Umstrukturierung

09. August 2019 10:44; Akt: 09.08.2019 10:44 Print

Victoria's Secret erfindet sich gerade komplett neu

Zu wenig Diversity, zu altmodische Designs: Victoria's Secret ist auf dem absteigenden Ast. Mit neuen Strategien soll die einst so erfolgreiche Marke nun gerettet werden.

Victoria's Secret plant gerade einige Veränderungen – so wird unter anderem die diesjährige Fashionshow abgesagt. Model Shanina Shaik verrät im Video mehr. (Video: Glomex)

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Der Marketing-Chef verlässt das Haus

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Am Montag verkündete Ed Razek (71), der langjährige Marketing-Chef von Victoria's Secret, dass er in Rente gehe und das Unternehmen verlasse. In einem internen Memo teilte er seinen Arbeitskollegen mit, dass er «die Arbeit für VS jede Minute geliebt» habe.

Razek arbeitete bereits seit 35 Jahren für L Brands, dem Unternehmen, zu dem Victoria's Secret gehört – und gehörte zu den Wegbereitern der jährlichen Fashionshow. Er suchte die ersten Engel wie Heidi Klum oder Gisele Bündchen aus – und hat seit 1998 über die Modelbesetzung der Shows bestimmt.

In einem Interview mit der «Vogue» sagte Razek 2018, dass Victoria's Secret keine Transgender- oder Plus-Size-Models einstellen sollte, da die Show «eine Fantasie bleiben solle». Mit dieser Aussage zementierte er das eindimensionale Image, das der Marke seit einigen Jahren anhaftet: Victoria's Secret ignorierte die Diversity- und Body-Positivity-Bewegungen – und ist damit gerade für jüngere Kundschaft nicht mehr attraktiv.

Diversity hat doch Platz

Nun die späte Einsicht: Vor knapp einer Woche wurde verkündet, dass mit der Brasilianerin Valentina Sampaio (22) zum ersten Mal ein Transgender-Model für Victoria's Secret wirbt. Dass diese Neuigkeit fast zeitgleich mit dem Austritt des 71-Jährigen Marketing-Chefs zusammenfällt, ist wohl kein Zufall.

Die Herbst-Kollektion deutet eine neue Richtung an

Vor kurzem präsentierte Victoria's Secret eine Vorschau der kommenden Herbst-Kollektion. «Unsere bisher sinnlichsten Dessous», steht auf der Website. Und tatsächlich: Die BHs und Höschen kommen ganz anders daher, als man es sich von der Marke gewohnt ist.

Mit viel transparenter Spitze, ohne Push-up-Einlagen und in schlichten Farben präsentieren sich die aktuellen Teile.

Und so sieht die aktuelle Bademode aus.

Damit nähern sich die VS-Designer Konkurrenzlabels wie Agent Provocateur oder Rihannas Fenty-Linie an, die momentan zu den beliebtesten Unterwäsche-Brands gehören – dies, weil sie auf schlichte und natürliche Designs setzen. Und nicht wie Victoria's Secret bis anhin auf wild gemusterte, ausgestopfte Push-ups, die mit funkelnden Strasssteinchen verziert sind.

Das Rollenbild hat sich schliesslich verändert: Frauen wollen keine Fantasieengel mehr sein – Stärke und Natürlichkeit sind gefragt. Auch bei der Unterwäsche. Ob sich die neue Kollektion damit wieder besser verkauft, wird sich zeigen.

Hier ein Eindruck von der letztjährigen VS-Show in New York.

Die Fashion-Show fällt dieses Jahr aus

Bereits im Mai verkündete Leslie Wexner (81, CEO und Gründer von L Brands, dem Mutterkonzern von Victoria's Secret), dass es dieses Jahr keine TV-Übertragung der jährlichen Fashionshow geben wird. Vor einer Woche sagte nun das Victoria's-Secret-Model Shanina Shaik (28), dass die diesjährige Show ganz ausfallen wird.

Ob die Show 2020 in einem neuen Design fortgeführt wird oder ob es das endgültige Aus ist, ist noch offen. Gemäss Shaik soll die Show aber weitergeführt werden – es müssten zuerst einfach neue Wege gefunden werden.

Auch die Models fordern Veränderung

Nicht nur die Kundschaft sehnt sich nach einer Veränderung des Brands – auch die Models tun es. Am Dienstagmorgen haben über hundert Models – darunter Fashiongrössen wie Christy Turlington Burns (50), Edie Campbell (28) und sogar der ehemalige VS-Engel Doutzen Kroes (34) – einen offenen Brief unterschrieben, der sich direkt an Victoria's Secret wendet.

Der Inhalt des Schreibens: Victoria's Secret soll seine Models besser vor sexueller Belästigung schützen. In den vergangenen Wochen wurde nämlich bekannt, dass viele Fotografen, die eng mit Victoria's Secret zusammenarbeiten, der sexuellen Belästigung beschuldigt werden. So unter anderem Timur Emek, David Bellemere und Greg Kadel.

Gemäss «The New York Times» soll zudem Jeffrey Eppstein (66), der Unternehmer, der kürzlich wegen Missbrauchsvorwürfen in Untersuchungshaft genommen wurde, sich regelmässig bei jungen Mädchen als Talent-Scout für Victoria's Secret ausgegeben haben. Laut dem Berichts soll er auch ein «enger Freund» von Label-Chef Wexner sein.

Bringen die Neuerungen etwas?

Der amerikanische Unterwäschehändler hat selbstverschuldet einen schweren Stand – die Verkaufszahlen sind, wie einem kürzlich veröffentlichten Bericht von L Brands entnommen werden kann, nach wie vor am Sinken.

(mim)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leo am 09.08.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Konstrukt?

    Wenn jemand transgender ist von mir aus. Allerdings habe ich ein riesenproblem damit was in Kanada abging mit Bill C16 und dass in einigen westlichen Ländern Kindern schon beigebracht wird dass man sich sein Gender aussuchen kann. Die bekommen dann im Kindesalter als Buben z.B Hormonblocker. Es handelt sich hier nur um einen Bruchteil eines Bruchteils der Gesellschaft, der sich wahrlich im falschen Körper geboren sieht. Beigebracht wird dass das Gender nur ein Gesellschaftliches Konstrukt ist.

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  • RandyRR am 09.08.2019 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kanns nicht mehr hören

    Fand ich eher sympathisch, machten die den ganzen Stuss vonwegen Diversity nicht mit - nun ja leider schon. Es gibt nun mal Lables, die halt mit dünnen, schlanken Frauen werben. Wieso müssen alle auf den gleichen Zug springen? Ferrari wirbt auch nicht mit Sozialhilfebezügern - WELCH FRECHHEIT, WO IST DIE DIVERSITY!!??

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  • Suzanne Murier am 09.08.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch ganz einfach. Frau sucht gut

    sitzende, bequeme und doch attraktive Unterwäsche mit der man sich nicht blamiert, wenn man die Klamotten fallen lässt. Dazu sollten sie noch hygienischen Anforderungen genügen, gute Qualität aufweisen und bezahlbar sein. Frau braucht keine Magermodels mit Flügel und untragbarer Unterwäsche, aus ein paar Bindfäden und Pailletten bestehend.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • BeeEasy am 09.08.2019 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade...genau weil es keine 0815 wäsche ist/war habe ich immer dort bestellt.mal etwas für drunter was immer sass und man sich fühlen konnte wie eine kleine prinzessin oder ein sexy vamp.schade wenn die richtung jetzt mehr richtung altbacken zurückgeht.scheinbar hatten zu viele damen probleme mit ihrer eigenen figur,denn an den grössen kann es kaum gelegen haben,die sind mehr wie grosszügig...werde ich mich dann wohl nach einem neuen brand umsehen damit die 4 augen zu hause weiter strahlen

  • asdf am 09.08.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    der Markt wird es richten

    VS schiesst sich damit nur ins eigene Bein, es gab schon einige Firmen die versuchten auf den Zug der politischen Korrektheit aufzusteigen, aber der Markt hat sie dafür abgestraft, als die Verkaufszahlen eingebrochen sind. Der ganze Zirkus rund um "Diversity" und LGBTXYZ dreht sich allein um eine kleine Minderheit, damit kann man nicht wirklich gut geschäften.

  • Kaa73 am 09.08.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Glasklar ;-)

    Das passt doch wie die Faust...; ein 71-jähriger Marketingchef für Unterwäsche, welcher nun (wohl gottseidank) in Rente geht. Jetzt leuchtet mir auch ein, weshalb dieses Label langsam verstaubt....

  • Dr. phil. nat. am 09.08.2019 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so einfach..

    Korrekt, "Gender" ist sozial konstruiert (d.h. es ist die "Gesellschaft", die den Geschlechtern Definitionen und Merkmale zuweist), "Sex" (übersetzt als "biologisches Geschlecht") ist dagegen von der Natur gegeben.

  • Siri am 09.08.2019 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kauft halt wos passt

    Naja, ich geh ja auch nicht zu Ulla Popken und beklag mich dann, dass die nix in Grösse 36 haben. Ich begreife dieses Geschrei nicht. Man kauft halt, wo einem das Zeug passt. Ich bin schlank, aber mir passen längst nicht alle Marken. Deshalb schreie ich nicht nach "Diversity". Ich habe kein allgemeingültiges Recht darauf, alle Klamottenmarken perfekt tragen zu können. Aber so was darf man ja nicht sagen, weil angeblich politisch nicht korrekt.