Billig, billiger, britisch

09. Mai 2012 16:28; Akt: 09.05.2012 17:03 Print

Vaginal-Bling und Sozialneid

von Oliver Baroni - Vergessen Sie «Jersey Shore» oder «Jung, wild & sexy»! Wer es so richtig derb, trashig und tussig mag, sieht sich am besten beim britischen Reality-TV um.

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Gestatten, die Damen Vicky, Holly, Sophia und Charlotte-Letitia - vier der insgesamgt neun Protagonistinnen aus «Geordie Shore», dem Nordenglischen Gegenstück zum US-Vorbild aus New Jersey ... Wobei das Wort «Damen» grosszügig anzuwenden ist ... ... denn man muss sich die Sendung wie folgt vorstellen: Wie «Jersey Shore», aber in Newcastle. Sprich: Derber, ekliger, verkommener. Oder: «Ein buntes Kaleidoskop von Sixpacks, Wodka-Shots, Schlägereien, simulierter Fellatio und entblössten Brüsten», wie TV-Kritiker Christopher Hooton die Sendung beschrieb. Aber: «Schockiert über die Lüsternheit von Geordie Shore zu sein ist dasselbe, wie sich über den Mangel an Nährwert in einer Packung Instant-Nudeln zu echauffieren.» Unter anderem mit von der Partie: Das Bräunungswunder Holly Hagan. «Ich sehe geil aus, mag flirten und habe Doppel-F-Körbchengrösse. Was will man noch mehr?», so die 18-Jährige. Die 20-jährige Charlotte-Letitia Crosby: «Ich würde niemals jemand ohne Sixpack küssen.» Jay Gardner «Mit wem auch immer, wann auch immer!») und James Tindale («Wieso nicht raus gehen, sich besaufen, sich nackert machen und Spass haben?») sind zwei der prominenteren Geordie-Jungs. Wenn Sie nun meinen, in «Geordie Shore» gehe es nur ums Bölken und Bumsen, dann täuschen Sie sich. Brisante Sachbereiche wie Bräunungsduschen, Trainingstipps und Shopping werden ebenso thematisiert ... ... wie auch die der Humanbiologie. Die erste Reality-Show der Insel, die als Antwort auf «The Hills» oder «Jersey Shore» wahrgenommen wurde ist «The Only Way Is Essex» - kurz TOWIE. Die Parallelen zum US-Vorbild liegen auf der Hand. Wie der Bundesstaat New Jersey gehört die ostenglische Grafschaft Essex zur Agglomeration der nahe gelegenen Weltstadt; der Aargau Londons, quasi. Doch das Aller-Allerwichtigste, das die Sendung hervorbrachte, ist, den Vaginal-Schmuck-Trend Vajazzle zum Durchbruch zu verhelfen. Nach der Episode in der die Kosmetikerin Amy Childs ihrer Kundin etwas Bling für ihr Ding empfahl, gab es in ganz Grossbritannien nur noch ein Gesprächsthema. Keine Frage, dass auch im «Celebrity Big Brother»-Haus danach fleissig vajazzelt wurde. Hier sind die Jedward-Zwillinge daran, Amy den Gefallen zu erwidern. TOWIE ist inzwischen in ihrer fünften Staffel angelangt. Menschen wie Amy Childs ... ... oder Joey Essex gehören heute zu den Fixtsternen der britischen Cervelat-Prominenz. Während «Geordie Shore» und TOWIE auf Proll-Appeal aufbauen, setzt «Made In Chelsea» komplett auf Sozialneid. Denn hier geht es um die Reichen und Schönen von West London. Sind die Protagonisten von «Geordie Shore» oder TOWIE etwa Visagistinnen, Seite-3-Girls und Fitness-Instruktoren , wird man bei MiC mit Diamantenhändler-Erben, Fashion-Blogger und Models konfrontiert. Wie bei den anderen Shows geht es weiterhin um den üblichen Beziehungsknatsch, nur dass Handlung auf Skipisten in Verbier, Hinterzimmern von Investment-Banken oder auf den Rücken edler Polo-Ponies spielt. Oder wie es Keith Watson von der Tageszeitung «Metro» ausdrückte: «Die Teilnehmer sind schlanker, geschmeidiger, begüterter und honigfarbener als ihre Essex-Gegenstücke». Die Show ist ein voller Erfolg ... ... was von «Desperate Scousewives» leider nicht gerade behauptet werden kann. Selbst Fans von britischem Billig-Bling durchschauten den Mitläufer-Aspekt der Show, die von konsumbesessenen Liverpoolerinnen handelt ... Obwohl die Haare noch gefärbter, der Selbstbräuner noch orangenfarbener und die Brüste noch künstlicher sind als die ihrer ostenglischen Kontrahendinnen, wurde die Show nach acht Episoden abgesägt. Man schleppe lediglich die TOWIE-Vorlage nach Liverpool, so TV-Kritiker Keith Watson, «wo man bei Ankunft den wahrlich deprimierendsten Haufen Wannabes begegnet seit ...» «... nun seit der Lancierung der letzte dieser unrealistischen Reality-Shows.» «Nach fünf Minuten Beisammensein mit Amanda, Joe, Layla und Giftbloggerin Jaiden war mein Vertrauen in die menschliche Natur erschüttert.»

Fehler gesehen?

Wer je einmal einen Samstags-Ausgang in einer durchschnittlichen englischen Stadt erlebt hat, weiss Bescheid: Auf der Insel sind die Minijupes kürzer, der Alkohol fliesst schneller und die Moral sitzt dementsprechend tiefer als auf dem Kontinent. Wer sind die Vorbilder dieser Blüten britischer Tugend? Wohl kaum die dezente Förmlichkeit der Queen und ihrer Familie (die sind eh Deutsche). Nein, Ikonen und Opinion-Leaders der Partyszene in Britannien sind - wie anderswo auch - TV-Stars und Reality-Sternchen. Nur dass diese im Vereinigten Königreich bald einmal einiges blonder, vollbusiger und blingbehangener als anderswo sind.

Schlägeln und Schlucken

Fallbeispiel «Geordie Shore», die erste offizielle ausländische Adaption von MTVs «Jersey Shore»: «Ein buntes Kaleidoskop von Sixpacks, Wodka-Shots, Schlägereien, simulierter Fellatio und entblössten Brüsten», wie TV-Kritiker Christopher Hooton die Sendung beschrieb, die eine Gruppe junger Damen und Herren aus dem nordenglischen Newcastle thematisiert. Hooton konstatierte aber, dass Kritik an der Show per definitionem unsinnig sei: «Schockiert über die Lüsternheit von ‹Geordie Shore› zu sein ist dasselbe, wie sich über den Mangel an Nährwert in einer Packung Instant-Nudeln zu echauffieren.» Eine Parlamentsabgeordnete für Newscastle beschrieb die Show als «hart an der Grenze zu Pornografie».

Bald steht die dritte Staffel an: Die Geordies gehen an den US-Springbreak in Cancún. Ungefähr so, als würde eine Rugby-Mannschaft ein American-Football-Spiel aufmischen. Und die Football-Spieler keine Helme tragen dürften.

Schmuck für die Scham

Die erste Reality-Show der Insel, die als Antwort auf «The Hills» oder «Jersey Shore» wahrgenommen wurde ist «The Only Way Is Essex» - kurz TOWIE. Die Parallelen zum US-Vorbild liegen auf der Hand. Wie der Bundesstaat New Jersey gehört die ostenglische Grafschaft Essex zur Agglomeration der nahe gelegenen Weltstadt; der Aargau Londons, quasi. Doch das Aller-Allerwichtigste, das die Sendung hervorbrachte, ist, dem Vaginal-Schmuck-Trend ‹Vajazzle› zum Durchbruch zu verhelfen. Nach der Episode, in der die Kosmetikerin Amy Childs ihrer Kundin etwas Bling für ihr Ding empfahl, gab es in ganz Grossbritannien nur noch ein Gesprächsthema. Inzwischen parlieren US-Stars wie Jennifer Love Hewitt in Talkshows darüber, wie sie sich Vajazzle-Strasssteine anbringen liessen. Die transatlantische ‹Special Relationship› gilt offenbar weiterhin.

Sozialneid und Skipisten

Während «Geordie Shore» und TOWIE auf Proll-Appeal aufbauen, setzt «Made In Chelsea» komplett auf Sozialneid. Denn hier geht es um die Reichen und Schönen von West London. Während die Protagonisten von «Geordie Shore» oder TOWIE Visagistinnen, Seite-3-Girls und Fitness-Instruktoren sind, wird man bei MiC mit Diamantenhändler-Erben, Fashion-Blogger und Models konfrontiert. TOWIE soll gefälligst den Bediensteten-Eingang benutzen. Wie bei den anderen Shows geht es weiterhin um den üblichen Beziehungsknatsch, nur dass die Liebenden auf Skipisten in Verbier und in Hinterzimmern von Investment-Banken wandeln. Oder wie es Keith Watson von der Tageszeitung «Metro» ausdrückte: «Die Teilnehmer sind schlanker, geschmeidiger, begüterter und honigfarbener als ihre Essex-Gegenstücke.» Die Show ist ein voller Erfolg.

Deprimierende Busenwunder

Leider konnte «Desperate Scousewives» nicht an den Erfolg der Konkurrenz aus Essex, Chelsea und Newcastle anknüpfen. Selbst Fans von britischem Billig-Bling durchschauten den Mitläufer-Aspekt der Show, die von konsumbesessenen Liverpoolerinnen handelt. Obwohl die Haare noch gefärbter, der Selbstbräuner noch orangenfarbener und die Brüste noch künstlicher sind als die ihrer ostenglischen Kontrahendinnen, wurde die Show nach acht Episoden abgesägt.

Keith Watson beschrieb die Show als «deprimierend». Man schleppe lediglich die TOWIE-Vorlage nach Liverpool, «wo man bei Ankunft den wahrlich deprimierendsten Haufen Wannabes begegnet seit ... nun seit der Lancierung der letzten dieser unrealistischen Reality-Shows. Nach fünf Minuten Beisammensein mit Amanda, Joe, Layla und Giftbloggerin Jaiden war mein Vertrauen in die menschliche Natur erschüttert.»

Wie unterschiedlich erfolgreich die Shows auch sind, jede einzelne bot ihren Teilnehmern bisher eine Karriere-Plattform. Amy Childs aus TOWIE lanciert zur Zeit ihre US-Karriere (auf die heute übliche Art – nämlich sich Blog-konform in Hollywood-Hotspots in sexy Bekleidung sich den Paparazzi zu präsentieren). Selbst die brach liegenden Scousewives konnten eine Boutique mit eigener Modelinie eröffnen. Und torkelnd aus Londoner Nachtclubs wird man sie alle noch lange zu sehen bekommen. Geri Halliwell und Katie Price schufen anno dazumal das Ideal, aus dem heute eine ganze Industrie entstanden ist.

Videos:
Die Vajazzle-Episode aus TOWIE

Die schicke Variante: «Made in Chelsea»

Scousewives gefällig?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizmann am 10.05.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Genau so...

    ...müssen Brüste aussehen!! BRAVO !!!

  • Vanessa am 10.05.2012 05:16 Report Diesen Beitrag melden

    Die Geissens auf RTL2!

    Das gibt es bei uns schon. Die Geissens auf RTL2. Das Jet Set-Leben von der Kölschen Familie Geiss in St. Tropez und Monaco kann man mitverfolgen. Dies wird auch als 'echt' verkauft. Dabei sind die meisten Szenen wirklich echt von der Kamera begleitet und andere haben sich die Produktion ausgedacht, damit es auch eine Story hat. RTL2 hat auch weitere Serien und auch viele Scripted Reality Formate.

  • Somboon Saleoff Belpmoos am 10.05.2012 00:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Old news from UK!

    Oxfort Style ist doch in ganz Europa in ob als Bilder Film oder Beziehung: «If not vaginal then anal otherwise oral»

Die neusten Leser-Kommentare

  • Big Jizzer am 11.05.2012 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Jersey Shore für Erwachsene

    Ist doch ganz schön anzuschauen. Man muss nur das Gehirn ausschalten, dann passt das! :-) Hot!

  • Frank Wilberforce am 10.05.2012 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur UK, D oder CH sind genauso

    Warum sich nur über die Typen und Tussis aus UK so echauffieren? In der CH sind die Tussen und Typen nicht anders. Sie brauchen nur in Basel, Lugano, Lausanne und Züri auszugehen, und treffen überall soclhe Characktere. Es scheint eher der medienhörige Zeitgeist, der sog. "Supercoole Life-Style" der verwöhnten Generation Gerburtsjahrgänge der späten 70er, 80er und frühen 90ern zu sein.

  • Schweizmann am 10.05.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Genau so...

    ...müssen Brüste aussehen!! BRAVO !!!

  • p.frade am 10.05.2012 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    genial!

    hahaha der argauer londons:) genial!!!:)

  • Bruder Motzi am 10.05.2012 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut keine Zeit

    sich solchen Quatsch der untersten Schublade rein zu ziehen.