Maulwurftaktik

11. Dezember 2011 03:52; Akt: 11.12.2011 06:53 Print

Deutsche hatten Spion bei der CS

Ein Mitarbeiter der CS lieferte Deutschland heimlich Daten zu mehr als 1000 mutmasslichen Steuerhinterzieher. Seine Dienste wurden fürstlich entlöhnt.

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Ein CS-Mitarbeiter lieferte die Daten von mehr als 1000 Kunden ans deutsche Finanzministerium. (Bild: Keystone)

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Deutschlands System mit verdeckten Informanten geriet im Zusammenhang mit Morden dreier Nazi-Killern aus Zwickau in jüngster Zeit arg in Kritik. Trotz Mittelsmänner im Umfeld der Täter konnten diese nicht aufgehalten werden. Erfolgreicher war die Maulwurftaktik hingegen bei der Schweizer Bank Credit Suisse. So konnten Steuerfahnder aus Deutschland im Jahre 2008 bei einem Mitarbeiter der Credit Suisse monatelang geheime Kundendaten bestellen. Und er lieferte.

Der Angestellte der Grossbank übergab Daten von mehr als 1000 Credit-Suisse-Kunden und mutmasslichen Steuerhinterziehern nach Deutschland, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Die Lieferung erfolgte über einen österreichischen Mittelsmann, der sich mehrere Male mit Vertretern des Finanzministeriums Nordrhein-Westfalen traf und diesen die bestellten Daten übergab. Datendieb und Mittelsmann erhielten von den Deutschen im Gegenzug nach Informationen der Zeitung eine Belohnung von 2,5 Millionen Euro.

Beim Bankmitarbeiter handelt es sich um einen heute 28-jährigen Mann, der aus Asien stammt, in einer Zürcher Landgemeinde lebt und bei der Credit Suisse eine Banklehre gemacht hat, wie die «NZZ am Sonntag» weiter schreibt. Er muss sich nächste Woche vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. Der Mittelsmann, der in Winterthur gewohnt hatte, nahm sich vor einem Jahr im Regionalgefängnis Bern das Leben.

Trotzdem ermittelt die Bundesanwaltschaft noch immer gegen den Toten. Sie will auf diese Weise das Geld einziehen, das die beiden Männer für Datendiebstahl und Datenvermittlung erhalten haben. Dieses befindet sich auf Konten in Deutschland, Österreich und Tschechien und ist teilweise blockiert. Ein Teil des Geldes war seinerzeit auch an die Freundin des Credit-Suisse-Mitarbeiters in Tschechien geflossen.

(tog)