Missbrauchs-Skandal

09. Februar 2011 08:09; Akt: 09.02.2011 09:47 Print

Wie konnte das passieren?

Hansjürg S. hat während 29 Jahren wehrlose Opfer missbraucht. Im Club des Schweizer Fernsehens ging es an die Aufarbeitung des Falls. Das Fazit ist ernüchternd.

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Als der Fall Hansjürg S. bekannt wurde, stand eine Frage schnell im Zentrum: Wie kann das passieren? Wie kann es passieren, dass ein Pädophiler während 29 Jahren in 9 verschiedenen Heimen über 100 behinderte Kinder missbraucht – und niemand etwas bemerkt haben soll? Der «Club» des Schweizer Fernsehens nahm sich der Frage an und stellte den Institutionen bereits am Anfang der Sendung ein schlechtes Zeugnis aus.

Schliesslich wurde der Fall aufgedeckt, weil eben etwas bemerkt wurde. Da waren die Jugendlichen im Behindertenheim Nische, deren verändertes Verhalten Anlass zum Handeln gegeben hatte. «Plötzlich war das Thema Sexualität bei den betroffenen Jugendlichen sehr zentral», sagte Heinz Siegwart, Gesamtleiter der Behinderteninstitution Nische, die den Fall ins Rollen brachte. Dass die Verantwortlichen diese Alarmzeichen ernst nahmen, war der Anfang vom Ende von Hansjürg S.

Übersehene Zeichen

Alarmzeichen müsse es laut Aiha Zemp aber schon in den 29 vorangegangenen Jahren gegeben haben. «Jeder Mensch gibt Zeichen», sagte die körperlich behinderte Leiterin der Ende 2010 geschlossenen Fachstelle «Behinderung und Sexualität». Sie habe erlebt, wie Missbrauchsopfer plötzlich nur noch Brei gegessen, Stühle geschmissen oder Schwindelanfälle erlitten hätten. Das Problem, so Zemp: «Man schiebt das auf die Behinderung ab.»

Warnsignale aber würden – so zumindest im Fall Hansjürg S. – in den Wind geschlagen, den Opfern, so sagt Zemp, «glaubt man nicht». So geschehen 2003. Ein behindertes Mädchen beschuldigte den heute geständigen Mehrfachtäter, sie sexuell missbraucht zu haben. An der Glaubwürdigkeit des Mädchens wurde gezweifelt. Hansjürg S. konnte weitere sieben Jahre sein Unwesen treiben.

Ohne absolutes Vertrauen geht es nicht

Warum? Warum, wenn gemäss Werner Tschad, Therapeut von Sexualdelinquenten, die Forschung aufgezeigt hat, «wie Täter vorgehen?» Dass diese ihre Umgebung manipulieren, ihren Opfern Geschenke machen. Dass etwa Hansjürg S. seine Opfer zum Fussballspiel oder Glaceessen einlud – und sie später auch bei sich zu Hause missbrauchte.

Es gehe im Beruf der Pfleger, darin waren sich im Club alle einig, «nur über absolutes Vertrauen». Dass Vertrauen allein nicht reicht, hat der Club ebenso aufgezeigt. Gemäss Zemp werden derzeit in der entsprechenden Ausbildung in Zürich zwei Tage für das Thema sexuelle Aufklärung aufgewendet – auf freiwilliger Basis. Auch Experte Tschan plädiert dafür, nicht nur wachsam zu sein, sondern auf der «Ebene Ausbildung» den Hebel anzusetzen.

Das kann nicht schnell genug gehen. Denn das Fazit des gestrigen Clubs ist ernüchternd: Missbrauchsfälle wird es auch in Zukunft geben.

(meg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 09.02.2011 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr hat SF-Moderatorin C.M.

    keine Ahnung. Die Fragestellungen ware sowas von naiv. Die Sendung könnte auch ohne Moderatorin bestimmt unterhaltsamer / informativer / interessanter gestaltet werden - und das Moderatoren-Geld könnte so auch noch eingespart werden.

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  • christine am 09.02.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch Skandal

    Ich sehe nichts, ich höre nichts!Das ist unsere Gesellschaft!Und was nicht sein darf, das gibt es nicht Ich bin mir zu 100% Sicher, dass das jemanden aufgefallen ist- und wie immer in unserer Zeit, zu Feige war um einzugreifen! wenn man ein wenig senibelisiert ist, und das muss man in diesem Beruf sein,ist das jemandem aufgefallen! Man kann nicht 30 Jahre ein verbrechen so geheimhalten! ich wünschte mir, dass die Leute mehr Mut haben, in allen Bereichen, mal den Mund aufzumachen! Und nicht erst danach! Das nützt keinem! aber eben, man ist dann der Ausseneiter und eckt an!

  • Till Eulenspiegel am 09.02.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Paradigmawechsel!

    Das ist eine bittere Wahrheit!!!" Missbrauchsfälle wird es immer geben". Die Täter waren oft selber opfer. Das ist ein Teufelskreis. Sexualität gehört zum Menschsein, in allerlei Formen (auch die pervertierte) Statt immer nur mehr Kontrolle zu fordern, sollte man an die Wurzel des Uebels ansetzen. Der 1.Schritt ist VERSTEHEN der 2. HANDELN. Es ist ein Gesellschaftliches Problem. Schaut in euch selbst und erkennt das "Tier im Mensch"!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carl am 12.02.2011 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Träumer vom SF - Leutschenbach

    leben in einer Traumwelt, ansonsten ahnungslos, hauptsache grosser Lohn für wenig Wissen.

  • Dani am 09.02.2011 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr hat SF-Moderatorin C.M.

    keine Ahnung. Die Fragestellungen ware sowas von naiv. Die Sendung könnte auch ohne Moderatorin bestimmt unterhaltsamer / informativer / interessanter gestaltet werden - und das Moderatoren-Geld könnte so auch noch eingespart werden.

    • Enzo v.B. am 10.02.2011 15:27 Report Diesen Beitrag melden

      Dani am 09.02.2011 20:22 Einmal mehr hat.......

      aber du hast ahnung-wovon ist allerdings aus deinen kommentaren nicht ersichtlich.die moderatorin erledigt ihre arbeit stehts bestens.melde dich doch beim schweizer fernsehen.

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  • Peschä am 09.02.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Absolutes Vertrauen?

    Die zahllosen Missbrauchsfälle zeigen ganz klar, dass absolutes Vertrauen absolut nicht gerechtfertigt ist. Statt zu vertrauen sollten alle Beteiligten - vor allem Betreuer und Angehörige - lieber genau hinschauen und nicht die Augen vor dem verschliessen, was nicht sein darf. Nur durch genaues hinschauen kann die Zahl der Fälle reduziert werden. Betreute müssen zudem das Recht haben, auch ohne Angabe von Gründen, einzelne Betreuer abzulehnen.

  • Hans Meier am 09.02.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    SF Moderatoren können einfach alles ............

    Welche Einbildung - diese Moderatoren glauben schon, dass sie sich in jedem Thema zurechtfinden und kompetent sind. Die Darbietung war schon wieder voll daneben!

  • U.Schneider am 09.02.2011 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Im heuteigen System: nicht zu lösen!

    Zuhören, einfühlen, Kontrolle braucht Zeit, braucht Personal, schlussendlich: braucht Geld. Zeit haben wir keine, bekommen wir keine! Personal: das wird abgebaut! Geld haben wir (für das) sowieso keines. Wie soll das also gehen? Ich habe auch keine Lösung, aber es braucht sicher ein radikales Umdenken.

    • igor glaus am 11.02.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

      wegschauen

      mit mehr personal gibts auch mehr täter! die nichthinschauen-mentalität in der branche muss bekämpft werden. wegschauen ist bequemer. und in diesem fall wurde jahrzehntelang weggeschaut, um die eigenen fehler zu vertuschen oder den eigenen gutbezahlten posten nicht zu gefährden.

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