Live-Shows

06. Dezember 2010 14:52; Akt: 06.12.2010 14:52 Print

Raab sieht keine «100-prozentige Sicherheit»

Nachdem drei Fernsehnationen den «Wetten, dass ..?»-Schock verdauen, steht am 18. Dezember mit «Schlag den Raab» schon wieder eine handfeste Live-Show an.

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So gefährlich sind TV-Shows: Jede Woche versprach von 1982 bis 1986 die BBC-Show «The Late, Late Breakfast Show» einen «unglaublichen Stunt, der nie zuvor am britischen TV versucht wurde». Am 13. November 1986 sollte der Bauarbeiter Michael Lush einen Bungee-Sprung von einer explodierenden Kiste versuchen, die 40 Meter über dem Boden schwebte. Bei der Explosion löste sich der Karabiner, an dem das Bungee-Seil befestigt war. Lush stürzte in den Tod. Die Sendung wurde in der Folge eingestellt. Im Vergleich hatte Topmodel Markus Schenkenberg unglaublich Glück: Er stürzte bei den Aufnahmen zur schwedischen TV-Show «Fort Boyard» im Juni 2010 schwer. Er seilte sich an einem Ledergurt entlang des legendären Forts an der französischen Atlantikküste ab. Er stürzte aus vier Metern Höhe und knallte mit voller Wucht auf den Rücken. Das Sicherungsseil war defekt. Der Sender unterbrach die Übertragung sofort. Doch Schenkenberg hatte Glück im Unglück: Er zog sich lediglich leichte Verletzungen zu. Anfang der 70er Jahre musste in der ZDF-Show «Wünsch Dir was» eine Kandidatin aus einem Auto gerettet werden, das in einem Wasserbecken versenkt worden war. In der von Dietmar Schönherr und Vivi Bach moderierten Sendung traten jeweils drei Familien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegeneinander an, die verschiedene Aufgaben lösen mussten. In der fraglichen Show sollten sich die Familien aus einem Auto retten, das im Wasser versenkt worden war. Eine Frau kam nicht heraus, Taucher mussten sie retten. Ebenfalls zu ertrinken drohte eine junge Magierin Anfang 2009 in der Pro-Sieben-Show «The Next Uri Geller - Unglaubliche Phänomene»: Sie ließ sich in einem Tank einschließen, in den langsam Wasser floss. Nachdem es ihr zwei Mal nicht gelungen war, den Code des Schlosses zu knacken, musste der Tank mit einem Bolzenschneider geöffnet und die junge Frau gerettet werden. Bei den Proben zur RTL-Show «Let's Dance» im Mai 2010 stürzte Sylvie van der Vaart und brach sich eine Rippe. Doch die Ehefrau von Star-Fussballer Rafael van der Vaart gab nicht auf und tanzte weiter: «Ich beisse auf die Zähne und werde trotz der Schmerzen alles geben», sagte Sylvie. Doch Sylvie blieb vom Pech verfolgt: Am 2. Oktober 2010 sah ein Millionen-Publikum wie sich Jurorin Sylvie Van der Vaart in der RTL-Erfolgsshow «Das Supertalent» beim Versuch, Steinplatten zu zerschlagen, an der Hand verletzte. Ein Notarzt-Team kümmerte sich um die schöne Holländerin. Der Unfall soll laut Kritikern eine Show-Einlage und die Sanitäter lediglich ein Komparsen-Team gewesen sein. RTL dementierte die Betrugs-Vorwürfe. Bei Aufnahmen für seine RTL2 Wissens-Show «Die grosse Welt der Wunder Wissensshow» sprang Moderator Hendrik Hey im Mai 2010 aus einem brennenden Fass, blieb hängen und verletzte sich an der Schulter. Ärzte renkten diese in einer Not-Op unter Vollnarkose wieder ein. Auch «Kampschwein» Stefan Raab hatte im April dieses Jahres Pech: Bei einem Mountainbike-Rennen für die Sendung «Schlag den Raab» stürzte der Entertainer vom Rad, fiel aufs Gesicht und blieb benommen liegen. Ein Notarztteam eilte ihm zu Hilfe und diagnostizierte eine Gehirnerschütterung. Doch Raab wollte sich nicht schonen und machte weiter. 2008 verletzte sich Bürger Lars Dietrich bei «Stars auf Eis»: Während seines Auftritts stürzte er mehrmals und brach sich das Wadenbein. Das Publikum hatte Mitleid und Lars bekam die Höchspunktzahl für den missglückten Auftritt. 2009 verletzte sich Rapper Sido bei Stefan Raabs «TV Total Stock Car Crash Challenge» die Hand. Im ersten Rennen überschlug sich sein Wagen. Sido schrie: « Meine Hand! Aua. Ich wollt' mich abstützen. Scheisse. Ich hatte mir so viel vorgenommen.» Der Berliner hatte Glück und kam ohne Knochenbruch davon. Der Notarzt verordnete viel Ruhe. Bei den Dreharbeiten zur MTV-Show «The Osbournes» verunglückte Rock-Legende und Familien-Oberhaupt Ozzy mit einem Quad-Bike. Er brach sich einige Rippen, das Schlüsselbein zertrümmert und die Lunge durchlöchert. Der «Black Sabbath»-Frontmann lag während acht Tagen im Koma. MTV unterbrach darauf die Dreharbeiten. Der Moderator Elton holte sich beim «TV total Turmspringen 2010» ein blaues Auge. Beim Synchronspringen mit Stefan Raab prallte er nach einem guten Absprung und Rückwärtssalto mit dem Gesicht ins Wasser. «Der Arzt hat sich die Verletzung angesehen, zum Glück waren meine Augen zu, und es ist nicht mehr passiert», sagte der 39-Jährige dem Sender ProSieben, der das Turmspringen live aus der Münchner Olympiahalle übertrug.

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Nach dem tragischen TV-Unfall bei Thomas Gottschalk werden Konsequenzen gefordert – und gezogen. Das ZDF kündigte an, die Sicherheit der Show weiter verschärfen zu wollen. Nachdem Millionen von Zuschauern in Deutschland. Österreich und der Schweiz zusehen mussten, wie der 23-jährige Samuel Koch möglicherweise seine Zukunft verspielt hat, dürften andere Live-Spielshows nun kritisch beäugt werden.

Darunter fällt auch das «ProSieben»-Format «Schlag den Raab»: Am 18. Dezember wird wieder ein Kandidat in mehr oder weniger aufwändigen Spielen gegen den «TV total»-Moderator antreten. Immer wieder ist es in der Sendung zu kleineren Unfällen gekommen: Im April etwa war Raab vom Mountainbike gestürzt und hatte sich Jochbein und Kieferhöhlenwand gebrochen.

«Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben»

Jetzt hat sich der Entertainer selbst zum ZDF-Vorfall geäussert – und seine Bestürzung zum Ausdruck gebracht. Der 44-Jährige kann nicht nur mit Samuel Koch mitfühlen, sondern auch mit den Show-Verantwortlichen: «Es tut mir sehr leid, in erster Linie natürlich für den Wettkandidaten, aber auch für die Macher von 'Wetten, dass ..?' und für den Kollegen Thomas Gottschalk», sagte Raab am 6. Dezember einer deutschen Nachrichtenagentur.

Die Frage, wie weit Fernseh-Formate gehen können, beschäftigt den Moderator natürlich auch. «Jeder, der Shows produziert, in denen es um Wettkampf und sportliche Herausforderungen geht, versucht das Risiko zu kalkulieren und zu minimieren», versuchte Raab zu erklären, gab aber auch zu: «Dennoch wird es eine 100-prozentige Sicherheit nie geben.»

(phi)