«10 vor 10»

23. Dezember 2008 23:15; Akt: 24.12.2008 10:53 Print

Susanne Wille verschleiert bei den Mullahs

von Gaudenz Looser - Wie fühlt es sich an, einen muslimischen Schleier tragen zu müssen? SF-Newsfrau Susanne Wille hat es zwei Wochen lang selber erfahren.

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Das weibliche SF-Team recherchierte im Iran zum Thema Kopftuchfrage. (SF)

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«Unser Schwarz-Weiss-Denken über Frauen in islamischen Ländern greift zu kurz», fasst SF-Journalistin Susanne Wille ihre Erkenntnisse einer aus­sergewöhnlich spannungsvollen und manchmal auch brenzligen Reportagereise zusammen: «Frauen, die Kopftücher tragen, fühlen sich deswegen nicht automatisch unterdrückt.» Für eine Serie, die ab nächstem Montag gezeigt wird, reiste Wille mit dem Zug von Istanbul nach Teheran – in der Kopftuchfrage eine Weltreise: Während in der Türkei Kopftücher vielerorts verboten sind, gilt im Iran die Kopftuchtragepflicht – hierzulande letztmals heftig diskutiert wegen Micheline Calmy-Rey. Für Wille war es nicht einfach, selber ein Kopftuch zu tragen: «Es fühlte sich fremd an; ich bin es gewohnt, auf Augenhöhe mit Männern zu kommunizieren, ihnen auch die Hand zu geben. Während eines Interviews mit dem iranischen Gasminister musste ich ständig daran denken, ob meine Kleidung auch korrekt ist.» Noch schwieriger war es für die Kamerafrau, die ihr Equipment mühsam über der Verschleierung tragen musste. Wie komplex die Kopftuchfrage ist, kann eine christliche Mitteleuropäerin aber letztlich nur erahnen: «Wir haben unzählige Frauen gefragt, weshalb sie das Kopftuch tragen und was es ihnen bedeutet. Nicht zweimal kam die gleiche Antwort», sagt Wille.

«10 vor 10» am 29. und 30. Dezember sowie zwischen 5. und 10. Januar