«Die Höhle der Löwen»

06. Juni 2019 04:52; Akt: 06.06.2019 04:52 Print

Nach Drehschluss sind weitere Deals geplatzt

Immer wieder gibt es für Deals, die in der Gründershow «Die Höhle der Löwen Schweiz» versprochen wurden, kein Happy-End. Die Sendungsmacher erklären.

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Mitte Mai startete die international erfolgreiche Gründershow «Die Höhle der Löwen» auch in der Schweiz. Dabei versuchen motivierte Jungunternehmer die fünf Löwen von ihrer Idee zu überzeugen und Investmentkapital zu generieren. Ein Start-up, das bereits in der ersten Folge drei Investoren begeistern konnte, war die Online-Schreinerei Ecoleo. Jürg Marquard, Roland Brack und Tobias Reichmuth wollten zusammen für 24 Prozent ... ... Anteil 200'000 Franken investieren – doch nach der Sendung stieg letzterer Löwe aus. «Bezüglich der künftigen Unternehmensstruktur von Ecoleo hatten wir unterschiedliche Vorstellungen. Tobias und wir wollten den eigenen Grundsätzen treu bleiben», sagte CEO Markus Fust gegenüber Hallowil.ch. Das bedeutet, dass sowohl von der Summe als auch der Beteilung je ein Drittel wegfällt. Und damit ist Ecoleo nicht das einzige Unternehmen, bei dem ein eigentlich ausgemachter Deal ... ... nach der Sendung scheitert. Auch bei der Firma Hundespielzeug von Martin Sailer, der sich ebenfalls in der ersten Folge vor die Löwen traute, kam schlussendlich kein Investment zustande. Für 150'000 Franken hat Sailer das Unternehmen an Tobias Reichmuth und Roland Brack verkauft. «Mit dem konnte ich gut leben. Ich hätte ja dafür lebenslang 10 Prozent der Produktionskosten jedes verkauften Spiels erhalten», so Sailer gegenüber ... ... Tagblatt.ch. Doch es kam anders. Aus dem Deal wurde nach der Sendung nichts, da beide Löwen ausstiegen. Mehr Details könne er dazu aber keine sagen. Nur so viel: Roland Brack kaufte zwar keine Firmenanteile, dafür bietet er die Hunde- und Katzenspielzeuge auf seiner Plattform brack.ch an. Auch bei der zweiten Sendung gingen Unternehmer mit Deals nach Hause, die schlussendlich aber nichts werden. So etwa bei der Kaffee-Firma Mastercoldbrewer. Insgesamt 750'000 Franken für 12,5 Prozent sprachen die fünf Investoren Tobias Reichmuth, Roland Brack, Bettina Heine, Anja Graf und Jürg Marquard dem Jungunternehmen aus St. Gallen zu. Das Kapital sollte ins Marketing und den Ausbau des Salesteams gehen. Nach der Aufzeichnung ... ... kam es aber anders: «Im Anschluss an die Sendung werden auf Basis des Deals per Handschlag die schriftlichen Verträge erstellt und weitere Details festgelegt. In dieser Phase sind Gründe aufgetaucht, die gegen eine Zusammenarbeit sprechen», sagt CEO Roland Laux zu Startupticker.ch. «Das ist legitim und kommt auch bei Finanzierungsrunden ausserhalb einer TV-Sendung vor.» Die Gründe nannte er aber nicht. Die 29-jährige Tanja Schenker war am Dienstagabend in der TV24-Sendung «Die Höhle der Löwen» zu Gast. Mit ihrem nachhaltigen Luxuslabel Happy Genie hat sie eine vegane Handtasche aus Apfelresten entwickelt. Beim Design der Tasche gibt es viele Möglichkeiten: Zur Auswahl stehen vier verschiedene Basisfarben. Die Henkel kann man austauschen, die Grösse verändern, die Schulterriemen gibts in verschiedenen Farben, und vorne an der Tasche befindet sich eine abnehmbare Clutch, die es in 30 Designvarianten gibt. Jürg Marquard sowie Bettina Hein waren an einem Deal interessiert und einigten sich auf einen Firmenanteil von 25 Prozent für 200'000 Franken Kapital. Die Freude bei der 29-jährigen Schenker war aber nur von kurzer Dauer. Inzwischen ist der Deal bereits Geschichte. «Zum Glück platzte der Deal, da wir komplett unterschiedliche Werte haben.» Für sie sei die nachhaltige Produktion des Produkts genauso wichtig wie die fairen Arbeitsbedingungen. «Herr Marquard und ich haben eben nicht dieselbe Vorstellung von fairen Löhnen.» Jürg Marquard widerspricht dieser Darstellung: «Faire Arbeitsbedingungen sind für uns Löwen in allen Bereichen absolut relevant. In diesem Falle standen die geforderten Personalaufwände der Gründerin in keinem Verhältnis zu den erzielten und zu erwartenden Umsätzen.» In der umsatzarmen Startphase sollte man laut Marquard das gesprochene Investment grösstenteils in das Unternehmen und dessen Entwicklung investieren. Die junge Designerin hofft nun trotz der Löwen-Enttäuschung darauf, dass durch die Sendung mehr Leute auf Happy Genie aufmerksam werden. Ihr Ziel: «Happy Genie weltweit als nachhaltiges, veganes und faires Luxusunternehmen zu positionieren.»

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Vor den TV24-Kameras pitchten sich schon einige Start-ups mit ihrer Idee erfolgreich zum wichtigen Investmentkapital. Und gingen eine Zusammenarbeit mit einer oder mehrerer der fünf Unternehmer ein. Hinter den Kulissen von «Die Höhle der Löwen Schweiz» platzt der Traum vom erfolgreichen Launch aber dann doch noch.

Seit der ersten Folge, die Mitte Mai über den Bildschirm flimmerte, scheiterten bisher drei der acht eingegangenen Deals in der Due Diligence-Phase. «Im internationalen Vergleich ist das eine erfreulich tiefe Quote», sagt Roger Elsener (41), Geschäftsführer TV, Radio & Filmvertrieb und Mitglied der Unternehmensleitung CH Media. Jüngstes Beispiel: Tanja Schenker, Gründerin des veganen Taschen-Lables Happy Genie.

Kein Deal mit Taschen- und Kaffee-Start-ups

Die beiden Löwen Jürg Marquard (73) sowie Bettina Hein (44) waren in der vierten Episode interessiert und einigten sich auf einen Firmenanteil von 25 Prozent für 200’000 Franken Kapital. Die geplanten Investition kam schlussendlich aber doch nicht zustande.

Und auch der Deal vom Unternehmen Mastercoldbrewer, die in der zweiten Folge ihren Cold-Brew-Kaffee vorstellten, platzte nach der Aufzeichnung. Insgesamt 750'000 Franken für 12,5 Prozent Firmenanteile sprachen die fünf Investoren Tobias Reichmuth (40), Roland Brack (46), Jürg Marquard, Bettina Hein und Anja Graf (42) dem St. Galler Start-up zu.

Vertiefte Prüfung ist wichtig

«Im Anschluss sind Gründe aufgetaucht, die gegen eine Zusammenarbeit sprechen», sagt CEO Roland Laux zu Startupticker.ch, «das ist legitim und kommt auch bei Finanzierungsrunden ausserhalb einer TV-Sendung vor.»

Das sieht auch TV-24-Chef Roger Elsener so. «Es ist normal, dass in den Folgegesprächen und bei der Festlegung von weiteren Details Gründe auftauchen können, die gegen eine Zusammenarbeit sprechen.» Dies können etwa Uneinigkeiten bezüglich des Kapitaleinsatzes oder der strategischen Stossrichtung sein. «Es ist wichtig und richtig, dass nach dem Pitch weitere Gespräche und eine vertiefte Prüfung stattfindet.»

Ein geplatzter Deal sei auf lange Sicht aber besser, als einer mit unglücklichen Gründern und Investoren. Der Glaubwürdigkeit der Sendung schade das nicht. «Wir zeigen den Pitch-Prozess von Startups und bieten der vielfältigen Schweizer Gründerszene mit TV24 eine prominente Plattform. Wir nehmen keinen Einfluss auf die Löwinnen und Löwen und deren Deals», so Elsener.

40 Prozent der Deals scheitern bei «Die Höhle der Löwen» Deutschland

Auch bei den deutschen Kollegen scheint es gang und gäbe zu sein, dass die Löwen nach der Aufzeichnung abspringen. So sollen fast 40 Prozent der im TV zustande gekommenen Deals im Nachhinein gescheitert sein, wie Shz.de im Jahr 2018 berichtet.

11,3 Prozent der Start-ups die in der deutschen Ausgabe zu sehen waren, sollen bereits jetzt nicht mehr existieren.

(kao)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • about am 06.06.2019 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Show

    Ich denke es ist einfach viel Show dabei ... es geht in erster Linie gar nicht um Ivestitionen. Einfach TV halt...

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  • CHer am 06.06.2019 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr

    Die Sendung verliert somit den Reiz zu schauen. Da können die Löwen ja aus Prinzip mal zusagen. Abspringen kann man ja wieder. Sorry einmal mehr wird dem Zuschauer etwas vorgespielt.

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  • D.O. am 06.06.2019 05:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht doch nur ums Geld, nicht um die Unterstütz

    Ist doch leider als nur Show für die Einschaltquote.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blasius am 06.06.2019 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    Also wenn ich diese Sendung von Tele 24 mit den Sendungen von SRF mit ähnlichem Format vergleiche, sehe ich keinen Klassenunterschied; im Gegenteil der Privatsender ist eher im Vorteil.

  • Ausländer am 06.06.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Leider nein

    Schweizer sind keine entertainer. TV-Formate zu produzieren liegt euch ebenfalls nicht. Lasst es. Somit könnten auch die Sarafe-Gebühren gesenkt werden. Ihr habt viele andere Stärken auf die ihr stolz sein könnt.

  • Rudi am 06.06.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mimimi

    Alles nur Show mimimi. Ja was habt ihr erwartet? Dass da Beträge in Höhe von 250'000 CHF gesprochen ohne die Unternehmung genau zu durchleuchten? Klar kann man sich als Investor in 10 Minuten kein Bild einer Unternehmung machen!

  • Daniel am 06.06.2019 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz

    Für mich ist diese Sendung ein Witz. Es wird ja nie etwas investiert.

  • Kudi Klöti-Kropf am 06.06.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Können die nicht besser

    Der CH Ableger ist, verglichen mit Shark Tank, einfach nur peinlich