S&P-Drohung

06. Dezember 2011 11:29; Akt: 06.12.2011 11:54 Print

«Die Märkte glauben Merkozy nicht»

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat mit ihrer Herabstufungsdrohung für viele Euroländer Reaktionen ausgelöst. Die einen scheinen gelassen, die anderen sind entsetzt.

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Die Drohung der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Kreditwürdigkeit praktisch aller Euro-Länder herabzustufen, ist in Europa auf demonstrative Gelassenheit, aber auch auf scharfe Kritik gestossen.

Wenige Tage vor dem EU-Gipfel versah S&P in einem beispiellosen Schritt 15 Euro-Staaten mit einem negativen Ausblick. Das könnte binnen drei Monaten eine Herabstufung nach sich ziehen. Selbst Deutschland oder Frankreich laufen Gefahr, ihre Spitzennote zu verlieren. Die Folge könnten höhere Zinsen für neue Schulden sein.

Angesichts der ernsthaften Reformanstrengungen in vielen Euro- Staaten wirke die Drohung «wie ein Keulenschlag», sagte der Chef der Eurogruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, am Dienstag im Deutschlandfunk. Das Vorgehen der Agentur sei «masslos überzogen und auch ungerecht».

«Beunruhigt bin ich nicht, erstaunt schon», fügte Juncker hinzu. Dass die Agentur kurz vor dem EU-Gipfel aus heiterem Himmel Abstufungen ankündige, könne kein Zufall sein.

Die Regierungschefs in Berlin und Paris demonstrierten Gelassenheit: Sie nähmen die Ankündigung zur Kenntnis, erklärten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

Ihre Vorschläge zur Reform der Währungsunion würden die haushalts- und wirtschaftspolitische Koordinierung der Eurozone stärken und so Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum fördern. «Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig und unabdingbar halten», sagte Merkel.

Unverständnis

Mehrere Regierungsvertreter reagierten aber mit harscher Kritik: «Die EU-Kommission sollte das Monopol der Rating-Agentur zerschlagen», sagte etwa der stellvertretende Vorsitzende der regierenden deutschen Union, Michael Meister, der Nachrichtenagentur Reuters.

CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs warf der US-Agentur «politisches Kalkül» vor. Er habe das Gefühl, die USA wollten von ihren eigenen Problemen ablenken, die grösser seien als die europäischen, sagte Fuchs der Tageszeitung «Die Welt» (Dienstagausgabe). «Die Neuverschuldung der USA ist höher als die der gesamten Euro-Zone zusammen», sagte Fuchs weiter.

Der französische Aussenminister Alain Juppé sagte dem Radiosender RTL: «Es ist eine Drohung, aber es ist keine Entscheidung. Es versteht sich, dass sie ernst genommen werden muss.» Er zeigte sich ebenfalls verwundert über den Zeitpunkt der Ankündigung, von der die Regierung in Paris bereits am Montagmorgen erfahren habe.

Die US-Ratingagentur sei offenbar nicht auf dem Laufenden gewesen über das Treffen von Sarkozy mit Merkel. Dabei hatten beide einen Fünf-Punkte-Plan für mehr Haushaltsdisziplin in Europa vorgestellt, für den der EU-Vertrag geändert werden soll. Die Verhandlungen darüber sollen bereits im März abgeschlossen sein.

Zweifel an «Merkozy»

Der Europa-Chefanalyst von Standard & Poor's, Moritz Krämer, verteidigte die Entscheidung der Ratingagentur. «Wir glauben, dass die bisherige Erfolglosigkeit, die Krise wirklich effektiv und nachhaltig in den Griff zu bekommen, die Risiken einer realwirtschaftlichen Bremswirkung nach sich zieht», sagte Krämer.

Auch andere Experten stellten die Fähigkeit der Eurozone infrage, die laxe Ausgabenpolitik einzelner Mitglieder künftig zu unterbinden. «Im Moment glauben die Märkte 'Merkozy' nach meiner Einschätzung noch nicht», sagte Guy LeBas vom Finanzdienstleiter Janney Montgomery Scott.

Falls der EU-Gipfel am Ende der Woche die nötigen Beschlüsse fasse, könnten die Vertragsänderungen «bis März unter Dach und Fach sein», sagte Juncker. Automatische Strafen für Defizitsünder, die Schonung von Banken und das vorgezogene Aufspannen des dauerhaften Rettungsschirms ESM seien «in hohem Masse vernünftig».

Die Märkte reagierten am Dienstagvormittag dennoch nervös. Der deutsche Leitindex sank zu Beginn um bis zu 1,6 Prozent, nachdem das Kursbarometer in den vergangenen sieben Handelstagen in der Spitze um fast 15 Prozent durchgestartet war.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • denk-doch-mal am 06.12.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wie lange?

    wie lange noch will man uns diese show vorspielen? das spiel ist aus, man kann nur noch etwas zeit gewinnen. oder vielleicht schuldige suchen? wie wärs mit den rating-agenturen? aber: haben die denn viel zu viel geld ausgegeben? voilà: wir haben die schuldigen! wer wird wann zur rechenschaft gezogen?

  • EU Gegner am 06.12.2011 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich, dann können die Europäer nur hoffen, das die EU und der Euro möglichst schnell Geschichte sind. Leute kauft Gold, dass ist das einzige was euch noch weiterhelfen kann, wenn die Banken und Staaten alles Zwangsenteignen. Achtung Gold nicht bei Banken sonder bei Edelmetallhändlern kaufen, da ist es anonym bei Banken werden alle Daten erfasst.

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  • Peter Frei am 06.12.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach komisch

    Irgendwie interessant, denn immer wenn die EU-Krise auf eine Lösung hin zuarbeitet kommt die US-Ratingagentur mit ihren Drohungen und Herabstufung. Und schon reagieren die Märkte. Ein Schelm wer hier eine Absicht dahinter vermutet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • EU Gegner am 06.12.2011 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich, dann können die Europäer nur hoffen, das die EU und der Euro möglichst schnell Geschichte sind. Leute kauft Gold, dass ist das einzige was euch noch weiterhelfen kann, wenn die Banken und Staaten alles Zwangsenteignen. Achtung Gold nicht bei Banken sonder bei Edelmetallhändlern kaufen, da ist es anonym bei Banken werden alle Daten erfasst.

    • Fränzi am 06.12.2011 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Tolle Idee

      Weil Panikmache immer die beste Idee ist....

    • 807687 am 07.12.2011 02:07 Report Diesen Beitrag melden

      Du liegst goldrichtig!

      Weil mir aber das bisschen Geld, das ich habe, nicht reicht, um Gold zu kaufen, kaufe ich eben Silber - beim Edelmetallhändler. Silber ist das bessere Gold. Langfristig zumindest. Die Silberpreise werden demnächst explodieren. Ich rechne innert der nächsten 2 Jahren mit einem Kursanstieg auf das Fünffache von dem jetzigen Wert. Ob das Gold im gleichen Zeitraum erreicht, ist fraglich.

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  • Peter Frei am 06.12.2011 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach komisch

    Irgendwie interessant, denn immer wenn die EU-Krise auf eine Lösung hin zuarbeitet kommt die US-Ratingagentur mit ihren Drohungen und Herabstufung. Und schon reagieren die Märkte. Ein Schelm wer hier eine Absicht dahinter vermutet.

  • Werner am 06.12.2011 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Europa

    AAA verliert müste die USA schon CCC haben.

    • Hans am 06.12.2011 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      USA Macht ist Geschichte

      nein xxx minus hoch 2. da hat sich nur noch kein Raiting Agentur so richtig getraut.

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  • Hans Meier am 06.12.2011 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wie der Wind dreht

    Wie sollte man Politiker glauben, welche gerade, wie der Wind dreht, ihre Meinungen verfassen. Sorry, die Aussagen sind nicht kompetent!

  • denk-doch-mal am 06.12.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wie lange?

    wie lange noch will man uns diese show vorspielen? das spiel ist aus, man kann nur noch etwas zeit gewinnen. oder vielleicht schuldige suchen? wie wärs mit den rating-agenturen? aber: haben die denn viel zu viel geld ausgegeben? voilà: wir haben die schuldigen! wer wird wann zur rechenschaft gezogen?