GM-Entscheid

10. September 2009 14:00; Akt: 10.09.2009 18:47 Print

GM verkauft Opel an Magna

Nach monatelangem Gezerre zwischen Deutschland und den USA ist General Motors zum Verkauf von Opel an den kanadischen Zulieferer Magna bereit. GM erklärte am Donnerstag, 55 Prozent von Opel an Magna und dessen russischen Partner Sberbank verkaufen zu wollen.

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Die Belegschaft soll im Gegenzug zum Verzicht auf künftige Einkommenserhöhungen sowie Sonderleistungen mit 10 Prozent beteiligt werden. GM behält 35 Prozent. Magna und die Sberbank teilen sich ihre 55 Prozent je zur Hälfte.

Die Opel-Arbeitnehmer hatten für einen Zuschlag für diesen Dreibund geworben, weil Magna die deutschen Opel-Werke erhalten will. Ein Fünftel der europaweit 50'000 Arbeitsplätze soll abgebaut werden.

Die deutsche Regierung hatte in dem zehn Monate langen Poker zuletzt Unterstützung von 4,5 Mrd. Euro von einer Entscheidung für Magna abhängig gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft nun an einen Neuanfang bei Opel. GM akzeptiere die Finanzierungsbedingungen. Merkel glaubt, dass alle Punkte in den Verhandlungen «beherrschbar» seien.

Erleichterung für Wahlkampf

Aus Berliner Regierungskreisen hiess es: «Wir haben jetzt eine Lösung, die den Wahlkampf der Kanzlerin nicht belastet. Ob Magna die Auflagen von GM erfüllen kann, wird vor dem Wahltag am 27. September wohl nicht zu klären sein. Danach sieht man weiter.»

Neben dem Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Euro, der Opel seit Monaten über Wasser hält, wollen Bund und Länder dem Opel-Käufer Magna weitere 3 Mrd. Euro Bürgschaften gewähren. Die öffentlichen Mittel für die neue Opel-Gesellschaft sollen nicht nach Russland oder in die USA fliessen, betonte der Vorsitzende des Treuhand- Beirats, Fred Irwin.

GM fordert jedoch, dass Opel weiterhin im globalen Produktentwicklungs- und Einkaufsverbund von GM integriert bleibt. «Dies ermöglicht es allen Seiten, vom Austausch von Technologie- und Entwicklungskapazitäten zu profitieren», betonte GM-Chef Fritz Henderson. Beispielsweise könnten Fahrzeuge wie das Elektroauto Ampera nur mit vereinten Kräften auf den Markt gebracht werden.

Noch nicht unterschriftsreif

Nach Angaben von GM-Verhandlungsführer John Smith soll die verbindliche Vereinbarung mit Magna in zwei bis drei Wochen unterschriftsreif sein. Im Grossen und Ganzen seien die Arbeiten bereits getan.

Es seien noch vier kleinere Vereinbarungen auszuhandeln. Dabei gehe es um die Zusammenarbeit beim Einkauf und die technologische Nutzung. Auch mit der Bundesregierung müssten weitere Gespräche geführt werden.

Die Opel-Treuhand, bei der der Mehrheitsanteil liegt, billigte umgehend das Geschäft. Das bedeute nicht, dass Opel gerettet sei, sagte der Treuhand-Vorsitzende Irwin. «Alle wissen, dass viel Arbeit vor uns liegt.»

Während die deutschen Opel-Beschäftigten in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern dennoch eher aufatmen können, zittern die Briten um ihre zwei Vauxhall-Werke.

Magna habe der Regierung zwar zugesichert, die englischen Fabriken in Luton und Ellesmere Port weiterzubetreiben, sagte Wirtschaftsstaatsminister Pat McFadden dem Sender BBC. Es gebe aber keine zeitlichen Zusagen.

Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster, der auch Europachef von GM ist und als neuer Spitzenmann von «NewOpel» gehandelt wird, betonte: «Eine Zukunft mit Magna bedeutet in keiner Weise einen Bruch mit GM.» Die Entwicklungsressourcen von Opel alleine reichten nicht aus, um auf dem hart umkämpften globalen Markt bestehen zu können.

(ap)