ESC

05. Oktober 2010 15:28; Akt: 05.10.2010 16:10 Print

Plastikpenis soll dem SF Quote bringen

von David Cappellini - Mundartrapper Abdul Damja nennt sich selber geisteskrank und polarisiert auf der Bühne mit Plastik-Penis, Nacktheit und Kunstblut. Nun hat ihn ausgerechnet das Schweizer Fernsehen für die Eurovision-Vorausscheidung angefragt.

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Der Luzerner Abdul Damja und seine Kumpels können wohl als alles Mögliche bezeichnet werden – bloss normal sind sie nicht. Mit irren Live-Shows, bei denen auch mal Plastikpenisse, Kunstblut oder volle Windeln zum Zug kommen, polarisiert Damja seit einem knappen Jahrzehnt in der Schweizer Rap-Szene. Zurückhaltung kennt der Musiker keine – so trat er an Gigs auch schon nackt auf. Sein Debüt-Album, welches im Juni erschien, trägt bezeichnenderweise den Namen «Leader des Wahnsinns».

Nun wurde ausgerechnet der verrückte 27-Jährige – mitsamt seinen musikalischen Wegbegleitern namens Contravoz y Guantazo - vom Schweizer Fernsehen angefragt, um bei der Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest teilzunehmen – wohl auch um dem Event den nötigen Trash-Faktor zu verleihen. «Hätten wir selber erwogen am ESC teilzunehmen, könnte man uns als Vollidioten abstempeln. Aber da wir angefragt worden sind, hat das Ganze irgendwie Stil und kann als Sozialkritik im Clownsgewand aufgefasst werden», meint Damja denn auch gegenüber 20 Minuten Online.

Gute Chancen dank neuem Verfahren?

Provokation als Mittel zum Zweck – doch darf einer wie Abdul Damja wirklich zum ESC fahren? «Wir rufen sehr viele bekannte und unbekannte Künstlerinnen und Künstler aus allen Stilrichtungen auf, einen Song auf unser Portal zu laden. Der Trashfaktor spielt keine Rolle», relativiert SF-Sprecher Marco Meroni. Einzige Regel für eine Teilnahme: Die Songs dürfen keine Gewalt verherrlichende, sexistische, rassistische oder obszöne Inhalte haben. Was dem SF noch nicht ganz klar zu sein scheint: Bei Damja gehört das zum Konzept.

Allerdings dürfte auch das Schweizer Fernsehen vom schrillen Künstler profitieren – schliesslich gilt: Provokation gleich Quote. Die finnischen Schockrocker von Lordi gewannen den Contest mit Horrormasken vor vier Jahren gar – und waren weltweit in aller Munde. Ob noch mehr polarisierende Acts angefragt wurden, will man beim SF nicht verraten. Dass dem Fernsehpublikum eine möglichst breite Auswahl an Musikschaffenden geboten wird, gehört allerdings zum neuen Konzept. Schliesslich will man gemäss Meroni einfach «den geeignetsten Repräsentanten für den Eurovision Song Contest finden.»

«Was von der Heide kann, können wir schon lange»

Tattoo- und Filmfan Damja glaubt denn auch an seine Chancen. Dank dem neuen Selektionsverfahren zählt nämlich erstmals nicht bloss die Meinung einer SF-Jury, sondern zur Hälfte auch ein Publikumsvoting: Nach einer landesweiten Internet-Abstimmung – die im November startet – werden die zehn besten Beiträge in einer grossen Live-Show am 11.Dezember präsentiert. Schliesslich entscheiden einzig die TV-Zuschauer per Telefon, wer die Schweiz am ESC in Deutschland vertritt.

Damja wird zunächst den eigens für den ESC produzierten Song «Absolution» nächsten Montag auf die Plattform des Schweizer Fernsehens laden und danach sein Umfeld zum Voting auffordern. «Das Elektro-Grime-Brett vereint Eurodance-Elemente mit Speed-Elektro-Rap und epischen Gesangspassagen», erklärt der Rapper sein Stück, mit dem er die Schweiz gerne am Contest vertreten würde. Und fügt vielsagend an: «Was Michael von der Heide kann, können wir schon lange. Und weniger als null Punkte werden wir wohl nicht erhalten.»


Hier geht es zu Abdul Damjas Myspace-Seite.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rapperspalter am 05.10.2010 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Rap?

    Naja, spielt auch grad keine Rolle mehr. Bei Rap sind null Punkte dann wenigstens gerechtfertigt.

  • Micheline Calmy-Rey am 10.10.2010 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Ich finde die Band toll. Und die Inhlte erst...vom feinsten. So wie ichs mag.

  • max hart am 05.10.2010 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    muss mich entschuldigen...

    ...als vollblut hiphopper tut mir sowas ganz tief im herzen weh... was hat das noch mit rap zu tun, das ist bullshit vom feinsten. das einzige was die schweiz tolles an rap rausgebracht hat ist stress und gottseidank ist der zu gut für den esc!! ansonsten: oldschool 4 life!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fred feuerstein am 04.11.2010 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    NOT only proms CAN!

    Plastik-Würstli passte besser! Ich hab es immer gewusst den meisten CH-Räppern hat es nicht zum Musizieren gereicht. Zeichen der Zeit welche ihre Brems-Spuren in den Unterhosen der "Beschissenen" hinterlassen und das Schweizer Farbfernsehen lässt Voten wer Zeropoint Land im grossen Kanton vertreten darf.Das Voing liegt aber im Dunkeln und die Hoffenung auf die Fachjury welche ev. gar keine ist, ist auch nicht gross. Die Sendung "Gluscht & Glaber" weiss nichts kreativeres als die Halb-Proms zu unterstützen statt hinzuhören wo es WAS zu hören gibt. VOTE 4 Mauro

  • Musica am 14.10.2010 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Das soll Musik sein? Nervöse Aneinanderreihung schräger Töne triffts besser. Das würde dann allenfalls die 0 punkte effektiv begründen.

  • Micheline Calmy-Rey am 10.10.2010 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Toll

    Ich finde die Band toll. Und die Inhlte erst...vom feinsten. So wie ichs mag.

  • Max am 08.10.2010 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Perveser geht es nicht mehr

    Das SF ist auf den Hund gekommen - der neue Fernseh-Direktor ist hiermit aufgefordert, solchen Mist zu unterlassen - sonst werden keine Fernseh-Gebrühren mehr bezahlt.

  • Nike Gojani am 07.10.2010 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Recht haben sie

    Ich gebe Patric Bomio recht. Wiso mal nichts anderes ausprobieren. Das stellt doch die Schweiz mal in ein anderes Licht. Die Schweiz als offenes Land. Keine Büznlis und verklemmte, die möglichst jeder Konfrontation aus dem Weg gehen sondern einfach mal Mut zum Wahnsinn und Trash beweisen. Ich finde diese Idee mal ausnahmsweise richtig erfrischend. Grüsse