Vor dem Kollaps

04. Oktober 2011 15:18; Akt: 04.10.2011 17:35 Print

Dexia-Bank braucht Staatshilfe

Die belgisch-französische Dexia droht als erste grosse europäische Bank Opfer der Schuldenkrise zu werden. Die Bank ist einer der grössten Gläubiger Athens und braucht erneut Staatshilfe.

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Der Kommunalfinanzierer Dexia muss schon wieder gerettet werden. (Bild: Keystone)

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Marode griechische Staatsanleihen im grossen Stil haben der belgisch-französische Dexia das Genick gebrochen. Der Kommunalfinanzierer, welcher bereits 2008 mit Milliardenhilfen gerettete werden musste, braucht erneut Staatshilfe und steht vor einer Zerschlagung.

Die Zeit bis zu einer endgültigen Lösung soll mit staatlichen Finanzgarantien überbrückt werden, wie Belgiens Finanzminister Didier Reynders am Dienstag in Luxemburg sagte. Sein französischer Amtskollege Francois Baroin drängte am Rande des europäischen Finanzminister-Treffens auf eine «schnelle und effektive Lösung». Eine Kapitalerhöhung wollen Belgien und Frankreich aber vermeiden.

Grösster Gläubiger Griechenlands

Dexia hält griechische Staatsanleihen im Volumen von 3,8 Mrd. Euro und ist damit einer der grössten Gläubiger des Schuldenstaates. Insgesamt stehen in Griechenland für Dexia sogar 4,8 Mrd. Euro im Feuer - bei einem Börsenwert von 2,5 Mrd. Euro. Dexia hat bereits im zweiten Quartal 338 Mio. Euro oder 21 Prozent auf diese Papiere abgeschrieben, doch mit Blick auf deren Marktwert sind inzwischen Verluste von 50 Prozent oder mehr realistischer.

Der weltgrösste Kreditgeber für Gemeinden, Städte und Regionen war in der Finanzkrise 2008 nach einem Verlust von 3,3 Mrd. Euro von Frankreich, Belgien und Luxemburg mit sechs Milliarden Euro vor der Pleite gerettet worden. Zusätzliche Gefahr droht Dexia, wenn in den USA weitere hochverschuldete Bundesstaaten und Regionen nicht mehr zahlen können. Ihnen hat Dexia allein 59 Mrd. Euro geliehen.

Liquiditäts- aber kein Solvenzproblem?

Dexia will sich Finanzkreisen zufolge mit dem Verkauf von gesunden Firmenteilen retten. Die Bank habe ein Liquiditäts-, aber kein Solvenzproblem. Zu dem Konzern gehören eine Filialbank in Belgien, eine Privatbank in Luxemburg, das französische Kommunalfinanzierungsgeschäft und die türkische Denizbank. Letztere könnte ebenso verkauft werden wie das Fondsgeschäft und ein Gemeinschaftsunternehmen in Kanada.

Für die Denizbank könnte sich der französischen Zeitung «Le Figaro» zufolge die britische Standard Chartered interessieren. Dexia insgesamt halten Experten derzeit für nicht verkäuflich. In Deutschland sind die meisten Banken in der Staatsfinanzierung auf dem Rückzug.

(ap)