Trash-Show «Paradise Hotel»

07. August 2019 05:00; Akt: 07.08.2019 05:00 Print

«Eine Frau muss ihrem Mann gehorchen»

Volle Trash-Offensive: Neben dem «Sommerhaus der Stars» strahlt RTL jetzt auch «Paradise Hotel» aus. Der Stoff überrascht kein bisschen, das Gedankengut der Kandidaten schon.

Erste Eindrücke zur neuen Show gibts im TV-Trailer zu «Paradise Hotel». (Video: TVNow/RTL)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Dienstagabend hat RTL die erste Folge der neuen Reality-Kuppelshow «Paradise Hotel» ausgestrahlt. Das Spezielle an diesem Format: nichts.

Umfrage
Was hältst du von «Paradise Hotel»?

Penetrant zeigefreudige Menschen mit geschmacklich fragwürdigen Tattoos und auf die Urinstinkte reduziertem Sozialverhalten balzen, bechern und buhlen darum, als letzte Teilnehmer übrig zu bleiben.


Die Kandidaten, die am Ende der ersten Folge noch dabei sind. (Bild: TVNow/Frank Fastner)

Das Prinzip ist eins zu eins von «Love Island» gecopypastet: Fünf Frauen und fünf Männer müssen sich zu Heteropaaren (gleichgeschlechtliche wären wohl zu modern) zusammenfinden; eine weitere Person kommt dazu, muss jemanden ausspannen, und die oder der, welche/r am Ende des Tages ohne Bettgspänli dasteht, packt die Koffer.

Der kleine Twist: Die Gewinnsumme von 20'000 Euro (bei «Wer wird Millionär?» gibts jede Woche für ein paar richtige Antworten wahnsinnig viel mehr Geld) streicht das Siegerpaar nur ein, wenn sich am Ende beide gemeinsam für Liebe statt Batzen entscheiden – wenn jemand die Beziehung wählt und die/der andere den Stutz bevorzugt, geht der Stutz nur an den profitorientierten Teilnehmer.

Hier sind die vier Szenen der Staffelpremiere von «Paradise Hotel», die trotz Trash-Einheitsbrei in Erinnerung bleiben – und nur bedingt in positiver.

1. Die Gleichberechtigung blieb zu Hause

Dem Klischee nach ist das Gedankengut von Reality-Datingshow-Kandidaten eher auf der unaufgeklärten Seite gelagert. Und weil solche Sendungen von Klischees leben, fallen nur wenige der «Paradise Hotel»-Gäste aus diesem Rahmen.

«Männer und Frauen sollten ganz klar auf Augenhöhe sein», beginnt Bilderbuch-Macho Salvatore (26) vielversprechend, «aber als Frau sollte man sich in einer Beziehung schon unterordnen.» Auch Student und Wannabe-Model Germain (21, Bild) spielt eher im Team «Frauenstimmrecht optional»: «Die Frau muss wissen, dass der Mann mehr zu sagen hat. Sie muss ihm gehorchen.»

Bürokauffrau Miriam (25) findet, er habe «ein bisschen recht». Immerhin: Berufskollegin Jacqueline (30) bezeichnet diese Meinung als «furchtbar, furchtbar», beraubt diese Aussage mit ihrem Lächeln aber jeglicher Glaubwürdigkeit.

2. Nein heisst nicht Nein

Er könnte der verhängte, freundliche Kumpeltyp sein, aber hinter dem entspannten Getue von Tanzlehrer-Slash-Musiker Aaron (23) verbirgt sich – nicht lange – ein schmieriger Baggerer, der das «Nein» einer Frau nicht akzeptiert.

Nachdem er Jacqueline mit seiner ganzen Wortgewalt («Du hast so krasse Augen, Mann. Fuck. Echt, echt krasse Augen. Richtig blau, strahlende, funkelnde, wow») bezirzt, will er in der ersten gemeinsamen Nacht die Früchte seiner intellektuellen Arbeit ernten.

Sie sagt klar, dass er auf seiner Seite bleiben soll. Mehrmals. Er setzt sich darüber hinweg. Mehrmals. Schliesslich gibt er auf und dreht sich beleidigt weg.

Am nächsten Tag erzählt er seinem gleichdenkenden Konkurrenten Germain: «Jacqueline hat das Image fuckable. Aber sie ist nicht fuckable.» Dann wandern seine Augen zur im Pool planschenden Linda (25): «Die würd ich so bumsen, ey. So eine macht alles mit.» Ein Hauptgewinn, dieser Aaron.

3. Tattoos aus dem Internet

Apropos Linda: Besonders stolz ist die ehemalige «Love Island»-Kandidatin auf ihren Vor- und Hinterbau. Aber auch ihre grosse seitliche Tätowierung hält sie gern in die Kamera. Wir haben entziffert, was dort in supertrashiger Schnüerlischrift geschrieben steht:

«Glaube an Wunder, Liebe und Glück, schau nach vorne, niemals zurück. Tu was du willst und stehe dazu, denn dieses Leben lebst nur du.» Eine Google-Reverse-Suche dazu ergibt, dass diese Weisheit unter anderem auf Spruch-des-tages.org in der Kategorie «Lebenssprüche» aufgeführt ist. Falls du gerade auf der Suche nach Tattoo-Inspo oder so bist.

Auf diesem Portal haben wohl auch folgende beiden «Paradise Hotel»-Bewohner ihre Tinten-Weisheiten gefunden:

Auf Marios Bizeps steht (natürlich ebenfalls in Schnüerlischrift): «Wer will der kann» – das fehlende Komma macht er mit einem Anker wett, der wohl die Tiefe suggerieren soll, die dem 23-Jährigen fehlt.

Und Elyas (25) zeigt in Fast-Schnüerlischrift, dass er ein Muttersöhnchen ist.

4. Zum Kotzen

Der sympathischste Kandidat ist Kevin – wahrscheinlich, weil er nicht lange genug dabei war, um eine Abneigung gegen ihn zu entwickeln. Kaum hatte der 27-Jährige das gemeinsame Zimmer mit Linda bezogen, drehte sich sein Magen schneller als die Niveau-Abwärtsspirale der Show.

In der Folge, äh, spuckte er die ganze Nacht lang über den Balkonrand und die Produktionsfirma liess dabei geistesgegenwärtig das Mikrofon an, wobei wir uns nicht sicher sind, ob die gehörten Laute nun Kevins Erbrechen oder die Brunftschreie einer ganzen Herde mexikanischer Elche waren.

Körperlich am Ende checkte der Schichtleiter tags darauf aus dem «Paradise Hotel» aus. Und kehrt dann wohl in einer späteren Folge als Couple-Crasher zurück.

In dieser Rolle taucht auch die Zürcher Ex-«Bachelor»-Kandidatin Mia (22, Mitte) in der Show auf. Allerdings ist (auch ihr) nicht bekannt, wann sie ihren ersten Auftritt hat. Auf Anfrage schätzt sie, dass es in der dritten oder vierten Episode so weit ist – in der Staffel-Vorschau zu Beginn der ersten Folge ist sie jedenfalls schon mehrmals zu sehen:

«Paradise Hotel» läuft dienstags um 22.15 Uhr auf RTL und jeweils vorab im Stream bei TVNow.

(Alle anderen Bilder sind Screenshots von TVNow/RTL.)

(shy)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven E. am 07.08.2019 05:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das Schlimmste am Ganzen

    sind nicht die Protagonisten und deren Ansichten. Die wurden wohlweislich so zusammengecastet und zwecks Quote mit diversen Regieanweisungen versehen. Das eigentlich Schlimme ist, dass sich offenbar ausreichend Zuschauer fuer so einen Sch.... finden. Die wirklich Doofen sind nicht im TV zu bestaunen; sie sitzen davor. Schaltet ab, lest ein Buch, besucht ein Museum, nehmt an Abendkursen teil. Tut irgendwas oder eure graue Masse wird vollends zu Gruetze.

    einklappen einklappen
  • 52 Jahre am 07.08.2019 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Sprache?

    Gemäss diesem Artikel hat die Sendung wohl ein unterirdisches Niveau. Dieser Artikel ist sprachlich aber auch nicht gerade ein Genuss! Mag sein, dass die ca 20jährigen Freude an Ihrer Sprache haben. Ich bin aber überzeugt, dass es unsere Sprache verdient hätte, von diesen übertrieben vielen Anglizismen verschont zu werden - danke. Käme auch unserer Jugend zugute.

    einklappen einklappen
  • Flitzpiepe am 07.08.2019 05:51 Report Diesen Beitrag melden

    überfordert

    So viel Esprit, Eloquenz und Charme überfordern mich am frühen Morgen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.S. am 07.08.2019 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Auch da gilt die Gleichstellung !

    Nur wenn der männliche Teil des Paares gelegentlich auch gehorcht.

  • Didi am 07.08.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    es geht nur um 1

    Schlimm, wenn die sich vermehren.

  • P.B. am 07.08.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Getriggert?

    Die journalistische Qualität spiegelt in etwa das Niveau der Sendung...

  • Se Re am 07.08.2019 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Out

    Es Wird Zeit das die Version Bachelor in Paradise kommt!

  • Nelly Zuber am 07.08.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehn wunderts

    Das zeigt welchr Werte diese Kulturkreise vertreten, aber dad wussten wir ja schon lange.