SS-Uniformen

17. Februar 2015 14:53; Akt: 17.02.2015 14:53 Print

In Asien ist der Nazi-Look en vogue

von Katinka Templeton - Was hierzulande verboten ist, wird in Asien gefeiert: Nazi-Outfits, Hitler-Shirts und SS-Partys stehen bei den Jugendlichen in Thailand und Südkorea hoch im Kurs.

Die koreanische Girlband Pritz trägt die an Nazis angelehnten Outfits auch in einem ihrer Videos. (Quelle: Youtube/PRITZ official)
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Als die südkoreanische Girlband Pritz im November auftrat, war der Aufschrei gross. Grund war nicht etwa, dass die Kleidung der Teenie-Band zu freizügig war. Viel mehr war die Ähnlichkeit zu den Uniformen der Nazi-Zeit den europäischen Zuschauern ein Dorn im Auge. Die Bandmitglieder zeigten sich in Militäroutfits, am rechten Arm ein rotes Band mit einem Symbol, dem lediglich vier kleine Striche fehlten, um das Ganze in ein Hakenkreuz zu verwandeln.

Das Management der K-Pop-Band verstand die Aufregung gar nicht. Man hätte nicht daran gedacht, dass jemand die Outfits mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung bringen würde. Wie Vice.com schreibt, sei das Kreuz, das auf der Armbinde zu sehen war, lediglich eine Darstellung der Sehnsucht der Band, «sich in alle vier Himmelsrichtungen ohne Limit zu entfalten». Sieht man sich allerdings andere Aspekte der Jugendkultur in Asien an, klingt diese Erklärung mehr wie eine notdürftige – und gelinde gesagt, dämliche – Ausrede.

Hakenkreuz wird zu Swastikawaii

In Südkorea gibt es zahlreiche Bars, die Hitler und dessen grausame Taten zum Thema haben. In Seoul servieren im Fifth Reich Bardamen Drinks, während sie Hakenkreuz-Armbinden tragen. Auf die Frage eines «Time»-Journalisten, warum man in solchen Bars abhänge, antwortete ein Koreaner: «Ich hasse Nazis nicht. Ich mag sie aber auch nicht. Aber wenigstens haben sie sich gut angezogen.»

Neben Südkorea ist vor allem Thailand Vorreiter des Trends, die Mode der SS zu feiern. 2007 organisierten einige Studenten eine öffentliche Nazi-Parade, 2012 wurde an einer thailändischen Schule ein SS-Sportfest veranstaltet. Wie «The Jerusalem Post» berichtet, ist Hitler in Thailand vor allem ein beliebtes T-Shirt-Motiv und wird oft als knuddelig und süss dargestellt. Swastikawaii heisst das dann, eine Kombination aus den Worten «Swastika» und «kawaii», was auf japanisch so viel wie «niedlich» bedeutet.

Das Phänomen versucht Laura Kidd gegenüber «Vice» zu erklären. Die Professorin für Fashion-Design und Merchandising an der Southern Illinois University sagt: «Mode wurde schon immer dazu benutzt, um zu schockieren. Und Nazi-Chic ist damit sehr effektiv, vor allem in der westlichen Kultur.» In Asien gebe es einfach weniger kulturellen Ballast, so die Professorin. Darum werde dort das Hakenkreuz oder das Porträt des Führers verniedlicht und verharmlost dargestellt – ohne bösen Hintergedanken.

Der Westen feiert Che, der Osten eben Hitler

«Nazismus ist ein Tabu in Europa, aber keines in Indonesien. Das heisst aber nicht, dass wir den Holocaust verleugnen», sagte der indonesische Historiker Zen Rachmat Sugito. Und ein Blogger stellt seinen Lesern die Frage: «Warum ist Nazi-Chic anders als die Besessenheit des Westens mit Che Guevara?»

Professorin Laura Kidd sieht in der Verniedlichung Hitlers allerdings eine grosse Gefahr: «Wenn Hitler auf so eine ungefährliche Art dargestellt wird, könnte es für Menschen schwierig werden, zu glauben, dass der gleiche Mann, der auf einer Valentinstagskarte in einem thailändischen Shop zu sehen ist, derselbe ist, der Millionen Menschen in Gaskammern gesteckt und brutal umgebracht hat.»

Jedoch: Etwas gegen den Nazi-Chic zu unternehmen, ist schwierig, da es in Asien nicht illegal ist, Hakenkreuze oder SS-Uniformen zu tragen oder sogar zu verkaufen. Es scheint, als müsse man einfach abwarten, bis die Teenies des Führers überdrüssig werden und zum nächsten Trend übergehen.