«Reality Queens»

30. August 2013 15:11; Akt: 30.08.2013 15:11 Print

Schwachsinn, Rassismus und hüpfende Brüste

Die TV-Show «Reality Queens auf Safari» verärgert Hilfsorganisationen. Das Format sei rassistisch und menschenunwürdig. Prosieben sieht das anders.

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22 Entwicklungshilfe-Organisationen haben in einem offenen Brief den Münchner Privatsender Prosieben aufgefordert, die «rassistische» Reihe «Reality Queens auf Safari» einzustellen. Ein Prosieben-Sprecher stellt jedoch klar: Das Format bleibt.

Zehn Doppel-D Promis machen seit Ende August als «Reality Queens» Tansania unsicher. Mit dabei Nacktschnecke Micaela Schäfer, Teppichluder Janina Youssefina und die überaus blonde Berufstochter Nina Kristin. Doch statt Völkerverständigung zu betreiben, müssen sie peinliche Spielchen bewältigen. Die Diven-Delegation scheint schon nach wenigen Stunden an ihre Grenze zu kommen. Denn in der Wildnis mangelt es selbst an den elementarsten Dingen. Nicht einmal Lipgloss gibt es.

Wo die echten Wilden wohnen

«Das Format stellt die Menschen des Landes in einer rassistischen und diskriminierenden Form dar», hiess es in dem offenen Brief. «Das erzeugte Bild von Tansania und seinen Menschen ist einfältig, beleidigend und menschenunwürdig. Die Ausstrahlung der Sendung in der deutschen Medienlandschaft ist daher inakzeptabel.»

Doch die Botschaft der Sendung scheint klar: Die Massai kennenlernen und sich mit ihrem Leben vertraut machen will hier niemand. Nicht die Kandidatinnen, nicht der Sender. Bereits im Vorspann der Sendung werde Tansania als kleines Land dargestellt, in dem «Afrika noch mehr als eine Showkulisse» sei, klagen die NGO, und wo «die Tiere richtig wild und die Naturvölker richtig echt» seien. Stereotype würden bedient und «ein rassistisches, neokoloniales Bild Afrikas» gezeichnet, heisst es in dem Schreiben weiter.

In Afrika sind doch alle nackt, oder?

Dass an diesen Vorwürfen etwas dran ist, zeigt nicht nur Nina Kristin, die sich im Dorf auf keinen Fall mit der Krätze anstecken möchte («Ich werde mich erst mal von Kopf bis Fuss desinfizieren»). Auch Casting-Sternchen Gabby scheint nicht die Hellste am Firmament: Sie vermutet, dass die Massai den ganzen Tag ums Feuer tanzen und dabei jodeln. Auch Micaela Schäfer lässt nicht nur ihre Brüste hüpfen, sondern schmeisst auch mit Klischees um sich: «Ich hoffe, in Afrika sind alle leicht bekleidet – so wie ich.»

Prosieben will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. «Es liegt uns fern, ein neokoloniales Bild Afrikas zu zeichnen. Im Gegenteil: Wir möchten in diesem Unterhaltungsprogramm besonders die Schönheit Afrikas zeigen.» Natürlich denkt der Sender nicht daran, das Format aus dem Programm zu kippen.

Das Schreiben hatte der Verein Tanzania-Network.de an Prosieben gesendet mit Unterstützung von Organisationen wie dem Arbeitskreis Panafrikanismus.

(isa/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel am 30.08.2013 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausbeutung !?!

    Absoluter Schwachsinn ! An Arroganz nicht zu überbieten !!!!!!!

  • Mathias am 31.08.2013 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Verlust der Deutungshoheit

    Kein vernünftiger Mensch erwartet von einem solchen Format auch nur einen Hauch von einem aufklärerischen oder gar intellektuellen Mehrwert. Deshalb ist das Gezeter nur vor dem Hintergrund zu verstehen, dass die Hilfswerke um den Verlust ihrer Deutungshoheit darüber fürchten, was Afrika ist und gefälligst zu sein hat. Dass sie damit (wie auch das Qutonvehikel des Privat-TVs) vor allem sich selber und weniger den Menschen in Afrika dienen, ist wohl klar. Und man könnte es genau so gut als neokoloniales Gehabe anprangern.

  • asdf am 30.08.2013 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trash hoch 10

    Man sollte die Tansanier vor diesen Leuten beschützen....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mich ael am 01.09.2013 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe das Problem

    Die einzige Verstereotypsierung die rassistisch stattfindet in dieser Sendung, ist dass die kaukasische Rasse als brustoperiert, degeneriert und aufmerksamkeitssüchtig dargestellt wird! Die Auswahl der gezeigten Personen ist viel zu einseitig, ganz im Gegenteil zu den gezeigten Massai die vielseitiger dargestellt werden!

  • Der Nachtwandler am 01.09.2013 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MKUltra

    Im Endeffekt dienen solche sogennanten *Reality* Sendungen der Manipulation von Kindern und Jugendlichen. Das Niveau ist so minderwärtig und die Menschen dieser Sopes wie *The Valleys* ect sind einfach nur stupide und sich nicht bewusst, was sie sagen und wie sie sich benehmen. Dieser ganze Schwachsinn und Werbungen im Tv dient zur Massenverblödung. Tag für Tag sinkt der Pegel des Niveaus doch auch dies bedeutet Besserung, den negatives ist dazu da positivies zu schätzen. Danke

  • anja am 01.09.2013 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld wers schaut

    wer sich diesen seich ansieht unterstützt pro 7 ja noch, denn wenn die quoten stimmen, wieso abschalten? ich finde es traurig dass heute so viel schrott im fernseh kommt. wenn ich etwas "normales" schauen will muss ich mir die tagesschau ansehen. ps: bin nicht 50+ sondern 14

    • Marcos Cooper am 01.09.2013 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig!

      Meine Meinung, wenns Niemand schaut wirds nicht mehr gesendet!!

    einklappen einklappen
  • Stephan Molnar am 01.09.2013 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Unverschämtheit  

    Ich finde das Format als Medienschaffender nicht OK was Pro7 hier ausstrahlt was meint ihr dazu?

  • Inna am 01.09.2013 02:34 Report Diesen Beitrag melden

    Micaela Schäfer ist einfach Kult

    Sie verdient bis zu 50.000 Euro im Monat durch TV Auftritte, Club-Auftritte, Werbedeals; Model etc. Das ist doch ein Comedy Programm, wieso regen sich die Leute auf.