Literatur

15. Mai 2012 21:36; Akt: 16.05.2012 10:13 Print

Carlos Fuentes ist tot

Der Mexikaner Carlos Fuentes ist 83-jährig gestorben. Er zählte zu den bedeutendsten Schriftstellern Lateinamerikas. Oft wurde er in einem Atemzug mit Nobelpreisträger Gabriel García Márquez genannt.

storybild

Fuentes 2001 in seinem Haus in San Geronimo in Mexico City. (Bild: Reuters)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einer der meistbeachteten Autoren der lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur ist tot. Der mexikanische Schriftsteller und Essayist Carlos Fuentes starb am Dienstag im Alter von 83 Jahren.

Fuentes starb im Spital Angeles del Pedregal, nachdem sein Arzt ihn in seinem Haus in Mexiko-Stadt bewusstlos aufgefunden hatte. Nach Angaben des Arztes hatte er plötzlich innere Blutungen erlitten.

Fuentes gehörte zu den ganz Grossen der spanischsprachigen Gegenwartsliteratur. Oft wurde er in einem Atemzug mit den Nobelpreisträgern Gabriel García Márquez oder Octavio Paz genannt.

Wie viele mexikanische Dichter setzte sich Fuentes in seinem Schaffen in erster Linie mit der Geschichte seines Landes auseinander, um dessen Vergangenheit zu analysieren und diese scharf mit der Gegenwart zu konfrontieren. «Er hinterlässt uns ein grosses literarisches und intellektuelles Erbe», schrieb Mexikos Aussenministerin Patricia Espinoza in einer ersten Reaktion.

Schreiben in den Morgenstunden

Eines seiner wichtigsten Bücher, der 1962 erschienene Roman «La muerte de Artemio Cruz» (»Nichts als das Leben»), schildert stilistisch brillant die blutige Geschichte der mexikanischen Revolution und geht bitter mit dem Verrat an deren Idealen ins Gericht. Zugleich schildert er den moralischen Verfall derjenigen, die dank der Revolution zu Reichtum und Macht kamen.

Fuentes, der nach eigenen Worten am liebsten in den Morgenstunden in die Tasten oder zum Füllfederhalter griff, um nachmittags «zu lesen, ins Kino zu gehen, Freunde zu treffen, Kaffee zu trinken...», schrieb nicht immer so düster und schwer wie in seinem Hauptwerk «Terra Nostra». In dem Roman «Cristóbal Nonato» zum Beispiel beschrieb er durchaus humoristisch das Alltagsleben Mexikos, seine Politik und seine sozialen Strukturen.

Als wichtig gilt auch «La frontera de cristal» (»Die Gläserne Grenze»). Darin befasste sich Fuentes in neun Kurzgeschichten mit dem schwierigen Verhältnis zwischen Mexiko und den USA und dem Leben der Menschen auf beiden Seiten der konfliktträchtigen Grenze.

Warten auf Literaturnobelpreis

Lange Zeit wurde der schnauzbärtige Fuentes, der am 11. November 1928 in Panama geboren wurde, zu jenen gezählt, die mit dem Literaturnobelpreis geehrt werden sollten. Doch der Autor selbst gab den Glauben daran irgendwann auf: «...ich glaube, meine Generation wurde mit ausgezeichnet, als García Márquez 1982 den Preis erhielt.»

Zu den Auszeichnungen, die er im Laufe seiner Karriere erhielt, zählte unter anderem der Premio Cervantes. Fuentes erhielt den wichtigsten Literaturpreis in der spanischsprachigen Welt im Jahr 1987.

Schriftsteller, Botschafter und Dozent

Obwohl Mexiko in den meisten seiner Romane, Erzählungen oder Essays die Hauptrolle spielte, entschied sich der in Panama geborene Diplomatensohn, der erst als 16-Jähriger zum ersten Mal in das Land seiner Eltern kam, für räumliche Distanz. Er war Botschafter in Paris, lehrte lange an den Universitäten Harvard und Columbia in den USA und besass Wohnungen in Buenos Aires, Madrid oder London.

Fuentes war immer auch ein politischer Mensch, mit ausgeprägten Sympathien für den Sozialismus. Oft wurde er als «Marxist im Smoking» tituliert. Doch inzwischen verlor auch Fuentes einige seiner früheren Illusionen: «Wir alle haben sehr an die kubanische Revolution geglaubt, ... und ich glaube, dass dieser Enthusiasmus nur noch von sehr wenigen Lateinamerikanern geteilt wird.»

(ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.