Liveleak

10. Januar 2016 19:44; Akt: 10.01.2016 19:44 Print

Russische Tampons und Verfolgungsjagden

von Andreas Hauri - Die unzensierteste Video-Plattform der Welt feiert Geburtstag. Zum Jubiläum von Liveleak präsentieren wir zehn Fakten zur umstrittenen Homepage.

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Grüsel-Videos gibt es zuhauf. Wie dieser Kopf eines Esels, ... ... an dem ein hungriger Asiate knabbert. Sieht noch ziemlich harmlos aus, doch die meisten Inhalte von Liveleak sind nichts für schwache Nerven. Ein Genre zieht sich wie ein roter Faden durch das Portal: Ob Bärenjagd in Kanada ... ... gejagte Einbrecher beim Schmuck-Klau ... ... oder eine Verfolgungsjagd in den Staaten: Dauernd wird auf Liveleak jemand verfolgt. Fast vergessen: die Motorradfahrer-Flucht dieser Woche. Durch ein abgelegenes Dorf in Brasilien flitzt ein Halbstarker, im Hintergrund hört man die Polizei-Sirenen. Die Polizei überwindet den Täter. Man hört im Video auch Pistolenschüsse. Liveleak zeigt auch Clips mit gewalttätigen Inhalten. Klickt man ein solches Video an, erscheint ein Warn-Hinweis, der Nutzer auf die nicht ganz jugendfreie Szenen im Video aufmerksam machen soll. Ein Warnhinweis sieht so aus. Einmal klicken und schon folgt ein Schockvideo. Eine echte Barriere ist das nicht. Mitgründer Hayden Hewitt begegnet Kritikern von Liveleak.com meist mit folgender Aussage: «Natürlich ist das schlimm. Aber alles, was da passiert, ist nun mal aus dem echten Leben. Und wenn es so passiert, dann zeigen wir es.» Die Beinahe-Bruchlandung eines Airbus' aus dem Jahr 2008 am Hamburger Flughafen gehört auf Liveleak nach wie vor zu den «besten Videos aller Zeiten». Themenwechsel: In Philadelphia turteln zwei Verliebte. Offenbar hat der Junge keine Hemmungen, seiner Geliebten in der Öffentlichkeit über den Hintern zu streicheln ... Doch dieses Gegrabsche geht einer Besucherin gewaltig auf den Senkel. Sie hält dem Pärchen eine Gardinenpredigt. Dieses Acht-Sekunden-Video hält sich seit längerem schon in den Top ten des Monats. Weit weniger Klicks als andere Videos - aber nicht weniger amüsant: Flüchtlingskinder bewerfen einen serbischen Polizisten mit Schneebällen. Er schiesst zurück, natürlich mit Schnee. Die User-Umfrage von Liveleak: Mehr Interaktion verlangt die Community. Ebenfalls ins Auge stechen die 24.59 Prozent, die sich für mehr Videos von Leuten, die verunfallen oder sich wehtun, aussprechen. 2008 veröffentlichte das Portal einen Film von Rechtspopulist Geert Wilders names «Fitna». Der 15-minütige Film löste schon vor der Internet-Veröffentlichung wegen seiner einschlägigen Ansichten über den Islam internationale Diskussionen aus und wurde binnen einer Stunde über eine Million Mal abgerufen. Nach heftigen Drohungen gegen Mitarbeiter von Liveleak hatte die Website das Video «Fitna» wieder von der Seite genommen. Mittlerweile ist der Film wieder auf der Seite zu finden. Schnell wird klar: Liveleak spielt oftmals mit Effekthascherei. Videos aus der Politik-Sparte behandeln meist dubiose Themen mit Hang zu Verschwörungstheorien. Die Geschehnisse der Silversternacht in Köln bearbeitet Liveleak mit Interviews von Zeugen, die von sich behaupten, in der besagten Nacht am Bahnhof Köln gewesen zu sein. Eine Einordnung der Ereignisse vermisst man weitestgehend. Trotz der journalistischen Ambitionen - Liveleak bleibt eine Unterhaltungs-Website. Makaber im Geschmack, aber dennoch eher stumpf als gefährlich. Schocker-Videos sind an der Tagesordnung, und wer sich mal so richtig ekeln will, ist bei Liveleak gut aufgehoben.

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1. Das Konzept
Ähnlich wie Youtube können User Liveleak dazu benutzen, Videos online zu stellen. Da Liveleak aber weit weniger restriktiv ist, finden sich dort unzählige Inhalte, die auf anderen Portalen kaum gezeigt werden. Zum Beispiel: Chinesische Mopedfahrer, die einen Ladendieb vermöbeln, Verfolgungsjagden der Polizei oder der Angriff eines Bären auf einen Pfadfinder.

2. Die Geschichte
Das in Grossbritannien ansässige Video-Portal wurde als Nachfolger von «Ogrish» 2006 gegründet. Ogrish.com, eine Schocker-Seite mit Videos, in denen Gewaltakte und Tötung gezeigt wurden, sollte durch den Launch von Liveleak nicht nur einen neuen Anstrich bekommen, sondern auch etwas aus der Schmuddel-Ecke des Internets hervortreten. Fast vier Millionen Nutzer besuchen Liveleak nun täglich laut einer Schätzung von Worthofweb.com.

3. Die Gründer
Der einzig bekannte Mitbegründer von Liveleak ist Hayden Hewitt. Der Engländer bezeichnet sich auf seinem Twitter-Account als «rüpelhafte Dumpfbacke» und «Agent der Illuminati». Der Rest der Gründer oder auch die Eigentümer von Liveleak bleiben lieber anonym.

4. Der Slogan
«Medien neu definieren», so die Zauberformel der Video-Plattform. In den letzten Jahren setzte das Portal vermehrt auch auf News-Inhalte, vorwiegend aus dem Nahen Osten und Afrika. Darunter finden sich auch viele Geisel-Videos und kriegerische Auseinandersetzungen.

5. Die beliebtesten Videos
Unter der Rubrik «Beliebteste Videos aller Zeiten» findet sich nebst einer russischen Tampon-Werbung auch ein deutsches Flugzeug wieder, das aufgrund des stürmischen Wetters Mühe mit der Landung hatte.

6. Die Channels
Ob Videos vom Bürgerkrieg aus Syrien, Umwelt-Themen oder Blödel-Videos von Unfällen: Als User steht einem eine schier unübersichtliche Anzahl an Clips aus den wildesten Ecken des Internets zur Verfügung. Tendenziös und ungefiltert.

7. «Your Say»
«Your Say» ist ein Bestandteil von Liveleak, der es Benutzern ermöglicht, unzensiert selbst erstellte Videos hochzuladen. Autoren besprechen darin aktuelle Nachrichten, meist zugespitzt mit starker politischer Ausrichtung.

8. Die «LiveLeak»-User
Die Umfrageergebnisse der 10'625 Liveleak-User zeigen, dass ein Viertel der User mehr Interaktion möchte. Ein eigenes Forum, um Video-Beiträge zu diskutieren, besteht bereits. Ein weiteres Viertel wünscht sich mehr Videos aus Konfliktgebieten, andere wiederum möchten einfach nur Menschen sehen, die sich verletzen oder verunfallen.

9. Kontroverse
2006 machte das Portal erstmals mit der Veröffentlichung eines Videos der Exekution Saddam Husseins weltweit auf sich aufmerksam, millionenfach wurde das Video angesehen.

10. Kritik
Internetseiten regulieren ihre Inhalte weitestgehend selbst. Dass sich das Geschäftsmodell von Liveleak am äusseren Rand der Meinungsfreiheit tummelt, zeigen die in der Vergangenheit kontrovers geführten Debatten um das Portal. Ein Handy-Video, das elf- und zwölfjährige Kinder beim Kämpfen zeigte, sorgte 2007 in Grossbritannien für Furore. Geschmacklos ja, aber illegal? Gründer Hewitt zwingt seine Kritiker mit dem immer gleichen Spruch in die Knie: «Natürlich ist das schlimm. Aber alles, was da passiert, ist nun mal aus dem echten Leben. Und wenn es so passiert, dann zeigen wir es.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PZüri am 10.01.2016 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja

    Gibt weitaus schlimmere seiten mit schlimmeren Inhalten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • PZüri am 10.01.2016 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja

    Gibt weitaus schlimmere seiten mit schlimmeren Inhalten...