Linksradikaler Grieche

22. Mai 2012 23:47; Akt: 22.05.2012 23:54 Print

«Rattenfänger» Tsipras will nicht aus der Eurozone

Der Chef der linksradikalen Partei Griechenlands, Syriza, beteuert, dass bei einer Wahl der Linken das Land nicht automatisch aus der Euro-Zone austreten würde.

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Der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, hat sich für den Verbleib Athens in der Euro-Zone und eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise ausgesprochen. Die Wahl der Linken würde nicht bedeuten, «dass wir den Euro verlassen», sagte Tsipras am Dienstag in Berlin.

Die Ablehnung der Sparprogramme durch seine Allianz habe mit einem möglichen Austritt aus dem Euro nichts zu tun, erklärte Tsipras bei einem Besuch in Deutschland. «Wir werden versuchen, auf europäischer Ebene eine gemeinsame Lösung zu finden», sagte Tsipras mit Blick auf die Griechenland-Krise weiter.

Er sei zuversichtlich, dass dies gelingen werde. Angesichts der Wahl des Sozialisten François Hollande zum französischen Präsidenten setze er nun Hoffnungen in die veränderte «französisch-deutsche Achse», fügte er hinzu.

«Spar- und Reformprogramm ineffizient»

Die Syriza lehnt die mit den internationalen Geldgebern im Gegenzug für Hilfskredite in Milliardenhöhe vereinbarte Spar- und Reformpolitik für das hochverschuldete Griechenland ab. Tsipras bezeichnete das Reformprogramm als «vollständig ineffizient».

Das Land befinde sich im fünften Jahr in Folge in einer Rezession. Deutsche Steuerzahler steckten ihr Geld in ein Fass ohne Boden, mit dem in Wirklichkeit Banken finanziert würden. Nach einem Wahlsieg will auch Tsipras das Steuersystem reformieren und Verwaltungsstrukturen verbessern. Konkrete Sparvorschläge machte er allerdings erneut nicht.

Ohne Kurskorrektur sei in wenigen Monaten ein drittes Hilfsprogramm für Athen erforderlich. Mit Blick auf den bevorstehenden EU-Gipfel sagte Tsipras, er habe die Hoffnung, dass Menschen ihre Fehler einsehen und ändern. Das Ende des deutsch- französischen Tandems von Kanzlerin Angela Merkel und dem früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy («Merkozy») sei eine neue Chance, um eine faire und gangbare Lösung zu finden.

Neuwahlen am 17. Juni

Das Bündnis Syriza unter Führung des 37-jährigen Tsipras war mit 16,8 Prozent zweitstärkste Kraft bei den Wahlen am 6. Mai geworden - hinter der konservativen Nea Dimokratia. Nach der fehlgeschlagenen Regierungsbildung müssen die Griechen am 17. Juni erneut wählen.

Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage könnte Syriza bei der Neuwahl Mitte Juni auf 28 Prozent der Stimmen und damit auf den ersten Platz kommen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark am 23.05.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Rattenfänger?

    Wenn damit gemeint ist das Tsipras die Ratten in der Bankenwelt und Politik fäng dann ist der Begriff zutreffend ;)

  • D. B. am 23.05.2012 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Griechenland Austritt

    Welche Lösung will dieser Linke den finden? Er soll zuerst gute Vorschläge bringen!

  • Supermario am 23.05.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen und können

    Der kann noch lange sagen, dass die Griechen nicht aus der Euro-Zone ausscheiden WOLLEN. Dann soll er auch griffige Vorschläge bringen, wie GR seine Buchhaltung wieder ins Lot bringt. Ansonsten wird sich der Lebensstandard in Griechenland einfach weiter verschlechtern bis zum....

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 23.05.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das gibt noch ein dickes Ende...

    Wenn das Reformprogramm ineffizient ist, frage ich mich wie das Ausgeben von nicht vorhandenen Geldern effizient sein soll? Will Tsipras ein Griechenland wie bisher, wo Fakelakis dominieren auf Kosten anderer Staaten, also ein schönes Leben auf Pump? Sicher, man kann einen Staat auch kaputt sparen, aber was bisher in GR ablief, treibt den Staat vollends in den Ruin. Aber mit Tsipras hat Hollande nun einen Genossen gefunden (oder umgekehrt), um den Schuldensumpf zu vergrössern zu Lasten besser situierter Staaten. Was schaut am Ende hervor?

  • Abbas Schumacher am 23.05.2012 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ober er es schafft, hängt davon ab...

    Dass der Beamtenapparat drastisch verkleinert wird. Korruption aufhört. Die Griechen Steuern zahlen. Das der so gefeierte Linke, Arbeitsplätze schafft? Glaube kaum, Linke sind nicht bekannt dafür, bisher wenigstens. Der Tourismus ist fast Tod. Von was bitte, sollen die zu Geld kommen? In der EU bleiben, klar, die schüttet auch noch Geld nach!

  • Supermario am 23.05.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen und können

    Der kann noch lange sagen, dass die Griechen nicht aus der Euro-Zone ausscheiden WOLLEN. Dann soll er auch griffige Vorschläge bringen, wie GR seine Buchhaltung wieder ins Lot bringt. Ansonsten wird sich der Lebensstandard in Griechenland einfach weiter verschlechtern bis zum....

  • Mark am 23.05.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Rattenfänger?

    Wenn damit gemeint ist das Tsipras die Ratten in der Bankenwelt und Politik fäng dann ist der Begriff zutreffend ;)

  • Fonseca am 23.05.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Rattenfänger nicht nur in Griechenland

    Wieso Rattenfänger? Die Versprechungen sind doch anderswo die gleichen. Nämlich ein grosszügiger Sozialstaat, Schaffung bzw. Verhinderung des Abbaus von Arbeitsplätzen beim Staat, keine Reformen des Arbeitsmarktes usw.. Damit gewinnt man nicht nur in Griechenland die Wähler, sondern auch in Frankreich. Letztlich muss es wohl zur totalen Katastrophe kommen, bevor an den Kernpunkten der Probleme gearbeitet wird. Bis dahin hat man als Politiker gute Wahlchancen, wenn man dem Bürger irgendwas schönes und bequemes verspricht. Hätte da noch Ideen: Mehr Ferien, billigere Bier- u. Benzinpreise usw.