Reality-TV

28. Dezember 2010 17:41; Akt: 28.12.2010 17:48 Print

Per Schwangerschaft zum Teenie-Star

von Oliver Baroni - Die TV-Shows «Teen Mom» und «16 and Pregnant» beleuchten Teenie-Elternschaften kritisch. Doch viele Minderjährige wollen nun selber schwanger werden.

«16 and Pregnant» - der Trailer.
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Es waren hehre Ziele: Mit den Reality-Soaps «16 and Pregnant» und «Teen Mom» wollte der US-TV-Sender MTV Teenager-Schwanger- und –Elternschaften in keinster Weise glorifizieren. Jeder, der eine Folge von «Teen Mom» gesehen hat, weiss: Diese jungen Mütter und Väter haben mit ihrem Schicksal gehörig zu kämpfen, denn ihre Voraussetzungen sind alles andere als vorteilhaft. Alle stecken noch in der Ausbildung, die meisten stammen aus den untersten Einkommenschichten.

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Aufschrei in Deutschland

Doch eine Thematik wie Teenie-Eltern ist naturgemäss schon vom Konzept her diffizil. Gross war der Aufschrei damals, als im Sommer 2009 auf RTL die Reality-Soap «Eltern auf Probe» auf Sendung ging. Die Kritiker versuchten sogar, die Sendung gerichtlich zu stoppen. Doch nach wenigen Folgen der Show, in denen Teenies Babys zur Betreuung überlassen wurden, stellte sich bald heraus: Den Kleinen passiert garantiert nichts, da diese stets von den echten Eltern und professionellen Erziehern überwacht wurden. Die wahren Sorgenkinder sind aber die Teenie-Eltern – allesamt asoziale Sonderfälle aus bildungsfernen Bevölkerungsschichten.

Der Soap-Charakter definierte die Show: Nicht die Kleinkinder standen im Vordergrund, sondern die Chaotenpaare, die mit dem Druck nicht klarkamen. Ähnlich verhält es sich mit «Teen Mom»: Alle Protagonisten stammen aus der amerikanischen Unterschicht, fernab der Glamour-Reality-Soaps von «The Hills» und Konsorten. Nicht zu Unrecht kritisierte die «New York Times», «16 and Pregnant» wirke berechnend, die Sendung versuche, «dem 'The Hills'-Publikum eine Art Proletariats-Voyeurismus schmackhaft zu machen. Kein Klischee aus Unterschichts-Amerika, das hier nicht ausgeschlachtet wird.»

Sorgerecht ade

Doch der Hauptunterschied zu vorangegangenen Shows wie «Erwachsen auf Probe» besteht darin, dass hier echte Schicksale mit echten Kleinkindern dokumentiert werden. Vor wenigen Wochen wurde «Teen Mom» Amber Portwood das Sorgerecht für ihre zweijährige Tochter Leah entzogen. Portwood wurde für schuldig befunden, wiederholt gegenüber dem Kindsvater gewalttätig geworden zu sein.

Selbstverständlich wird die Daseinsberechtigung solcher Shows in den USA heftigst diskutiert. Mit dem zunehmenden Erfolg der MTV-Formate mehren sich auch deren Kritiker. «MTV sollte mit dieser Art Shows aufhören», so Medienkommentatorin Katie K vom Showbiz-Blog «Celebitchy». «Sie mögen vielleicht ein sehr häufiges Phänomen aufzeigen und versuchen, Schwangerschaft im Teenager-Alter lehrhaft darzustellen, doch gleichzeitig machen sie aus diesen Müttern junge Stars. Selbst wenn Teenie-Schwangerschaft, Abtreibung, Adoption und Kindererziehung als unglaublich schwierig und nicht wünschenswert dargestellt werden, so straft die eigentliche Natur einer solchen Sendung die vermeintliche Botschaft Lügen.»

Einschaltquote vs Sozialproblem

Es ist die Quadratur des Kreises: Wenn die Kernbotschaft «Habt keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr!» oder «Werdet nicht schwanger!» lauten soll, dann ist Reality-TV das falsche Format dazu. Denn so hart das Schicksal einer Teenager-Mutter vielleicht sein mag, den Teilnehmern von «Teen Mom» winken immerhin Ruhm mitsamt Schlagzeilen und Magazin-Covers – Dinge, für die gerade Teenies empfänglich sind.

Da die Protagonisten der ersten Staffeln inzwischen längst die 20 überschritten haben, sucht MTV neue Darsteller für die nächste «Teen Mom»-Serie. Laut Kolumnist und TV-Moderator Rob Shuter seien «die Internetforen voll mit jungen Girls, die anfragen, was sie tun müssen, um eine Rolle zu bekommen». Es kommt, wie es kommen musste: Teenies lassen sich schwängern, um beim Casting vorgeladen zu werden, berichten diverse Medien. «Hier geht es doch bloss um Einschaltquoten für MTV», so Katie K, «nicht darum, ein soziales Problem zu thematisieren.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • KM am 28.12.2010 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Junk-Food der übelsten Sorte!

    ich hab's schon immer gesagt und sage es jetzt wieder: diese Welt ist total durchgeknallt. wie beschränkt muss man sein, wenn man wegen einem TV-Schrott der übelsten Sorte, sich "entscheidet" ein Kind in die Welt zu setzen. Wenn das so weitergeht gibt es bald nur noch Menschen ohen eigenen Willen, die wie Zombies umherlaufen und sich von jedem kleinen bisschen beeinflussen lassen. Tja, selbst schuld kann ich da nur sagen!

  • Chantal am 28.12.2010 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    ich bin 33 und fühle mich immernoch nicht bereit für ein Kind. Egal wie alt man ist wenn man Mutter wird, man sollte ein Kind machen, weil man sich eines von Herzen und über längere Zeit will, es finanziell und mit Liebe versorgen kann und nicht, weil man in der Laune oder gerade frisch verliebt ist oder den Typen damit verlogen halten will.

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  • grrrr am 29.12.2010 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    hansihinterseher

    Die Zuschauer machen diesen Trailerpark Trash zu Stars. Unsere Voyeuristische Ader der ist das Problem oder würden diese Personen andernfalls je in TV zu sehen sein?

Die neusten Leser-Kommentare

  • M is for Music am 30.12.2010 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    M is for Music

    Ich hoffe jetzt das die gute Jubaira mal etwas schlaues macht und solchen Schwachsinn nicht auch in der Schweiz senden lässt! MTV steht für MusicTeleVision und nicht für irgendwelchen Realitymüll. Wir haben jetzt genug lange zugeschaut wie Flav und Brett Michaels ihre Frau suchten und diese wieder "verloren" nur damit es noch eine Staffel geben konnte -.- MTV FRÜHER war es definitiv besser :-)

  • grrrr am 29.12.2010 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    hansihinterseher

    Die Zuschauer machen diesen Trailerpark Trash zu Stars. Unsere Voyeuristische Ader der ist das Problem oder würden diese Personen andernfalls je in TV zu sehen sein?

  • Noro elle am 29.12.2010 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Eignungsprüfung

    In der CH muss man für jede Handlung, die anderen schaden könnte, einen Führerschein machen.Sogar für das Töffli braucht man einen.Aber Kinder kann wirklich jeder auf die Welt setzen.Unabhängig von Alter, Eignung, Einkommen, Gesundheit etc. Das Resultat-der Staat muss Kinder durchfüttern,weil die Eltern dies nicht können. Viele bringen Kinder auf die Welt obwohl sie selbst nicht dafür sorgen könne. Sie machen die hohle Hand und wissen genau,dass sie vom Staat Geld bekommen. Ich find das mehr als bedenklich. Denn Kinder sind wohl der verantwortungsvollste Job,den man übernehmen kann.

    • Fredi am 30.12.2010 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Soweit kommts noch.

      Am schluss muss noch eine Grossmute erine Prüfung machen bevor sie Kinderhüen darf oder was? OH, soweit ists ja schon!!! Also was sie schreibe ist ein völliger quatsch. Man muss nicht für alles eine Prüfung machen müssen. Am schluss kann man gar nichts mehr machen. ausserdem sind die EEltern schuld, wenn so einem Kind nix über verhütung beigebracht wird. Und NEIN, ich bin nicht dafür daas die Eltern einen Test machen müssen, bevor sie den Kindern das beibringen sollten.

    • Pla Tane am 09.04.2013 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      Zwiespalt

      Tja, das lässt sich wohl nicht so einfach auflösen. Fakt ist aber, dass in der Schweiz jeder einen Kurs machen muss, bevor er einen Hund halten darf. Es ist wohl unzweifelhaft so, dass Kindererziehung "schwieriger" ist als Hundeerziehung, und dass Kinder noch mehr leiden unter "unfähigen" Eltern(teilen) als Hunde unter unfähigen Haltern. Die Frage ist halt schon, wie fest man seine Not mitverschuldet hat, wenn man dann Sozialhilfe erhält - als Staat würde ich auch sicherstellen wollen, dass das investierte Geld was nützt...

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  • Kowalsky am 29.12.2010 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld!

    Es wäre doch so einfach und leicht dem TV die Schuld für diese Angelegenheit zu geben. Aber die Schuld tragen sie nicht! Wer zu blöd ist, etwas weiter zu denken als die nächsten 2 Stunden, der weis, dass ein Kind viel Arbeit und Kosten mit sich bringt! Und dies wusste ich auch schon mit 13! Ich bin jetzt 22 und möchte später auch Kinder, jedoch will ich denen etwas bieten können! Und dazu brauche ich Reiffe, eine super Frau und finanzielle Mittel, dies alles besitzen diese Teenie-Mütter keineswegs.. Aber ich habe kein Mitleid, jeder kann es sich aussuchen, man wird nicht "einfach so" schwanger

  • King Spider am 28.12.2010 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre heillos überfordert...

    Ich selbst bin fast achtzehn und erst im ersten Ausbildungsjahr, würde ich jetzt die Nachricht erhalten, ich würde Vater werden, wer weiss, was dann wäre?! Ich hätte ja sowas von keine Chance, da ich selbst sagen muss, ich wäre heillos damit überfordert... Und jetzt versuchen Andere auch noch schwanger zu werden nur um ins Fernsehen zu kommen? Oh Gott, Danke MTV! -,-