«Alpenfestung - Leben im Réduit»

29. Juli 2009 13:28; Akt: 29.07.2009 15:14 Print

Gähn-technisch nur bedingt abwehrbereit

von Philipp Dahm - Von «scharfem Drill» hatte eine Schweizer Boulevardzeitung geschrieben, doch in der SF-Alpenfestung herrscht statt knappem Befehlston lange Weile. Dennoch soll die Politik nun für eine Kapitulation der Sendung sorgen, fordern Pazifisten.

Bildstrecke im Grossformat »
Kader-Appell mit dem Kommandanten: (von links) Patrik R. Fluri, stellvertretender Kommandant/Oberleutnant, Thomas Kunz, Leutnant, Rolf Bürgi, Korporal und Helmut Mettler, Kommandant. Szenen im Geschützraum ... ... der Festung Fürigen. Helden an der Küchenfront: (hintere Reihe, von oben nach unten) Michael Lüthi, Angelika Ortner, Baby Noemi, Anneliese Gaberthüel, Marco Lüthi und Corina Lüthi; (vorne, v.l.) Nicole und Ladina Lüthi. Anneliese Gaberthhüel und die Mädchen beim Wäschewaschen Angelika Ortner schält mit den beiden Mädchen, Ladina und Nicole Lüthi, Kartoffeln in der Küche des Bauernhauses. Einmarsch in die Festung: Mettler weiss, wo es lang geht. Helmut Mettler aus Buttikon SZ ist der Kommandant von «Alpenfestung – Leben im Réduit», der neuen Reality-Soap vom Schweizer Fernsehen SF. Patrik R. Fluri ist stellvertretender Kommandant und Oberleutnant. Thomas Kunz, Leutnant Walter Burri, Feldweibel Walter Wälti, Küchenchef Nicolaj Ammann, Korporal Rolf Bürgi, Korporal Szene im Geschützraum der Festung Fürigen Anbauschlacht: Corina Lüthi und Angelika Ortner fahren mit dem Zwick Astor den Pflug aufs Feld. Gruppenbild der Bewohner des Bauernhofes: Michael Lüthi, Angelika Ortner, Baby Noemi, Anneliese Gaberthüel, Marco Lüthi und Corina Lüthi (hinten, v.l.); Nicole und Ladina Lüthi. Anneliese Gaberthüel mit Töchterchen Noemi Corina Lüthi Angelika Ortner Kinderarbeit: Angelika Ortner schält mit den beiden Mädchen, Ladina und Nicole Lüthi, Kartoffeln in der Küche des Bauernhauses. Die Kinder der Familie Lüthi: v.l. Marco, Nicole, Michael und Ladina Einblick in die Alpenfestung ...

Zum Thema
Fehler gesehen?

522 000 Zuschauer schalteten bei der ersten Folge von «Alpenfestung - Leben im Réduit» ein: Der Marktanteil von 52 Prozent bedeutet einen Erfolg für den Auftakt der neuen SF-Geschichtsshow. Ob es dabei bleibt, darf allerdings bezweifelt werden: Zu Beginn der Sendung fehlt es dem TV-Projekt an der nötigen Spannung.

Das Packen des Tornisters unter Anleitung eines «uniformkundigen Beraters» ist dafür ein Beispiel: Dass der Woll-Waffenrock von anno dazumal nicht gerade Tragekomfort bietet, muss sowohl Teilnehmern als auch Zuschauern ohnehin klar gewesen sein. Die eine oder andere Haarlocke fällt, der eine oder andere Zusammengestutzte jammert: Bis hierhin bot die SF-Show nichts Neues.

Wohl deshalb musste der Sender in die Trickkiste greifen: Der Abmarsch der Soldaten in den Bergbunker wurde als knallharter Marsch verkauft, den nicht alle schadlos überstehen sollten. Als es schliesslich so weit ist, kippt kein Teilnehmer aus den Stiefeln und eine Revolte gibt es auch nicht: Stattdessen zählt Kompanieführer Patrick Fluri durch und erklärt seinen Mannen, als die dabei versagen, wie furchtbar wichtig dieses Durchzählen ist. Kommandant Mettler wird dagegen mit dem Auto zur Festung kutschiert.

Auch Tag zwei ist mehr banal als beeindruckend: Soldaten trinken Bier, Soldaten nähen fehlende Knöpfe an, Soldaten desertieren. Schon nach 24 Stunden steckt ein Verteidiger im Lazarettbett, weil er Rückenschmerzen hat und gegen Stroh allergisch sein könnte. Bedingt abwehrbereit, nennt man das in Fachkreisen. Die Frauenfront kämpft mit den Küchenutensilien aus Grosis Zeiten, während ein Zeitzeuge und ein Militärhistoriker Anekdoten zum Besten geben.

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee will trotz des harmlosen TV-Geplänkels eine Absetzung der Sendung: «Geschichtslügen» würden dort verbreitet, der Krieg verherrlicht. Schon werden Rufe laut, die einen Sofort-Einsatz der Politiker fordern. Angesichts des sich in Grenzen haltenden Unterhaltungswertes des Geschichtsprojektes bleibt für diese Forderung aber nur ein Vergleich: Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicolas am 29.07.2009 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Die spinnen die Pazifisten...

    Und wieder einmal wollen gewisse "Kreise", die Vergangenheit unseres Landes unter den Teppich kehren...

  • Jose Gonzalez am 29.07.2009 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Josef Lang, der ewige Stänkerer

    War ja klar dass der Lang wieder motzt. Sollte mal ein Kind von einem Armeeheli aus reissenden Fluten gerettet werden würde Herr Lang bemängeln dass der Heli zuviel Lärm dabei gemacht hat...

  • Matt Hämmer am 29.07.2009 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Angebot und Nachfrage

    Was soll die Aufregung? Lasst doch SF an den miesen Einschaltquoten zugrunde gehen. Und sollten sie wieder erwarten doch Erfolg damit haben, dann ist das ja auch ok, denn dann wird offenbar ein Bedürfnis gestillt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Max am 02.08.2009 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Armee

    Bin momentan in der RS, ich amüsiere mich täglich über die Hirnlosigkeiten, die passieren. Primitives Kader, die im Ernstfall versagen würden. Schweizer Armee war sicher schon im 2. Weltkrieg ein Witz. Zeitverschwendung vom gröbsten hehe.

  • Y. am 02.08.2009 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Mythos Militär

    Wieso soch über eine Doku-Soap streiten? Für mich ist Streitpunkt eher, dass ich meine WK damit verbringen muss die Kaserne zu putzen. Hat nicht viel mit Rettungstruppen zu tun und ich habe ja nichts besseres zu tun als den Durchdienern hinterher zu putzen...das ist verschwendetes Steuergeld!

  • Uof am 30.07.2009 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarz-Weiss-Denken wie auf dem Plakat

    So ich denke mal, dass der Grossteil der anonymen User wohl keine üppige Bildung geniessen durfte. Ersichtlich am Niveau und vom geschichtlichen Hintergrundwissen ganz zu schweigen. Die teils recht billigen und sorry dümmlichen Gedanken gegen Lang... der User disqualifiziert sich selber.

  • Mike Müller am 29.07.2009 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die LANGe Geschichte der GSoA

    Die ewigen Stänkerer von der GSoA habe wieder einmal ein Opfer gefunden. Ob die Sendung nun interessant ist oder nicht, interessiert sie nicht, sondern sie wird wieder einmal als Plattform für Joe Lang zur Selbstdarstellung genutzt. Joe, wir haben dich LANG genug ertragen, nun heissts: Schnauze tief

  • sdt löffel am 29.07.2009 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    ich sitz in meinem bunker

    Erinnert mich an den letzten WK. Alle sitzen im Bunker, jassen, pokern und schlafen. Aber sagen darf man's ja nicht, schliesslich ist jeder Soldat immer beschäftigt - ausser er ist im Bunker und niemand sieht's...