Martin Winterkorn

23. September 2015 17:05; Akt: 24.09.2015 16:57 Print

«Ich bin mir keines Fehlverhaltens bewusst»

Jetzt also doch: Nach einigem Hin und Her nimmt VW-Chef Martin Winterkorn den Hut. Von den Abgas-Manipulationen will er nichts gewusst haben.

storybild

Der VW-Chef zieht die Konsequenzen aus dem Abgasskandal: Martin Winterkorn tritt zurück. (Bild: Michael Kappeler/EPA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück. Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmässigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn in Wolfsburg. «Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell.» Mit seinem Rücktritt mache er den Weg dafür frei. «Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.»


Eine Entschuldigung kam schon gestern, der Rücktritt erst heute: Das Video-Statement des abtretenden VW-Chef Martin Winterkorn (Video: Youtube/Berliner Morgenpost, 22. September 2015)

Er sei bestürzt darüber, was in den vergangenen Tagen geschehen sei, erklärte der 68-Jährige im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums am Konzernsitz in Wolfsburg. «Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren», fügte er hinzu.

Verantwortliche sollen «hart belangt werden»

Winterkorn habe keine Kenntnis von der Manipulation der Abgaswerte gehabt, sagte Huber weiter. Das Präsidium des Aufsichtsrats habe Winterkorns Rücktrittsentscheidung deshalb «mit grossem Respekt» entgegengenommen. Über die Vorschläge zur personellen Neubesetzung von Winterkorns Posten werde am Freitag im Aufsichtsrat beraten. Nähere Angaben machte er nicht.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte vor den Journalisten, das Präsidium habe beschlossen, durch das Unternehmen Strafanzeige zu erstatten. Das Gremium habe «den Eindruck, dass strafrechtlich relevante Handlungen eine Rolle» gespielt hätten. Das Unternehmen werde dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die Abgas-Affäre «hart belangt werden». Zudem werde Volkswagen einen Sonderausschuss gründen, der die Aufklärung konsequent vorantreiben werde. Dabei solle auch auf externe Berater zurückgegriffen werden.

VW werde dafür sorgen, «dass diese Affäre vollständig und schnell aufgeklärt wird», sagte Weil. Das Vertrauen in das Unternehmen müsse «sehr schnell» wieder hergestellt werden. «Das darf bei Volkswagen nie wieder passieren.» Niedersachsen hält 20 Prozent an Volkswagen.

Volkswagen nach Abgasskandal in der Krise

Volkswagen steckt in einer tiefen Krise: Der Konzern hat zugegeben, die Abgaswerte von Fahrzeugen in den USA manipuliert zu haben. Mittels einer Software wurde der Schadstoffausstoss nur bei offiziellen Tests vollständig kontrolliert, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos.

Die Dieselfahrzeuge stiessen folglich im regulären Strassenverkehr mehr Stickoxide aus als erlaubt. Stickoxide werden als gesundheitsschädlich eingestuft und können zu Atemwegserkrankungen führen. Am Dienstag hatte VW bekanntgegeben, dass die Software in weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen steckt.

(afp)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • max power am 23.09.2015 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo

    Bravo... er kann ja jetzt den Flughafen in Berlin übernehmen

    einklappen einklappen
  • Blödsinn am 23.09.2015 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Endlich mal einer der seiner Verantwortung nicht weg läuft...

    einklappen einklappen
  • M N am 23.09.2015 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfindung lässt grüssen.

    Gemäss Mitteilung kam der Entscheid zwar von ihm aus jedoch wie es wirklich war, werden wir wohl nie erfahren. Soviel dazu: "muss... den Hut nehnen" Und jetzt, ab in die Rente!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • der mit der vollen Nase am 30.09.2015 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    VW, what else? ? ?

    Das waren noch Zeiten, als der Käfer lief und lief und lief. Danach ging es mit der Qualität bei VW nur noch bachab, kleine Spaltmasse täuschen darüber hinweg. Gefrierende und damit berstende Motoren, zu schwache Zahnriemen, extrem rostende Ergastanks und nun der Abgasskandal. VW, das Auto. Was die bei VW wirklich gut machen ist das Marketing. VW lebt immer noch vom guten Ruf der Käfer-Zeiten. Dass VW die meistverkaufte Marke ist wundert mich, denn an den überhöhten Preisen, den knauserigen Garantieleistungen und am langweiligen Design kanns ja nicht liegen.

  • Beo Bachter am 24.09.2015 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenken!

    Wer hat Interesse an einem politisch und wirtschaftlich destabilisierten Europa? Na? Dämmerts? Die USA.

  • malino am 24.09.2015 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterlassung der Kontrollen

    Verkaufspreis der VW = 1/3 Boni, 1/3 Bussen, 1/3 Material, Löhne, Rückstellungen, Unkosten, Verkaufskosten Werbung etc.

  • winkelried am 24.09.2015 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Na Klar

    Natürlich muss er sagen "bin mir keines Fehlverhaltens bewusst". Er muss doch schonmal seine Abfindung vorbereiten...

  • Raggi am 24.09.2015 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann?

    Wann werden Manager endlich für ihre Fehler belangt? Jeder Arbeiter muss für seine Fehler geradestehen und einen Rüffel oder die Kündigung vom Chef akzeptieren. Ein unfähiger Manager kassiert jahrelang Millionengehälter ab und wenn das Unternehmen bachab geht, kassiert er nochmals X Millionen Abgangsentschädigung und trägt absolut NULL Verantwortung. Wer so handelt, sollte vom Unternehmen oder sonst halt von Staat für seine Machenschaften belangt werden. Ausserdem auch wenn er nichts von dem Skandal gewusst haben sollte, was ich bezweifle, so hat er trotzdem Mitschuld. Denn die Chefetage sagt, welche Ziele erreicht werden müssen und wenn man die Abgaswerte nicht erreicht hätte, wäre vermutlich vielen einfachen Arbeitern gekündigt worden. Aber schlussendlich hat ja nicht er die Zahlen gefälscht und somit ist es schwer, ihm seine Schuld nachzuweiswen.