Roger Schawinski zum SF

03. Februar 2011 11:25; Akt: 03.02.2011 15:39 Print

SF schmückt sich mit «bestem Talker»

Roger Schawinski moderiert ab Sommer jeden Montag eine Talk-Show. Superdirektor Matter spricht von der «Rückkehr des verlorenen Sohnes».

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Zurück vor den Kameras des SF: Roger Schawinski und das Schweizer Fernsehen liessen am 3. Februar 2011 eine Bombe platzen. Der umstrittene Medienpionier übernimmt ab August 2011 wieder eine Sendung auf SF1 und kehrt damit nach 34 Jahren Abstinenz zum Schweizer Staatsfernsehen zurück. Überredet hat ihn zur wöchentlichen Talkshow SRF-Direktor Rudolf Mattern. Roger Schawinski, am 11. Juni 1945 in Zürich geboren,begann nach Studien in St. Gallen und in den USA ab 1970 für das Deutschschweizer Fernsehen zu arbeiten. Am 4. Januar 1974 ging der von ihm erfundene «Kassensturz»auf Sendung. 1977 wurde er Chefredaktor der Migros-Zeitung «TAT». 1979 ging Radio 24 auf Sendung. Die Sendeanlage stand auf dem 2948 Meter hohen Pizzo Groppera bei Como auf italienischem Gebiet. In Italien waren Privatradios bereits legal. Demo für Radio 24: Über 3000 Menschen gingen im Januar 1980 in Zürich für Radio 24 auf die Strasse. Roger Schawinski (r.) war natürlich auch dabei. Schawinski (r.) mit Christian Heeb 1980 im Radio-24-Studio in Cernobbio (I). Schawinski (r.) im November 1983 im Studio von Radio 24. Die Schweizer Behörden bekämpften Radio 24 erbittert. Schawinski (r.) vor dem Eidgenössischen Verkehrs- und Energiedepartement in Bern. 1983 erhielt der Radiopirat eine eidgenössische Konzession. Doch Schawinski wollte nicht nur Radio machen, sondern auch Fernsehen: 1994 entstand mit TeleZüri das erste private Schweizer Regionalfernsehen. Roger Schawinski 1997. Im Jahr darauf erhielt er die Konzession für das erste sprachregionale Deutschschweizer Privatfernsehen, Tele24. Prominente Talkgäste: Schawinski (l.) mit SVP-Nationalrat Christoph Blocher im Oktober 1999 in der Sendung «Talk Täglich». Schawinski wurde für seine Arbeit verschiedentlich ausgezeichnet: 1981 erhielt er in Los Angeles den «Billboard Trendsetter Award», 1995 den «Lifetime Award» der Zeitschrift «Tele», 1996 den Zürcher Radio- und Fernsehpreis und 1998 schliesslich den Gottlieb-Duttweiler-Preis. Ein nachdenklicher Roger Schawinski (r.) an der Medienkonferenz vom 22. August 2001 neben Hans Heinrich Coninx, Verwaltungsrats-Präsident der Tamedia AG. Es wurde bekannt gegeben, dass die Zeit von Tele24 vorbei sei. Am 30. November 2001 war dann der letzte Sendetag von Tele24. Wohin jetzt? Schawinski schliesst eine Rückkehr ins TV-Geschäft nicht aus. Allerdings erst ab 2004, und wenn «faire gesetzliche Rahmenbedingungen» bestünden. Dann ziehts Roger Schawinski nach Deutschland: Am 4. Dezember 2003 wird er Geschäftsführer des Privatfernsehsenders Sat.1. Ende November 2006 gibt er bekannt, dass er Sat.1 zum Jahresende 2006 aus eigenem Entschluss vorzeitig verlassen werde. Zurück in der Schweiz gründet Schawinski den Radiosender Radio 1. Er entsteht am 17. März 2008 aus dem vormaligen Sender Radio Tropic, den Schawinski gekauft hat. Kassensturz, Tat, Radio 24, TeleZüri, Tele24, Sat1, Radio 1 und nun wieder zurück zum Schweizer Staatsfernsehen. Roger Schawinski ist nicht zu bremsen, wir sind gespannt auf seinen nächsten Coup.

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Wer hätte das für möglich gehalten: Das Schweizer Fernsehen holt überraschend Roger Schawinski an Bord. Kaum jemand schoss schärfer und bissiger gegen das Schweizer Fernsehen als der Medienpionier. Nun macht er gemeinsame Sache mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen: «Ab 22. August 2011 wird Roger Schawinski jeden Montag um 22.55 Uhr hochkarätige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu einem Gespräch einladen», heisst es im Communiqué vom SF, man gebe damit «dem besten Talker der Schweiz einen festen Platz im Programm von SF 1», erhält Schawinski bereits im Voraus viel Lob von seinen neuen Chefs.

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Roger Schawinski kehrt nach 34 Jahren zum SF zurück. Frohe Botschaft?
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Insgesamt 8934 Teilnehmer

Von TV-Direktor Rudolf Matter wurde Schawinski an der Medienkonferenz mit den Worten empfangen: «Ein verlorener Sohn kehrt zurück. Das ist ein grosser Tag für uns alle.» Superdirektor Matter und der ehemalige Sat-1-Chef Schawinski verstehen sich seit Jahren bestens. Schawinski meinte zum Comeback beim von ihm viel kritisierten SF, jetzt seien wieder TV-Leute an der Spitze und keine Politiker mehr. «Ja, ich war in Opposition», sagte Schawinski. Dies habe aber in erster Linie mit Ex-SRG-Chef Armin Walpen zu tun gehabt.

«Ich bleibe unabhängig»

Der Radiopionier will sich denn auch in Zukunft «nicht verbiegen», wie er an der Pressekonferenz am Donnerstag sagte. «Ich werde mich auch in Zukunft so äussern, wie ich will. Ich bleibe unabhängig und glaubwürdig.» Das will Schawinski bereits in einer seiner ersten Sendungen beweisen: Dort bittet er Roger de Weck, den neuen SRG-Generaldirektor, zum Gespräch. Es werde, so verspricht Schawinski, genau so kritisch wie bei jedem anderen.

Der Talk «Schawinski» wird 43 mal im Jahr ausgestrahlt und wird jeweils eine knappe halbe Stunde dauern. Mit dem neuen Format schliesse man eine Lücke, sagte Diego Yanez vor den Medien. Die Sendung sei eine optimale Ergänzung zu den bestehenden Sendungen «Arena» und «Club». Geplant sind kontroverse Gespräche mit den wichtigsten Exponenten aus Politik und Wirtschaft. Er werde aber wie bisher als Chef von Radio 1 wirken. Beim SF entscheide Schawinski selber, wen er zum Talk einlädt. Der verlorene Sohn sagte, er sei «komplett frei». Und auch wenn er es für einmal nicht selber erfunden hat, sagt Schawinski: «Ich freue mich wahnsinnig. Dieses Format ist mir auf den Leib geschneidert.»

Die Überraschung ist also perfekt: Schawinski, der 1969 seine Karriere beim Schweizer Fernsehen bei der «Rundschau» begonnen hatte, kehrt nach 42 Jahren zur SRG SSR zurück. 1974 gründete er den «Kassensturz», 1979 ging er mit dem ersten Schweizer Privatsender Radio24 auf Sendung. Danach gründete er Tele24, heute TeleZüri, wo er jahrelang «Talk Täglich» moderierte.

(amc/cap/meg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christoph B. am 03.02.2011 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig!

    De Weck, Giaccobo, Schawinski...willkommen im Sozi-TV!

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  • Samuel Roggenmoser am 04.02.2011 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    hu kärs

    Selbst Schawinski ist eben nur ein Mensch! Die Eitelkeit und die Sucht nach vielen Zuschauern hat auch ihn zum allmächtigen, alleinherrschenden Staatsender getrieben. Die Schweiz - medienpolitisch schlimmer als die ehemalige Sowjetunion. (hat das irgendwie nicht mal Schawinski gesagt? oder so ähnlich?) hu kärs - Schawinski ist nun für mich out.

  • frilalo am 03.02.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Freude für Herrn Giaccobo

    Da wird sich Victor Giaccobo aber freuen, dass Schawinski nun beim gleichen Sender arbeitet :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • andie politik am 15.02.2011 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    pfui roger

    jetzt hat er sein gesicht endgültig verloren

  • Samuel Roggenmoser am 04.02.2011 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    hu kärs

    Selbst Schawinski ist eben nur ein Mensch! Die Eitelkeit und die Sucht nach vielen Zuschauern hat auch ihn zum allmächtigen, alleinherrschenden Staatsender getrieben. Die Schweiz - medienpolitisch schlimmer als die ehemalige Sowjetunion. (hat das irgendwie nicht mal Schawinski gesagt? oder so ähnlich?) hu kärs - Schawinski ist nun für mich out.

  • Claudia Schäfer am 04.02.2011 00:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pirat? Nein - Verrat!

    Pirat? Nein - Verrat! Ab sofort lösche ich Radio 1 aus meiner Radio Sendertabelle, da Herr Schwawinski nun ebenfalls ein Teil der SRG ist. SRG über alles .... aber ohne mich.

  • update77 am 03.02.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schawi und Distanz...

    Laut SF-Superdirektor Matter muss der neue Polit-Talker gebührende "Distanz" zu Themen und GesprächspartnerInnen haben. Hat der gute Mann noch nie "Roger gegen Roger" über sich ergehen lassen? Wenn Schawi eines nicht hat, dann ist es Distanz...

  • amana1 amana1 am 03.02.2011 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlichekeit und Kompetenz

    Wenn Herr Schawinski kein Maulkorb verpasst bekommt und auch "brenzliche" Fragen stellen darf ist so eine Talk-Show recht angenehm, aber wenn er weitere Politische Lügen verbreiten will, dann soll er dort bleiben wo er ist. Früher habe ich gerne und immer, Arena gesehen. Sorry, aber was Heute im Arena kommt, ist alles aufgesetzt, nur wenig ist echt und vor allem, nur wenig ist Wahrheit. Alles Schein! Merkt man leider, erst nach den Wahlen!