Fragen und Antworten

14. September 2011 09:09; Akt: 14.09.2011 09:45 Print

Was passiert, wenn Athen pleitegeht?

von Balz Bruppacher - Politiker denken laut über eine Pleite Griechenlands oder einen Austritt des Landes aus der Eurozone nach. Was würde das für die Schweiz bedeuten? Antworten auf drängende Fragen.

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Folgen einer Staatspleite: Chaos, weiter steigende Arbeitslosigkeit und sich verschärfenden sozialen Unruhen.

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Kann Griechenland überhaupt bankrottgehen?

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Die Anzeichen, das der griechische Staat pleite geht, mehren sich. Was denken Sie, muss Griechenland bald den Staatsbankrott erklären?
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Nein, nicht im Sinne eines Unternehmens, weil es kein Konkursrecht für Staaten gibt. Als Staatsbankrott wird eine Situation bezeichnet, in der ein Land zahlungsunfähig wird und einen Teil oder seine ganzen Staatsschulden nicht mehr bedienen kann.

Dies war letztmals bei Argentinien der Fall. Das Land erklärte sich Ende 2001 ausserstande, seine Auslandsschulden von über 100 Milliarden Dollar zu begleichen. Wirtschaftshistoriker erwähnen in den letzten 250 Jahren rund 70 Fälle von staatlicher Zahlungsunfähigkeit.

Was würde ein Staatsbankrott für Griechenland bedeuten?

Die meisten Ökonomen sagen für den Fall der Insolvenz Griechenlands ein Chaos voraus, mit weiter steigender Arbeitslosigkeit, sich verschärfenden sozialen Unruhen, dem Zusammenbruch der Banken und einer Lähmung der gesamten Wirtschaft. Das Land müsste auch befürchten, für Jahre kein Geld auf den internationalen Kapitalmärkten mehr zu erhalten.

In Deutschland wird zurzeit über eine «geordnete Insolvenz» Griechenlands diskutiert. Dabei würde der europäische Rettungsschirm eine Art Zwangsverwaltung über das Land ausüben und mit den Gläubigern über einen teilweisen Forderungsverzicht verhandeln.

Normalerweise wertet ein Staat, der seine Schulden nicht mehr bedienen kann, seine Währung ab. Denn so werden die Produkte des Landes auf den internationalen Märkten wettbewerbsfähiger. Griechenland stünde dieser Weg nur im Fall eines Austritts aus der Eurozone offen.

Kann Griechenland aus der Eurozone austreten oder ausgeschlossen werden?

Ein derartiges Szenario ist nicht vorgesehen; die Mitgliedschaft in der Währungsunion ist unwiderruflich. Experten schliessen allerdings einen freiwilligen Austritt nicht aus. Ein solcher Schritt würde aber möglicherweise einen Austritt aus der EU bedingen und wäre nur auf dem Verhandlungsweg und mit Zustimmung aller 27 EU-Staaten zu bewerkstelligen. Ein Ausschluss müsste ebenfalls auf dem Verhandlungsweg unter Änderung der EU-Verträge erfolgen.

Auch der Austritt aus der Eurozone und die Wiedereinführung der Drachme als griechische Währung wären aber mit einer chaotischen Situation für Griechenland verbunden. Es müsste mit einem Run auf die Banken gerechnet werden, weil alle Menschen ihre Euro abheben wollen würden. Die Abwertung der griechischen Währung würde überdies das Schuldenproblem Griechenlands noch verschärfen. Denn der Schuldenberg bestünde weiterhin aus Euro.

Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands für die übrige Eurozone?

Das grösste Problem sind die Banken, die griechische Staatsanleihen halten und diese Titel in den Büchern umgehend abschreiben müssten. Am stärksten exponiert sind französische, deutsche und belgische Banken. Hinzu kommt, dass sich das internationale Bankensystem noch nicht von der letzten Finanzkrise erholt hat, schlecht kapitalisiert und sehr kurzfristig finanziert ist.

Experten befürchten deshalb, dass ein Bankrott Griechenlands eine ähnliche Situation herbeiführen könnte wie nach dem Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Im Unterschied zu damals stünden wegen der Staatsschuldenkrise aber kaum ausreichende staatliche Finanzen zur Verfügung, um die Banken zu retten.

Was muss die Schweiz im Falle eines griechischen Staatsbankrotts befürchten?

Die Schweizer Banken sind im internationalen Vergleich gegenüber Griechenland nur wenig exponiert. Das heisst, sie haben relativ wenig griechische Staatsanleihen in ihren Büchern. Geraten ausländische Grossbanken oder gar das ganze Finanzsystem in Schwierigkeiten, können sich die Schweizer Institute der Ansteckungsgefahr aber nicht entziehen.

Und wie steht es um die Nationalbank?

Der Bundesrat hat kürzlich erklärt, der Anteil griechischer Staatsanleihen an den von der Nationalbank gehaltenen Staatspapieren sei vernachlässigbar. Mit der Festsetzung des Wechselkursziels für den Euro ist die Schweiz seit dem 6. September aber eng mit dem Schicksal der europäischen Einheitswährung verbunden. Eine Pleite Griechenlands wäre eine beispiellose Belastungsprobe für den Euro. Für die Nationalbank wäre dies insofern ein Worst-Case-Szenario, als sie vermutlich viel Geld auf den Devisenmarkt werfen müsste, um den Mindestkurs von 1,20 Franken zu verteidigen. Seit Wochenbeginn ist der Euro-Kurs bereits bedrohlich gegen diese Marke gesunken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.H. am 14.09.2011 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    EU ....fail

    Das Euro Gebilde ist ein totaler Fehlschlag. Sogar ein 12 Jähriger weiss, dass die europäische Union so nicht funktionieren kann. Vergleicht mal die Qualität vom NLA Fussball wenn es keine Absteiger geben würde? Es braucht Gewinner und Verlierer. Dies gibts doch in der heutigen EU gar nicht mehr. Wie ist das eigentlich genau. Ein Staat macht Schulden, durch Misswirtschaft. Der Rest zahlt. Wird da gar nicht erst analysiert wie dieser Schuldenberg zustande kam? Evtl. durch Fehlleitung diverser öffentlicher Gelder z,B, in die eigene Tasche? oder in die Tasche jemand anderem?

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  • Brigitte am 14.09.2011 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Aha...

    Aha, jetzt sieht man was alles machbar ist oder vorallem eben auch nicht , wenn man in der EU-/Euro- Falle ist ! Griechenland wird sich nicht so rasch erholen können aber auch nicht in Luft auflösen :-(. Das Land bzw. die Verantwortlichen schaffen weder die eine noch die andere Lösung zu erfüllen und die Bevölkerung nagt am Hungertuch.

  • Peter Knecht am 14.09.2011 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Noch vor zwei Wochen "undenkbar"?

    Noch vor zwei Wochen hätte kein Mensch gedacht, dass deutsche Politiker/Minister einen Griechischen Staatsbankrott überhaupt nur öffentlich erwähnen oder erwägen würden. Doch bereits gestern wurde dies Tatsache. Sogar der deutsche Finanzminister Schäuble liess sich zu solchen "Gedankenspielen" hinreissen. Kurz darauf widerrief er seine Aeusserungen, wohl auf Druck der Bundeskanzlerin. So schlimm steht es um Griechenland und um den Euroraum, dass sich selbst die Minister eines befreundeten Landes in die Haare geraten. Wer hätte das gedacht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • paedu am 16.09.2011 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Einfacher 3 Stufenplan

    Bin zwar kein Finanzexperte aber wie wärs wenn man wie folgt vorgehen würde: 1.Griechenland tritt freiwillig aus dem Eu-Raum aus.. 2...geht danach bankrott und führt die Drachme wieder ein 3.Erhält als Gegenleistung für Punkt 1 von der EU Geld für einen Neuaufbau. Wäre zwar ein Ende mit Schrecken,aber wirkliche Alternativen gibt es nicht.Ich werfe die Frage in den Raum:Was haltet ihr von meiner Idee?

    • Andi am 09.10.2011 20:11 Report Diesen Beitrag melden

      So können wir nicht mehr weiter machen!

      Sehr gute Idde,immernoch besser als das Angi uns in die Insolvenz treibt;)

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  • Roger am 16.09.2011 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Griechen die einzige Lösung

    Für die Griechen ist das die einzige Lösung. Die Schulden können nicht mehr zurückgezahlt werden. Jeder weitere Rettungsversuch ist nur eine Herauszögerung des Unvermeindbaren. Wenn die Griechen clever sind, dann machen sie nicht nur ihre eigene Währung sondern treten gleich ganz aus der EU aus.

  • dr Juscht-Verträter am 15.09.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts!

    Aber was die SNB und Regierung mit der Anbindung zu einem fixen Wechselkurs CHF / EURO ist der Abstieg der Schweiz, ja dessen selbstgewählter Versenkung vorprogrammiert. Alles Kriminelle!

  • mr changes am 14.09.2011 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin dafür...

    für eine einheitliche Währung, für eine neue Aufteilung des Geldes (denn es ist leider sehr ungerecht verteilt), zudem sollten gewissen Personen auf den Mond verfrachtet werden - oder noch viel viel weiter weg. der gesamten Menschheit mal in den "Ars..." tretten und endlich beginnen verfünftig zu denken, handeln und leben. es wird zeit - dass sich auf diesem planeten etwas ändert...

    • Senior Canardo am 15.09.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

      @mr changes

      Sollange die "Mondmenschen" das Geld haben, und die Konzerne verdienen beleibt es wie es ist

    • Kurt Berger am 19.09.2011 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Angst

      Keine Angst - das ganze System (Geld- Wirtschaft-Staat-Konzerne-Erdöl-ETC) wird dermassen kollabieren, dass uns die Ohren wackeln werden. Wir sind schon kurz vor dem höchten Punkt der Achterbahn! Bald geht's bergab. Aber das ist gut so, weil bevor was Neues entstehen kann, zuerst das alte System zusammenbrechen MUSS.

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  • Martin Albrecht am 14.09.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Nationalbank

    Na grossartig... der Euro geht bachab und die Nationalbank hat nichts besseres zu tun, als wegen ein paar Exportfirmen CHF gegen Unmengen von Euro zu tauschen. Damit können wir bald die Wände tapezieren. Uns wird es nicht besser ergehen als der EU - unnötigerweise und selbstverschuldet.

    • Junior Advisor am 15.09.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Schon daran gedacht,...

      ..dass die Schweiz seit Jahren mehr exportiert als importiert!? ..durch den starken Franken zahlreiche Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet sind? ..auch importierende Firmen unter Druck kommen, weil Schweizer im Ausland einkaufen?

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