Napoli-Präsident

14. Februar 2019 16:49; Akt: 14.02.2019 16:49 Print

Er poltert wie der Vesuv und nennt sich Schweizer

von E. Tedesco - Aurelio De Laurentiis hat die SSC Napoli aus der Serie C zurück ins Rampenlicht geführt. Auf seine ihm eigene Art: autoritär und selbstherrlich.

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Der 69-jährige Filmproduzent und Fussballpräsident hat vieles in seinem Repertoire: cholerische Ansprachen, Wutausbrüche und direkte Antworten. Er poltert oft wie der Vesuv, der bekannteste aktive Vulkan Europas vor den Toren Neapels. De Laurentiis kann es sich leisten, denn der Erfolg gibt ihm Recht: Napoli, das am Donnerstagabend für das Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals gegen FCZ in den Letzigrund kommt (ab 21 Uhr im Ticker), hat sich mittlerweile hinter Rekordmeister Juve als zweite Kraft Italiens etabliert.

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2004 war Napoli ganz unten angekommen. Der Club, dem einst Diego Maradona zu Weltruhm verholfen hatte, stand vor dem finanziellen Ruin. Der Schuldenberg war auf über 70 Millionen Euro angewachsen. Die Rettung kam mit De Laurentiis. Er flog mit zehn Anwälten aus Los Angeles nach Capri und übernahm den Club für 29 Millionen Euro vom Insolvenzverwalter. Der «Provinzler aus Torre Annunziata», einer Vorstadt auf dem Weg nach Pompeji, der in Rom geboren und dessen Dialekt immer noch römisch gefärbt ist, hatte ein Ziel: Napoli innerhalb von zwei Fünfjahreszyklen zurück an die Spitze zu bringen.

Als «Weihnachtsmann» verspottet

Damals wurde der Filmproduzent noch als «Weihnachtsmann» verspottet, basierend auf den gehaltlosen Komödien («Weihnachten in Miami», «Christmas in Love»), mit denen er den Umsatz seiner Firma Filmauro machte. Heute kommt am Napoli-Boss weder Bischof noch Bürgermeister vorbei.

Der Weg allerdings war steinig. Nach der Insolvenz mussten die Azzurri in der Serie C1 starten. 2006 glückte die Rückkehr aus dem Niemandsland in die Serie B, nur ein Jahr später war man wieder erstklassig. Seit 2010 war Napoli Ende Saison nie schlechter als auf Rang 6 klassiert. 2011 stand der Club 21 Jahre nach Maradona zum ersten Mal in der Champions League.

Inler und die Löwenmaske

De Laurentiis inszeniert sich gern. Das musste auch Gökhan Inler erfahren. Der Schweizer schwitzte bei seiner Vorstellung 2011 bei brütender Hitze hinter einer plüschigen Löwenmaske, bis ihm De Laurentiis endlich erlaubte, sein Gesicht zu lüften.

Neapels Präsident mag es, laut zu poltern. Sein Führungsstil lässt keinen Kompromiss zu, und der Club lebt nie über seine Verhältnisse. De Laurentiis investiert in Profis, die sich zunächst in Neapel einen Namen machen, hält das Gehaltsvolumen in überschaubaren Grenzen. «Man nennt mich nicht umsonst den Schweizer, weil ich harte Fakten produziere und zeigen werde, dass man in Neapel seriös wirtschaften kann», sagte er bei seinem Amtsantritt. Passend dazu ist er mit einer Schweizerin verheiratet. Jacqueline Baudit De Laurentiis ist genauso im Club beschäftigt wie ihre drei Kinder.

Napoli schreibt schwarze Zahlen

Als einst ein Stammspieler mehr Gehalt forderte, liess sich De Laurentiis wie folgt zitieren: «Man muss diese jungen Schnösel lehren, dass Napoli nicht bloss Geld, sondern auch Liebe zum Trikot bedeutet. Ich bin kein scheinheiliger Moralist, doch manchmal überkommt mich die Lust, ihnen zu sagen: Anstatt rumzuquatschen, lass dir lieber die nächste Tätowierung auf deinen Pimmel machen – falls dort überhaupt Platz ist.»

Napoli ist heute einer der wirtschaftlich am besten geführten Clubs der Serie A und schreibt schwarze Zahlen. Auch in der aktuellen Saison beträgt der Transferüberschuss 21 Millionen. Der Marktwert des Kaders beläuft sich auf 551 Millionen Euro. Davon kann der FC Zürich (23 Mio.) nicht einmal träumen. Und trotzdem treffen am Donnerstagabend (ab 21 Uhr im Ticker) in der Loge zwei Präsidenten aufeinander, die etwas verbindet: die Leidenschaft für ihren Club.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baba am 14.02.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Präsident

    Millionarios Fussballprofis muss man an kurzer Laine halten.......mann sieht es an manchen orten wie es herauskommt wenn diese Profis meinen sie könnten tun wie es ihnen genehm ist.

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  • Punisher am 14.02.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jede Wette

    Napoli wird heute Abend Züürigshnetzletes machen. Grüsse aus Basel

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  • marko 34 am 14.02.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Punisher am 14.02.2019 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jede Wette

    Napoli wird heute Abend Züürigshnetzletes machen. Grüsse aus Basel

    • Jeah am 14.02.2019 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Punisher

      Wäre Napoli gegen FCB, wären Baslerläckerli rausgekommen. Ich glaube, basel wäre nicht besser dagestanden. Und Herr Punisher im Fussball ist bekanntlich alles möglich...

    • und basel? :D am 14.02.2019 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Punisher

      Ja und basel wird.. hmm was wird mit basel? Ah stiiimmt nicht mal qualifiziert gegen winem zyprischen Verwin versagt und nicht mal in der Gruppenphase hahahah :D ihr seid im moment echt nicht in der Position Sprüche zu reissen ..

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  • marko 34 am 14.02.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Schrecklich

  • Rüdiger am 14.02.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich

    Jetzt haben die Spaghetti-Nudeln auch noch einen Präsidenten.

    • Alex am 14.02.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      Wie bitte?

      Wo haben sie dich den raus geslassen?

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  • Baba am 14.02.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Präsident

    Millionarios Fussballprofis muss man an kurzer Laine halten.......mann sieht es an manchen orten wie es herauskommt wenn diese Profis meinen sie könnten tun wie es ihnen genehm ist.

    • marko 34 am 14.02.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Baba

      Wirklich

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