Giorgos Papandreou

22. Juni 2011 14:40; Akt: 22.06.2011 14:59 Print

Eine typisch griechische Karriere

Als Spross einer Polit-Dynastie verkörpert Giorgos Papandreou alles, was in Griechenland schief läuft. Nun will er das Land erneuern – doch viele zweifeln, dass er dazu fähig ist.

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Ein nachdenklicher Giorgos Papandreou im Parlament in Athen. (Bild: Reuters)

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Fürs Erste kann Giorgos Papandreou aufatmen. Das Parlament in Athen hat seiner Regierung das Vertrauen ausgesprochen. Doch es ist bestenfalls ein Etappensieg auf dem steinigen Weg des hoch verschuldeten Landes zurück zur Kreditwürdigkeit. Papandreou ist dabei in mancher Hinsicht eine exemplarische Figur. Denn der Ministerpräsident muss das Land sanieren. Gleichzeitig verkörpert er in gewisser Weise die griechische Misere.

Schon sein Grossvater Georgios Papandreou und sein Vater Andreas hatten Griechenland regiert. Damit steht der heutige Ministerpräsident für die typisch griechische Vetternwirtschaft, in der Beziehungen und Schmiergeld mehr zählen als Kompetenz und Leistung. Andererseits zweifelt kaum jemand an seiner Integrität und seinem Willen, mit diesem System aufzuräumen. Doch viele fragen sich, ob er dazu die Kraft hat.

In den USA aufgewachsen

Schon vor seinem Wahlsieg vor zwei Jahren wurde Papandreou von manchen Beobachtern als unfähig kritisiert. Er galt als schwaches Abbild seines dynamischen und charismatischen Vaters Andreas, der die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) 1974 gegründet und mit eiserner Hand von 1981 bis 1993 dreimal zum Wahlsieg geführt hatte. Giorgos galt als sympathische, aber kaum respektierte Persönlichkeit, der nur wenige Dinge gelangen.

Doch Papandreou hat Ausdauer - nicht nur politisch. Er fährt viel Fahrrad, er rudert und ist gertenschlank. Er ist radikaler Nichtraucher und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Giorgos Papandreou wurde 1952 in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota geboren. Sein Vater war dort Wirtschaftsprofessor und hatte eine Amerikanerin geheiratet. Seine Kindheit verbrachte «George», wie er genannt wurde, in den USA.

Nicht griechisch genug

In den 60er-Jahren kehrte sein Vater nach Griechenland zurück und ging in die Politik, musste aber unter der Militärdiktatur von 1967 bis 1974 ins Exil gehen. Einen Grossteil seiner Jugend verbrachte Giorgos Papandreou daher ebenfalls im Ausland. Dass er lange in den USA und auch in Schweden gelebt hat, merkt man daran, dass sein Griechisch nicht immer fehlerfrei ist – was ihm manche ankreiden. Er sei «nicht griechisch genug», heisst es.

Über verschiedene Regierungsämter stieg Giorgos Papandreou 1999 zum Aussenminister auf. Während seiner Amtszeit verbesserten sich die schwierigen Beziehungen zwischen den ehemals verfeindeten Nachbarn Griechenland und Türkei deutlich. Das ist bislang sein grösster politischer Erfolg. 2004 übernahm er die Führung der griechischen Sozialisten. Im Oktober 2009 gewann er die Wahlen mit einem Triumph, 44 Prozent bekam er damals.

«Transparenz überall»

Der studierte Soziologe trat mit dem Anspruch an, sein Land in ein neues Zeitalter ohne Korruption und Vetternwirtschaft zu führen. «Transparenz überall», das war sein Motto. Die Regierung hat es bislang jedoch nicht ausreichend geschafft, den griechischen Mega-Staat mit 750 000 Bediensteten zu verschlanken. Und von Transparenz ist nichts zu spüren. Ohne Bestechung geht vielerorts gar nichts - nicht einmal eine rasche Operation im Spital.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass nur noch 27 Prozent der Griechen dem schlanken grossen Mann vertrauen, der auch Präsident der sozialistischen Internationalen ist. Papandreou ist verheiratet und hat zwei Kinder, er wurde am letzten Donnerstag 59 Jahre alt. Zum Feiern dürfte ihm kaum zumute gewesen sein.

(pbl/sda/ap)