Oscars

10. Februar 2020 07:18; Akt: 10.02.2020 12:05 Print

Natalie Portmans Kleid hat eine versteckte Message

Die Schauspielerin setzt bei den 92. Oscars ein Zeichen: Portman nutzte das Rampenlicht für ein feministisches Statement.

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Natalie Portman kam mit einem schwarzem Umhang zu den Oscars. Dem Kleidungsstück liess sie eine Message verpassen: Am rechten Revers waren feine goldene Stickereien zu sehen. Es sind die Nachnamen von acht Regisseurinnen, die im vergangenen Jahr vielbeachtete Filme umgesetzt haben, aber von der Academy nicht nominiert wurden. Wir zoomen noch etwas näher ran: Scafaria steht für Lorene Scafaria, Regisseurin von «Hustlers». Wang für Lulu Wang, die Macherin von «The Farewell». Über den roten Teppich ging Portman mit ihrem Ehemann Benjamin Millepied (42). Janelle Monae nutzte die Bühne ebenfalls für eine Botschaft. Die Schauspielerin und Musikerin sagte: «Ich bin so stolz, hier als schwarze, queere Künstlerin zu stehen und meine Geschichten zu erzählen.» Auf die Bühne schritt Natalie Portman dann ohne Cape, dafür in Begleitung von Timothée Chalamet (24). Die beiden übergaben den Preis fürs beste adaptierte Drehbuch. Gewonnen hat den Oscar der neuseeländische Regisseur Taika Waititi (44) für seine Nazi-Komödie «Jojo Rabbit». Renée Zellweger ist für ihre Rolle als Judy Garland im Biopic «Judy» als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Es ist ihr zweiter Schauspiel-Oscar, ihr erster für eine Hauptrolle. Laura Dern wird für ihre Rolle als kämpferische Scheidungsanwältin im Netflix-Drama «Marriage Story» geehrt. Joaquin Phoenix (45) war der Favorit für den Preis als bester Hauptdarsteller – und hat die Trophäe auch bekommen. Bei seiner Dankesrede verdrückte der Joker-Darsteller ein paar Tränen. Brad Pitt erhält einen Oscar als bester Nebendarsteller in «Once Upon a Time in Hollywood». Es ist sein erster Academy Award. So sehen Sieger aus: Bong Joon-ho (rechts) und Han Jin-won erhalten für das Drehbuch von «Parasite» einen Oscar. Der südkoreanische Filmemacher wird auch als bester Regisseur und für den besten Film ausgezeichnet. Hier scheint der grosse Gewinner des Abends auf der Bühne des Dolby Theatres gerade zu realisieren, was er erreicht hat. James Corden (links) und Rebel Wilson präsentieren als «Cats»-Figuren verkleidet den Oscar für die besten Effekte, der an «1917» geht. Quentin Tarantino war mit seinem Film «Once Upon a Time in Hollywood» zehnfach nominiert, holte aber nur zwei Trophäen. Von Leonardo DiCaprio gibts auf dem roten Teppich ein zurückhaltendes Lächeln. Im Saal nahm er dann mit seiner Schauspielerinnen-Freundin Camila Morrone Platz. Eminem überraschte mit einem unangekündigten Auftritt. Der Rapstar performte seinen Hit «Lose Yourself». Billie Eilish war ebenfalls als Musikgast geladen und kam im Signature-Look. Sie interpretierte mit ihrem Bruder Finneas O'Connell den Beatles-Song «Yesterday» – in Gedenken an die im vergangenen Jahr verstorbenen Academy-Members.

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Die Oscars sind die prestigeträchtigsten und damit auch die meistbeachteten Filmpreise der Welt. Natalie Portman (38) nutzte diese Gelegenheit, um auf dem roten Teppich eine feine, aber deutliche Message zu teilen.

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Über ihrem Kleid trug sie ein schwarzes Cape, auf dem in goldener Schrift acht Namen eingewoben waren. Es sind die Nachnamen von nicht nominierten Regisseurinnen, die im vergangenen Jahr vielbeachtete Filme umgesetzt haben.


Die besten Momente der Oscar-Nacht. (Video: ABC/Tamedia).

Nur Männer nominiert

Die Academy geriet nach Bekanntgabe der Nominierungen – erneut – in die Kritik, weil in der wichtigen Kategorie «Beste Regie» keine einzige Frau berücksichtigt worden war. Als Favorit für den Preis galt der Brite Sam Mendes («1917»), aber auch Martin Scorsese («The Irishman») und Bong Joon-ho («Parasite») und Quentin Tarantino («Once Upon a Time in Hollywood») wurden hoch gehandelt.

Dabei hätte es zahlreiche mögliche Kandidatinnen gegeben, die für den Regie-Oscar in Frage gekommen wären, so das Statement von Portman. Die Namen der Regisseurinnen auf ihrem Kleid: Lorene Scafaria («Hustlers»), Greta Gerwig («Little Women»), Lulu Wang («The Farewell»), Marielle Heller («A Beautiful Day in the Neighborhood»), Mati Diop («Atlantics»), Melina Matsoukas («Queen & Slim»), Alma Har'el («Honey Boy») und Céline Sciamma («Portrait of a Lady on Fire»).

«Die Frauen feiern»

Auch Janelle Monáe wies auf Missstände in Hollywood hin. Sie eröffnete die Show mit dem Song «It's a Beautiful Day in the Neighborhood» und sagte auf der Bühne: «Ich bin so stolz, hier als schwarze, queere Künstlerin zu stehen und meine Geschichten zu erzählen.» Sie sei heute hier, um «die Frauen zu feiern, die grossartige Filme» gemacht hätten.

In ihrer Performance sang Monáe dann in Anspielung auf den grossen Siegerfilm des Abends: «Parasite, it's time to shine, because the Oscar's so white.»

Die Aussage ist klar: Sie fordert mehr Diversity in der Filmbranche. Auch fünf Jahre nachdem der Hashtag #OscarsSoWhite die Runde machte, waren bei den diesjährigen Oscars kaum nicht-weisse Filmschaffende nominiert.

Pitt gibt sich politisch

Brad Pitt nutzt seine Zeit auf der Bühne ebenfalls für eine politische Aussage. «Mir wurde gesagt, ich hätte 45 Sekunden Zeit. Das sind 45 Sekunden mehr, als John Bolton hatte.»

Damit bezieht sich Pitt auf das Impeachment-Verfahren gegen US-Präsident Donald Trump. Der republikanisch dominierte US-Senat hatte in der Schlussphase des Verfahrens verhindert, dass Trump Ex-Sicherheitsberater John Bolton noch aussagen konnte.

(fim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kinogänger am 10.02.2020 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Natalie

    Es werden die Besten nominiert. Und wenn das keine Frauen sind, dann ist das zu akzeptieren. Immer dieses Gejammer.

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  • Verstehniemehr am 10.02.2020 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Politische Bühne

    Verstehe nicht, warum man daraus jetzt wieder Politik machen muss? Hauptsach eine Frau wird nominiert aber ob der Film eigentlich gut war oder nicht ist nebensächlich. Aber es muss ja eine Frau dabei sein. Genau das gleiche kommt bei den dunkelhäutigen Regisseuren/Regisseurinnen zu tragen. Vielleicht gibts es halt keinen oscarwürdigen schwarzen Regisseur oder oscarwürdige Frau? Warum muss immer alles rassistisch sein? Kein Film der wie oben erwähnt, von einer Frau gedreht wurde, ist mir bekannt..euch etwa?

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  • Petra am 10.02.2020 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Was, wenn nur Frauen nominiert worden wären? Langsam wird es peinlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mack22 am 10.02.2020 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    showbizz

    There is no business like showbusiness.. Die ganze Truppe ist doch so abgehoben, dass man sie gar nicht mehr ernst nehmen kann.

  • Mr. Bull am 10.02.2020 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mimimimi

    Letztes jahr wurde gejammert, dass keine dunkelhäutigen nominiert sind, dieses jahr keine frauen. Nächstes jahr jammert dann wohl die LGBT gemeinde. Aber, hier geht es um leistung nicht ums geschlecht oder die sexuelle ausrichung. Aber das problem haben wir ja mitlerweile überall.

  • Manu J. am 10.02.2020 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man will eben gesehen werden..

    Wenigstens wurde Portman auch auf dieser Bühne aktiv! (das mit ihrem Double in BS lassen wir mal) Wenns mal UTs geben würde, guck ich die Show vlt gerne wieder! Aber selbst die Quali nimmt bei dieser Verleihung nur noch ab.

  • Dr. Sarkasto am 10.02.2020 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Geschlecht vor Leistung?

    Dafür habe ich persönlich jetzt kein Verständnis, die Kirche bitte im Dorf lassen! Von allen erwähnten Filmen habe ich lediglich von "It's a Beautiful Day in the Neighborhood" gehört - und ich bin mir nicht sicher ob ich diesen überhaupt sehen will, obwohl ich Tom Hanks mag. Dieser Film betrifft einen anderen Kulturkreis und eine andere Generation. Von allen übrigen wie bereits gesagt habe ich NIE etwas gehört - ergo keine internationale Beachtung, das allerdings muss ich auch über PARASITE sagen... ich dachte mir bloss WTF?!

  • ErichF am 10.02.2020 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso eigentlich?

    Überall der gleiche Mist ob fähig oder unfähig, nominiert oder nicht aber die Frauenquote scheint unantastbar zu sein