Manipulierte Abgaswerte

24. September 2015 12:03; Akt: 24.09.2015 17:33 Print

Drei weitere VW-Chefs müssen angeblich gehen

Der Skandal um manipulierte VW-Dieselmotoren weitet sich immer weiter aus. Betroffen sind auch Autos in Europa und Audi-Modelle. Nun sollen weitere Köpfe rollen.

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Vergleich zwischen VW und Autobesitzern: Die US-Flagge reflektiert im VW-Logo. (Archivbild) Sollen weniger verdienen: Die VW-Vorstandsmitglieder (v.l.) Karlheinz Blessing, Herbert Diess, Matthias Mueller, Bernd Osterloh und Stephan Weil an einer Pressekonferenz in Wolfsburg. (18. November 2016) Anfangsverdacht auf Betrug und «strafbare Werbung»: Martin Winterkorn, hier bei einer Anhörung im Bundestag in Berlin. (19. Januar 2017) Rund 2000 Strafanzeigen haben Kunden in der Schweiz gegen VW und die Generalimporteurin Amag wegen Betrugs eingereicht. Wir haben nicht manipuliert: VW sagt, dass die Abgas-Software EU-Recht entspreche. (23. Oktober 2015) Der Autobauer sieht sich einer Flut von Klagen ausgesetzt. Schon im Herbst 2010 lagen EU-Beamten Hinweise vor, dass Autohersteller die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen manipulieren. Insgesamt waren weltweit über 11 Millionen Dieselfahrzeuge von den falschen Schadstoffangaben betroffen. (29. Juli 2015) Rückschlag für VW: Die für Luftqualität zuständige kalifornische Behörde Carb hat den Rückruf-Plan von VW abgelehnt. Auf dem Bild ist das Phillip Burton Gerichtsgebäude in San Francisco, California, zu sehen. (30. Juni 2016) Die Justiz kommt auf den Geschmack: Die Staatasanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun gegen ex-VW-Chef Martin Winterkorn. (April 2014) Keine Ruhe in der Abgasaffäre: Nachprüfungen machen eine neue Rückrufaktion von deutschen Autoherstellern nötig. (1. Oktober 2015) Volkswagen muss in den USA viele Fahrzeuge zurückkaufen: Eine VW-Fabrik in Chattanooga, Tennessee. (21. Februar 2012) Ab Ende Januar werden die betroffenen Autos zurückgerufen: VW-Fahrzeuge bei Amag Automobil und Motoren AG in Lupfig. (1. Oktober 2015) Volkswagen will Verdacht auf Manipulationen mehrheitlich entkräftet haben: Die VW-Fabrik in Baunatal. (8. Dezember 2015) VW kündigt eine grosse Rückrufaktion für Anfang 2016 an: John Swanton, Sprecher einer kalifornischen Umweltbehörde, zeigt, wie ein VW Passat Diesel auf Abgase getestet wird in einem Labor in El Monte. (30. September 2015) Vorschlag der Konsumentenschützer für den VW-Importeur: Die Amag-Gruppe in Buchs (25. September 2015). In der Schweiz sammelt die Bundesanwaltschaft die Anzeigen, die die Abgasaffäre betreffen: Front eines VW-T1-Busses. Angesichts der Ausweitung des Abgasskandals gab die Aktie von Volkswagen an der Frankfurter Börse zeitweise um über 20 Prozent nach. (22.9.2015) Kommt noch mehr ans Tageslicht? Armaturen eines Volkswagens. (9. Oktober 2015) Durchsuchungen in Wolfsburg: Die Staatsanwaltschaft sucht nach weiteren Hinweisen im VW-Skandal. (8. Oktober 2015) Wusste schon länger von möglichen Strafen der US-Umweltbehörde EPA: Michael Horn, US-Chef von VW. (Archivbild) Volkswagen wird fünf Millionen Kunden schriftlich in die Garage bitten, um das «Abgasverhalten ihres Fahrzeuges» nachzubessern. VW will eine Milliarde Euro weniger investieren pro Jahr: Ein Arbeiter montiert Motoren im Werk in Zwickau in Ostdeutschland. (6. September 2015) Verkaufsverbot: VW-Fahrzeuge vor einer Garage der Amag-Gruppe, des VW-Importeurs für die Schweiz. (25. September 2015) Abgang als VW-Konzernchef: Martin Winterkorn zieht die Konsequenzen aus dem Abgasskandal und tritt zurück. Trotzdem soll er weiterhin in zentralen Führungspositionen bleiben. (23.9.2015) Ablösung an der Spitze: Martin Winterkorn (l.) wird durch Matthias Müller ersetzt. (18. März 2014) Die Zurich soll Reserven im Fall VW angelegt haben: Das Logo des Versicherungskonzerns in Zürich. (11. März 2014) Laut dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt sind in Deutschland mindestens 2,8 Millionen Fahrzeuge von VW von der Abgasmanipulation betroffen. Der fehlerhafte VW-Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeuge der Modellreihen A1, A3, A4 und A6 verbaut worden, sagt ein Audi-Sprecher: Eine Frau geht an einer Audi-Vertretung in Chicago vorüber. (22. September 2015) Die EPA untersucht nach dem VW-Skandal auch weitere Fahrzeuge: BMW bei einer Garage in Denver. (3. Juni 2007)

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Der Aufsichtsrat von Volkswagen will laut einem «Spiegel»-Bericht nach dem Abgang von Konzernchef Martin Winterkorn weitere personelle Konsequenzen ziehen. So müsse Ulrich Hackenberg gehen, der von 2007 bis 2013 Entwicklungschef bei Volkswagen war, aktuell im Audi-Vorstand sitzt und als möglicher neuer Audi-Chef gehandelt wurde.

Laut dem «Spiegel»-Bericht, der sich auf nicht genannte Quellen stützt, trennt sich der Konzern auch von Hackenbergs Nachfolger und heutigem VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neusser. Und schliesslich werde auch der Motorenentwickler Wolfgang Hatz entlassen, der zurzeit als Vorstand bei Porsche amtet.

Auch Autos in Europa betroffen

Von den Manipulationen bei Abgasmessungen an Dieselautos bei Volkswagen sind auch Fahrzeuge in Europa betroffen. Das sei der von ihm eingesetzten Untersuchungskommission am Mittwoch bei ersten Gesprächen in Wolfsburg mitgeteilt worden, sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt heute.

Um wie viele Autos es genau gehe, stehe noch nicht fest. «Das wird sich in den nächsten Tagen klären», sagte Dobrindt: «Wir werden deswegen auch weiterhin intensiv daran arbeiten, gemeinsam mit Volkswagen genau herauszufinden, um welche Fahrzeuge es sich im Detail handelt, um auch die Öffentlichkeit weiter darüber zu informieren.»

Seinen Angaben zufolge geht es um Fahrzeuge mit 1,6- und 2-Liter-Dieselmotoren. VW prüft nach eigenen Angaben, ob in Italien verkaufte Dieselautos ebenfalls die in den USA aufgefallene Manipulationssoftware an Bord hatten. Beim Schweizer VW-Importeur Amag war bislang keine Stellungnahme erhältlich.

Auch Audi betroffen

Im Abgas-Skandal müssen nun auch vier Modellreihen der Tochter Audi unter die Lupe genommen werden. Der Motor vom Typ EA 189 sei auch in Fahrzeuge der Modellreihen A1, A3, A4 und A6 verbaut worden, sagte ein Audi-Sprecher am Donnerstag.

Zuvor hatte es entsprechende Medienberichte gegeben. Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden, sagte der Sprecher: Ob die Autos von den Softwaremanipulationen betroffen seien, könne er ebenfalls noch nicht sagen.

Auch der Volkswagen-Konzern bereitet unter Hochdruck eine Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Dieselwagen vor. «Wir arbeiten daran, können aber noch nicht sagen, wann sie veröffentlicht wird», sagte ein VW-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Bericht: Auch BMWs mit auffälligen Werten

Unterdessen geraten zunehmend andere Autobauer in Verdacht. Auch der BMW X3 xDrive 20d habe bei Strassentests des Forschungsinstituts ICCT «auffällige Stickoxidwerte» produziert, berichtete die «Auto-Bild» am Donnerstag vorab aus ihrer neuen Ausgabe. Das Dieselfahrzeug habe die europäische Abgasnorm dabei um mehr als das Elffache überschritten. «Alle Messdaten deuten darauf hin, dass das kein VW-spezifisches Problem ist», sagte ICCT-Vertreter Peter Mock der «Auto-Bild».

Bei BMW gebe es «keine Funktion zur Erkennung von Abgaszyklen», betonte ein Sprecher des Autobauers dem Bericht zufolge. «Alle Abgassysteme bleiben auch ausserhalb des Abgaszyklus aktiv.» Als Reaktion auf den Bericht über die erhöhten Abgaswerte gab die BMW-Aktie zeitweise um fast zehn Prozent nach.

Im Zuge der VW-Affäre hatten bereits Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass die Angaben der Hersteller zu den Emissionswerten deutlich von dem abwichen, was die Fahrzeuge tatsächlich in die Luft bliesen. Nicht nur VW sei davon betroffen. Das ICCT hatte den Anstoss für die Aufdeckung des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen in den USA gegeben.

Daimler mit weisser Weste

Nach den Worten von Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass andere Autobauer die gleiche Software benutzt haben wie Volkswagen. «Wir werden sehr schnell und sehr fordernd auf unsere Autobauer zugehen», sagt Macron in London. «Zurzeit scheint es extrem auf Volkswagen begrenzt zu sein.»

Unterdessen hat der Stuttgarter Autobauer Daimler bekräftigt, eine weisse Weste zu haben. «Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen», sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag. Bereits am Montag hatte der Autobauer dies festgestellt.

VW hatte zugegeben, dass weltweit rund elf Millionen Motoren des genannten Typs mit einer Software ausgestattet wurden, um die Messung des Schadstoffausstosses zu manipulieren. Am Mittwoch hatte VW-Chef Martin Winterkorn als Konsequenz aus dem Skandal seinen Posten geräumt. Er übernehme die Verantwortung «im Interesse des Unternehmens», obwohl er sich «keines Fehlverhaltens bewusst» sei.

(sda/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petrol Head am 24.09.2015 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da muss man sich fragen

    Warum VW es gemacht hat? Ging es um einen Technologie- und Entwicklungsrückstand, Verbrauch, Gewicht, oder mal wieder wie immer nur ums Geld??? Auch ist eine Frage nicht oft diskutiert: wenn mein VW die Norm nicht erfüllt kann ich als Privatperson in der Steuer und Versicherung hochgestufft werden oder schützt mich die Werksangabe und Unwissenheit bei Kauf davor? Wenn ich gerade einen VW Diesel bestellt habe kann ich von dem Kaufvertrag zurücktreten??

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  • Simon am 24.09.2015 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    VW ist nicht allein

    VW und Audi sind nicht die einzigen.

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  • Realist am 24.09.2015 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    von selben Hause

    Werft auch einen Blick auf koda, die hausen unterm selben Dach wie Volkswagen und Audi.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Clown am 25.09.2015 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So und nicht anders Bravo

    Solches Fehlverhalten wird grosszügig entschädigt. Ein Kleiner käme in das Gefängniss.

  • Peter am 24.09.2015 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schummeln

    VW schummelt schon seit 20 Jahren. Jetzt unbedingt Nr. 1 werden zu wollen - auf Biegen und Brechen - hat sie das Genick gebrochen! Weder "Vorsprung durch Technik" noch Clean Diesel, beides war nicht vorhanden. Der Erfolg lag nur im guten Marketing. Bessere Autos aus die Konkurrenz hatte ich habe noch nie und der Preis war noch nie gerechtfertigt. ach übrigens: der Fiat Crome war der erste industrialisierte Diesel. Und wer sich in der Automobilbranche auskennt weiss, dass die Italiener nicht nur die ersten sondern auch die besten Diesel haben...

    • Hawai Johnny am 24.09.2015 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      ...und wer sich noch was besser auskennt, weiss, dass das common rail system in der Schweiz entwickelt wurde, nicht von den Italienern!

    • lily maus am 24.09.2015 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Also peter ich denke jeder autobauer hat laichen im keller einige mehr andere weniger sich auf ein autobauer stützen der macht das erste beste ist wie du sagst automat ist besser als schaltungs getriebe jeder hat seine favoriten autos und alle haben positives wie negatives ...!

    • Clown am 25.09.2015 05:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Ausser Subaru Diesel Boxermotor ( hatt bis jetzt keine andere Firma geschaft ).

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  • JackMac am 24.09.2015 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles Gold was glänzt

    Made in Germany, was für ein Bärendienst !! Die Gruppe muss mit zusätzlichen Milliardenklagen von Privatklägern und Staaten rechnen. Bluten müssen dann die 620'000 Arbeiter Weltweit. Und da lachen die Deutschen noch immer über die Franzosen, die mit der Dieseltechnologie sauber und vorne dabei sind. Leistung ist eben nicht alles!

    • Clown am 25.09.2015 05:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @JackMac

      Weil dann keine Aufträge mehr kommen müssen kleine gehen und grosse bekommen Millionen für den Abgang. So ist Gerechtigkeit.

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  • HBR am 24.09.2015 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Sprüche überall

    Ist doch toll wenn der Chef "Verantwortung" übernimmt und nebenbei noch eine gute Abfindung erhält. Eigentlich sollten die Chefs mal "Haftung" übernehmen!

  • Beny am 24.09.2015 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Norm zu hoch?

    Also, anfangs dacht ich, dass da ein wenig geschummelt wurde, so dass die Werte gerade noch so in die Norm passen. Wenn ich nun aber von einer 11fachen Überschreitung lese, dann frage ich mich, wie haben's all die anderen Motorenhersteller gemacht? Es kann doch nicht sein, dass Hyundai hinkriegt was VW Jahrelang nicht schafft? Ist die Norm gar nicht zu erfüllen? Bei diesen Abweichungen glaube ich fest daran, dass jeder Hersteller seine Tricks hat, die Vorgaben zu erfüllen.... Warten wir's ab

    • Jasi am 24.09.2015 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beny

      ich bin absolut überzeugt davon, dass bald die ganze Branche auffliegt!

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