Sebastian Konrad (18)

27. Februar 2019 05:48; Akt: 27.02.2019 07:18 Print

Wie wird man eigentlich Zalando-Influencer?

Der Basler Sebastian Konrad dürfte vielen Schweizern vom Online-Shoppen bekannt sein: Er ist als Influencer auf den Plattformen von Zalando zu sehen. Doch wie kam er zu dem Job?

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Sebastian Konrad (18) ist seit Oktober Influencer für Zalando. Er erhält vom Online-Shop monatlich eine Liste mit über 3000 Kleidungsstücken, aus denen er sich 12 Outfits zusammenstellt. Mit diesem Bild verkündete er letztes Jahr am 24. Oktober auf Instagram seine Zusammenarbeit mit dem Webshop. Sebastian ist ... ... seit 2014 auf Instagram. Als er auf der Plattform aktiv wurde, hatte er nicht im Sinn, damit als Influencer Geld zu verdienen. Wie er 20 Minuten erzählt, wusste er «damals noch gar nicht, dass es so was überhaupt gibt». Die Zusammenarbeit mit Zalando entstand dann überraschend: «Im Oktober hat mich Zalando angeschrieben und gesagt, dass sie ... ... meine Bilder gut fänden und dass sie mich gerne im Model-Team von ‹Get the Look› hätten», sagt Sebastian. Und das, obwohl er viel weniger Follower hat als die anderen 39 Botschafter, die monatlich im Einsatz stehen: Die haben alle ... ... hunderttausende von Followern, wogegen Sebastians knapp 12'500 Abonnenten eher mickrig wirken. Darüber zeigte er sich selber erstaunt und gesteht verschmitzt: «Ehrlich gesagt bin ich recht verwundert, dass ich auch ausgewählt wurde.» Seine Arbeit macht er aber gut: Sebastian wird für seine Arbeit bei Zalando auch bezahlt. Er bekommt monatlich ... ... einen Lohn für die Inszenierung seiner Styles. Wie viel das ist, kann er nicht verraten. Doch er deutete an, dass «das Preis-Leistungsverhältnis sehr rentabel ist». Manchmal darf er zudem die Kleidung behalten, die ihm zugeschickt wird. Dass jemand die genau gleiche ... ...Outfit-Kombination getragen hat, wie er sie auf Zalando präsentiert, habe er übrigens noch nie gesehen. Jedoch erhalte der 18-Jährige viel Feedback auf seine Bilder und sogar die Eltern von Kollegen hätten ihm schon die Fotos geschickt, die ihn auf der Zalando-Webseite zeigen. Bloss: Sebastian will ... ... eigentlich gar nicht hauptberuflich influencen. Er erzählt uns: «Vor dem Update erreichte ein Bild von mir auf Instagram durchschnittlich 20'000 Leute. Mit dem neuen Algorithmus, der Bilder nicht mehr chronologisch erscheinen lässt sondern ... ... nach Beliebtheit, sind es im Schnitt nur noch 5000, wenns gut läuft 8'000 Menschen, die meine Bilder sehen.» Deswegen investiere er auch nicht mehr so viel Zeit in die Plattform, wie er es früher getan habe. Sebastian, der im Moment noch im Gymnasium ist, hat aber längst ein zweites Standbein gefunden: Vor drei Jahren ... ... hat er angefangen, Musik zu produzieren und ist seither DJ. Das laufe sehr gut. Deswegen legt er nun seinen Fokus mehr aufs Musik produzieren als auf Instagram: «Seit es mit der Musik viel mehr läuft als mit Influencen, konzentriere ich mich stärker da drauf. Instagram braucht ... ... nämlich auch sehr viel Zeit, wenn man es richtig machen möchte. Wegen dem bin ich jetzt vermehrt am Musik produzieren: das läuft besser und macht mehr Spass.» In der Schweiz hat er schon an vielen Orten aufgelegt, im Moment laufen für ihn auch Verhandlungen für Gigs im Ausland: «Ich habe eine Anfrage für ein Festival in ... ... Montenegro und für eine Veranstaltung in Lloret de Mar». Am 15. Februar hat er seinen neuen Track «Can't Kill Me» veröffentlicht, er arbeitet an seinem ersten Album. Das lohnt sich: Inzwischen verdient er mit der Musik auch Geld: «Das meiste Geld investiere ich wieder in die Musik. Die DJ-Sache kostet recht viel und wenn man wirklich gute ... ... Songs produzieren möchte, kostet es noch mehr. Es reicht aber trotzdem, um davon auch noch Kleider kaufen zu können.» Die Arbeit für Zalando sei ebenfalls eine gute Einnahmequelle. Darüber zeigt sich der Gymnasiast dankbar: «Ich habe als Gymischüler ganz schön Glück, dass ich mit Dingen, die ich liebe, gutes Geld ... ... verdienen kann.» Das Musiker-Gen kommt übrigens nicht von ungefähr: Sein Vater ist der Schweizer Star-Musiker DJ Antoine. Über ihn sagt Sebastian: «Mein Vater gibt mir zwar immer professionelle Feedbacks zu meinen Tracks, die Produktion ... ... läuft aber vollständig über mich. Ich produziere auch viel unkommerziellere Musik als er. Aber er findet das gut, dass ich mein eigenes Ding mache.» Wie Sebastian sagt, war es nicht sein Vater, der ihn zum Musik machen inspirierte – im Gegenteil: «Früher habe ich immer gesagt, dass ich ... ... niemals etwas mit Musik zu tun haben möchte und dass ich Modedesigner werden möchte. Es war ein Freund von mir, der mich inspiriert hat, Musik zu produzieren. Zum Glück: Heute ist die Musik mein grösstes Hobby.»

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Sebastian Konrad influenct für Zalando. Gemeinsam mit rund 40 internationalen Mode-Influencern wirbt der 18-jährige Baselbieter (und Sohn von DJ Antoine, 42) auf der Webseite und in der App für verschiedene Outfits.

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Wer beim Mode-Giganten einkauft, kommt um die stylish gekleideten, posierenden Menschen nicht herum. Sie werden in die Such-Feeds gespielt und sind auf der Webseite in der eigenen Rubrik «Get the Look» zu finden, wo sie ihre Looks präsentieren.

Wir haben bei Nina Schwarze, Kommunikationsleiterin von Zalando, und Sebastian nachgefragt, wie man eigentlich Zalando-Influencer wird und was man dafür tun muss.

Wie wird man Influencer für Zalando?

«Die Follower der Influencer müssen zu unserer Zielgruppe passen, man muss qualitativ hochwertige Bilder erstellen können und zudem Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Fashionbrands haben.» Das seien die wichtigsten Kriterien, um als Zalando-Influencer infrage zu kommen, wie Nina Schwarze erklärt. Bewerben kann man sich nicht, man wird von Zalando persönlich angeschrieben.

So war es auch bei Sebastian: Zalando habe ihn im vergangenen Oktober angeschrieben und gesagt, dass sie seine Bilder gut fänden und ihn gerne im Model-Team von «Get the Look» hätten. Seit Ende letzten Jahres ist er nun dabei.

Wie funktioniert die Arbeit als Zalando-Influencer?

«Jeden Monat bekomme ich eine Liste, auf der etwa 3000 Kleidungsstücke abgebildet sind. Davon muss ich mir dann zwölf Outfits zusammenstellen», erklärt uns Sebastian. Einzige Vorgabe: Bei der Wahl der Looks müsse er sich an den Stilrichtungen urban und Streetwear orientieren.

Anschliessend sucht er eine gute Location, macht Fotos von sich in den verschiedenen Outfits und schickt die Bilder an Zalando. Die werden dann vom Online-Shop auf «Get the Look» veröffentlicht. In den folgenden Tagen muss auch Sebastian die Bilder auf seinem Instagram-Profil posten.

Wieso gibt es die Zalando-Influencer überhaupt?

Die Sparte «Get the Look» wurde in erster Linie eingeführt, um den Kunden ein vereinfachtes Shopping-Erlebnis zu ermöglichen. Die Bilder der Influencer sind Inspirationsquellen für neue Outfits. Und sie geben die Möglichkeit, direkt auf gewünschte Produkte zu gelangen und sich nicht durch das grosse Sortiment des Onlineshops kämpfen zu müssen, so Nina Schwarze.

Wie viele Zalando-Influencer sind im Einsatz?

Gemäss Zalando sind pro Monat 40 Botschafter im Einsatz, wovon 85 Prozent aus Deutschland stammen. Sebastian gehört zu der kleinen Minderheit, die aus der Schweiz oder Österreich kommen. Doch nicht nur das macht den Basler zu einem Ausnahmefall: Von allen Influencern hat er mit Abstand am wenigsten Follower.

Gegen die anderen Influencer, die alle über 100'000 Follower haben, wirken seine 12'500 Insta-Abonennten fast schon mickrig: «Ehrlich gesagt bin ich recht verwundert, dass ich auch dabei bin», gibt er zu.

Und wird man für die Arbeit mit Zalando auch bezahlt?

Jeder Influencer kriegt monatlich ein auf ihn zugeschnittenes Honorar, verrät Zalando. So auch Sebastian. Wie viel er bekommt, sagt uns der Basler aber nicht. Nur so viel: «Der Auftrag für Zalando ist eine gute Einnahmequelle und das Preis-Leistungsverhältnis ist rentabel.» Zu dem darf er manchmal auch Teile der zugeschickten Kleidung behalten.

Wieso Sebastian seit einiger Zeit aber genug vom Influencen hat und was er stattdessen macht, erfährst du in der Bildstrecke.

(mim)