal..

    Jeder kann machen was er will, weil jeder steht dazu, was er macht..

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  • axel g. am 19.07.2018 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schock

    Er hat die Wahl Trumps bzw. die Nichtwahl Hillary Clintons - wie so viele andere auch - noch immer nicht verkraftet. Der Schock sass zu tief.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt Wirz am 21.07.2018 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er!

    Herr Honegger hat recht. Und es ist meiner Meinung nach auch ok, dass er das privat auch ausspricht. Während seiner Moderation von 10vor10 bleibt er neutral und das passt für mich.

  • Renate am 21.07.2018 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas mehr freiheit für Alle

    Soweit ich weiss herrscht in der Schweiz Meinungsfreiheit, oder ist dies nun such schon wie bei den Amis? Solange die Meinung "bequem und angenehm"ist darf sie geäussert werden und wenn es kritische Aspekte sind kriegen wir einen Maulkorb? Auch wenn Herr Honegger diese Meinung gegen Trump vertritt darf er Dies doch Kund tun! Das macht ja Die SVP auch, oder wie war das nochmal mit den schwarzen Schafen suf ihren Plakaten? In diesem Fall bezog sich die Partei ja auch auf freie Meinungsäusserung. Ich denke etwas weniger über den Tellerrand geifern und den anderen leben lassen....

  • David Stoop am 21.07.2018 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Nein, einfach nur nein zu dieser Abschaffung der Meinungsfreiheit.

  • Franz am 21.07.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück gibt es noch sachliche Medien

    Wie BlocherTV und die Weltwoche. Da wird strikt getrennt zwischen Eigenmeinung und Sende-Inhalt.

  • HP. Ramensperger am 21.07.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so Herr Honegger

    Die einzige Fehlbesetzung ist definitiv der Zanetti!