Börsen-Debüt floppt

10. Mai 2019 18:15; Akt: 10.05.2019 23:15 Print

Ubers erster Handelstag endet mit Kursverlust

So hatte sich Uber das nicht vorgestellt: Bei der grossen Premiere an der New Yorker Börse zeigen Anleger dem Taxi-Schreck die kalte Schulter.

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Uber CEO-Dara Khosrowshahi (Mitte) läutete am 10. Mai 2019 wie traditionell üblich die New Yorker Börsenglocke, um den Handelstag zu eröffnen. Die New Yorker Börse empfing mit riesigem Firmenbanner den US-Fahrdienstvermittler. Der Ausgabepreis wurde am Vorabend auf 45 Dollar je Aktie festgelegt und bewegt sich damit am unteren Ende der anvisierten Preisspanne von 44 bis 50 Dollar. Uber bringt es dennoch auf eine beachtliche Gesamtbewertung von etwa 82 Milliarden Dollar und stemmt damit den grössten Börsengang seit dem des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba im Jahr 2014. Uber lockt Anleger mit starkem Wachstum. 2018 stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Uber tief allerdings in den roten Zahlen. Besonders die Jungen nutzen lieber den Fahrdienst Uber, weil er günstiger ist als die normalen Taxis. Allgemein boomt die Shared Economy bei den Millennials, also der Generation mit den Jahrgängen 1981 bis 1997. In den Ferien gehts nicht ins Hotel, sondern in die private Unterkunft, die über die Plattform Airbnb gebucht wird. Statt ein Auto zu besitzen, setzen die Millennials lieber auf Carsharing-Plattformen wie etwa Mobility. Speziell an den Millennials ist, dass sie eine besondere Affinität zum Internet und allgemein zur digitalen Welt haben: Sie sind mit Computern und Smartphones aufgewachsen. Laut einer Studie der US-Notenbank (im Bild) setzen die jungen Menschen aber vor allem auf die Shared Economy, weil sie sich ein eigenes Auto oder ein vernünftiges Hotelzimmer in den Ferien nicht leisten können. «Wir haben herausgefunden, dass die Millennials niedrigere Realeinkommen haben als die Mitglieder früherer Generationen im gleichen Alter», so die Forscher der US-Notenbank. Zudem fanden die Studienautoren kaum Hinweise, «dass der Konsumgeschmack und die Konsumpräferenzen der Millennial-Haushalte geringer ausgeprägt sind als bei früheren Generationen». Anders gesagt: Viele Millennials nutzen etwa Airbnb, weil sie sich ein vergleichbares Hotelzimmer in den Ferien nicht leisten können – und nicht weil das Schlafen in einer fremden privaten Unterkunft so unglaublich aufregend ist. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Millennials die Leidtragenden der Finanzkrise sind. Diese hat es den jungen Menschen schwierig gemacht, viel Geld zu verdienen und zu sparen.

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Der US-Fahrdienstvermittler Uber ist bei der grössten Börsenpremiere seit Jahren auf schwache Nachfrage von Anlegern gestossen. Der erste Kurs der unter dem Tickerkürzel «UBER» gelisteten Papiere lag am Freitag bei 42 Dollar - knapp sieben Prozent unter dem Ausgabepreis von 45 Dollar.

Am Ende gingen die Aktien sogar mit einem Minus von knapp acht Prozent aus dem Handel. Uber hatte beim Börsengang rund 8,1 Milliarden Dollar eingesammelt, seine Aktien aber nicht so erfolgreich wie erhofft platzieren können.

Angesichts der schlechten Stimmung am Markt hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Nachfrage verhalten sein dürfte, dennoch war der Handelsauftakt eine Enttäuschung. Uber stemmte zwar den grössten Börsengang seit dem des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba 2014. Die in San Francisco ansässige Firma war von Investoren insgesamt mit 82 Milliarden Dollar bewertet worden. Damit blieb sie aber deutlich unter der zeitweise angepeilten Marke von 100 Milliarden Dollar.

Ein grosses Spektakel

Dabei war es durchaus ein grosses Spektakel an der Wall Street: Die New Yorker Börse empfing Uber mit einem riesigen Firmenbanner, der Andrang im Finanzdistrikt war gross. Kein Wunder: Monatelang hatten die Finanzmärkte auf den Börsengang des Jahres hingefiebert. Das Uber-Management um CEO Dara Khosrowshahi läutete wie traditionell üblich die New Yorker Börsenglocke und verzog keine Miene, als sich der enttäuschend schwache Handelsstart abzeichnete.

Aufgrund der jüngsten Verluste an den Börsen war in den vergangenen Tagen schon spekuliert worden, dass der Zeitpunkt für Ubers Premiere sich als unglücklich erweisen könnte. Für Skepsis sorgte auch schon länger, dass Ubers kleinerer Rivale Lyft, der im März an die Börse ging, besonders unter Druck steht. Uber hatte bei der Festlegung der Preisspanne bereits zurückhaltend agiert. Voriges Jahr wurde Uber noch eine Bewertung von 120 Milliarden Dollar zugetraut.

Uber in den roten Zahlen

Uber lockt Anleger mit starkem Wachstum. 2018 stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Im Fahrdienst-Kerngeschäft geriet das Wachstum in den letzten Quartalen allerdings ins Stocken. Zudem steckt Uber tief in den roten Zahlen. Ohne Sondererlöse durch den Verkauf von Geschäftsteilen fiel im vergangenen Jahr ein Minus von fast 1,9 Milliarden Dollar an.

Nach Informationen des «Wall Street Journal» geriet Uber im ersten Quartal sogar noch tiefer in die Verlustzone. In den zwölf Monaten bis Ende März wurden demnach 3,7 Milliarden Dollar eingebüsst - ein Rekordminus für Unternehmen im Jahr vor ihrem Börsengang. Zudem geriet die vor zehn Jahren gegründete Firma durch ihre aggressive Expansion, bei der sie sich mitunter nicht besonders um Regeln und Gesetze scherte, in viele Konflikte mit Behörden rund um den Globus.

Ärger gibt es nach wie vor

Mitgründer und Chef Travis Kalanick musste nach einer Reihe von Skandalen gehen. Seinem Nachfolger Khosrowshahi gelang es zwar, den Ruf etwas aufzupolieren und einige Auseinandersetzungen wie etwa einen Rechtsstreit um Roboterauto-Patente mit der Google-Schwester Waymo zu beenden. Doch Ärger gibt es nach wie vor. So protestierten vor dem Börsengang etwa Uber-Fahrer mit Streiks, um auf angeblich schlechte Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

Bei der Börsenpremiere stellt sich für Anleger indes vor allem die Frage, ob Uber schwarze Zahlen liefern kann. Khosrowshahi warnte bereits vor Monaten, Uber sei nichts für Investoren, die «ein vorhersehbar profitables Unternehmen wollen». Auch im Wertpapierprospekt wird darauf hingewiesen, dass ungewiss ist, ob Uber jemals die Gewinnzone erreichen wird. Solche Warnungen sind bei verlustreichen Start-ups zwar gängig, doch bei einer Firma der Grösse Ubers sollten Aktionäre ihnen durchaus Beachtung schenken.

(kle/sda)

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