Euro vor dem Aus?

05. Dezember 2011 12:51; Akt: 05.12.2011 13:28 Print

Die Schicksalswoche für den Euro

Der Countdown läuft. Diese Woche ist entscheidend für eine Lösung der Schuldenkrise. «Wenn Deutschland nicht nachgibt, wird der Euro Weihnachten nicht überleben», sagt ein Experte.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, und US-Finanzminister Timothy Geithner gehören zu den Hauptdarstellern in einem Drama in fünf Akten – oder fünf Tagen. Höhepunkt ist dann der Gipfel am Freitag in Brüssel. «Die Welt wird nicht auf Europa warten», warnte Sarkozy vergangene Woche eindringlich vor einem Scheitern.

Am Montagnachmittag reist die Bundeskanzlerin schon einmal zu einem Vorbereitungstreffen nach Paris, um das weitere Vorgehen mit Sarkozy abzustimmen. Beiden Ländern kommt als grössten Volkswirtschaften der Eurozone eine Schlüsselrolle in der Bekämpfung der Schuldenkrise zu. Nach aussen hin wird Einigkeit demonstriert. Angesichts der engen Kooperation beider Länder ist oft nur noch von «Merkozy» die Rede. Bei Detailfragen klaffen die Vorstellungen jedoch noch auseinander.

Merkel muss nachgeben

Der ehemalige französische Präsidentenberater, Finanzexperte Jacques Attali, sagte dem «Focus» vor wenigen Tagen zur umstrittenen Einführung von Euro-Bonds: «Wenn Deutschland nicht nachgibt, wird der Euro Weihnachten nicht überleben.» Doch Merkel setzt - vorrangig und vorerst - auf eine Reform der europäischen Verträge für mehr Haushaltsdisziplin. Sie reise nächste Woche zum EU-Gipfel nach Brüssel mit der festen Absicht, «Vertragsänderungen zu schaffen», sagte die Kanzlerin am Freitag in Berlin.

Die Schulden-Krise bezeichnete Merkel als «schwerste Krise seit Einführung des Euro, wenn nicht in der Geschichte der europäischen Einigung». Es führe kein Weg daran vorbei, die EU-Verträge zu ändern. Ziel sei eine Fiskalunion mit Durchgriffsrechten gegen Defizitsünder. Sollten die Stabilitätsregeln gebrochen werden, müssten automatische Sanktionen greifen. Denn die aktuelle Krise sei «vor allem eine Vertrauenskrise», die die Politik selbst verschuldet habe.

In den vergangenen Wochen ist der Druck auf die Politiker noch gestiegen, die Schuldenkrise endlich in den Griff zu bekommen. Die Risikoaufschläge langjähriger Staatsanleihen der dritt- und viertgrössten Volkswirtschaften der Eurozone, Italien und Spanien, pendeln auf zu hohen Niveaus, die Länder können ihre Schulden so auf Dauer nicht finanzieren. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen liegt bei einer Marke von um die sieben Prozent - einem Renditeniveau, bei dem Irland, Portugal und Griechenland unter den Euro-Rettungsschirm schlüpften.

Rehn: «Wir betreten die kritische Phase»

Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte der «Bild»-Zeitung am Sonntag, die Eurozone drohe in eine existenzielle Situation zu geraten, wenn sich in den nächsten Wochen herausstellen sollte, dass mehrere Mitgliedsstaaten ihren Refinanzierungsbedarf nicht mehr oder nur zu selbstmörderischen Konditionen decken könnten. Die Nervosität ist allerorten spürbar. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte am Mittwoch: «Wir betreten die kritische Phase.»

Das sehen wohl auch die USA so, und so wird US-Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag in Deutschland mit Draghi, Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Finanzminister Wolfgang Schäuble über die Schuldenkrise sprechen. Am Mittwoch werde sich Geithner in Paris mit Sarkozy und in Marseille mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy beraten, hiess es aus Washington.
Auch Merkel wird zu dem zweitägigen Treffen der Spitzenpolitiker der in der Europäischen Volkspartei (EVP) zusammengeschlossenen konservativen Parteien Europas zur Vorbereitung des EU-Gipfels erwartet. Am Donnerstag steht dann ein Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti in Mailand auf Geithners Programm. In Italien drückt Monti unterdessen auf die Tube: Statt am Montag beschlossen die Kabinettsmitglieder bereits am Sonntag sein Sparpaket zu verabschieden.

Was bleibt von Europa ohne Euro?
Am Donnerstag kommt der EZB-Rat zu seiner letzten regulären Sitzung in diesem Jahr zusammen. Am Abend treffen sich die Staats- und Regierungschefs dann zu einem informellen Abendessen in Brüssel. Analysten rechnen mit weiteren Konjunkturmassnahmen der EZB. Nach der überraschenden Zinssenkung auf 1,25 Prozent bei seiner ersten Ratssitzung im November könnte Draghi den Leitzins weiter verringern oder die Laufzeit von Zentralbankdarlehen von derzeit 13 Monaten auf bis zu drei Jahre ausweiten.

Der EZB-Präsident deutete in der Vorwoche bereits an, dass die Zentralbank eine direktere und aggressivere Rolle bei der Bekämpfung der Schuldenkrise einnehmen könnte. «Andere Elemente könnten folgen, doch auf die Reihenfolge kommt es an», sagte er bei einer Rede am Donnerstag.

Es steht viel auf dem Spiel kommende Woche. Denn: «Was wird von Europa übrigbleiben, wenn der Euro verschwindet?», fragte Sarkozy - und antwortete gleich selbst: «Nichts.»

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jon Doe am 05.12.2011 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    2 Euro versionen waehren besser

    Der Euro ist leider ein politisches Konstrukt. Anstatt ein Ende mit Schrecken macht man auf biegen und Brechen ein Schrecken ohne Ende. 2 Euro Varianten waehren besser: Eine Euro Waehrung fuer Laender die seit je her Ihre Waehrung abwerteten (Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland ...) Eine zweite Euro Waehrung fuer Laender die hartwaehrung gewohnt sind (Niederlande, Deutschland, Oestereich ...) Aber man murxt lieber weiter. Und redet sich ein, dass fuer Laender die Hartwaehrung nicht gewohnt sind, deshalb nicht wettbewerbsfaehig sind, der Euro gut sei. Ein politisches Konstrukt.

  • T. Otem am 05.12.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Quängelei

    Naja, ist ja klar, das DE nachgeben wird. Die wollen den Euro ja ums verrecken am Leben erhalten. Auch wenn von Beginn weg einfach klar war, dass es so nicht funktionieren kann. Zu verschieden ist das Nord-/Süd- und West-/Ost-Gefälle. Aber eben, um das zu sehen brauchts einen letzten Rest gesunden Menschenverstandes und der fehlt der Politik ganz allgemein. Da wir zu sehr auf die eigenen Vorteile geschaut und nicht für das Volk.

  • Marcel am 06.12.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die Steuerzahlerkrise

    Es geht hier nicht um den "Euro". Es geht schlicht und einfach darum, dass die Investoren ihr in den Krisenländern investiertes Geld nicht verlieren. Das sind die Banken und die Superreichen. Und im Moment wird ein Paket geschnürt, dass der Steuerzahler berappen darf. Fragt euch doch mal, wieso die Reichen im letzten Jahr noch reicher wurden? Gerade eine "Finanzkrise" sollte doch die treffen, die "Finanzen" haben....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel am 06.12.2011 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die Steuerzahlerkrise

    Es geht hier nicht um den "Euro". Es geht schlicht und einfach darum, dass die Investoren ihr in den Krisenländern investiertes Geld nicht verlieren. Das sind die Banken und die Superreichen. Und im Moment wird ein Paket geschnürt, dass der Steuerzahler berappen darf. Fragt euch doch mal, wieso die Reichen im letzten Jahr noch reicher wurden? Gerade eine "Finanzkrise" sollte doch die treffen, die "Finanzen" haben....

  • Kurt I. am 05.12.2011 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spiel

    Was, wenn das alles nur ein Spiel von Superreichen ist? Bei dieser Massenhysterie herrscht Ausverkaufstimmung (Firmen, Immobilien, Euro, Aktien etc.), von der die Reichsten profitieren! Das sollte uns zu denken geben....

  • Mathias am 05.12.2011 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu Viel

    die sollen doch einfach das gegenteil vom 2. weltkrieg machen... anno dazumal haben sie zu viel geld produziert... jetzt sollen sie doch wieder geld vernichten, so dass der euro wieder an wert verdient, wenn es weniger davon gibt... anti-inflation ;)

    • Prof. Dr. Stussner am 05.12.2011 20:56 Report Diesen Beitrag melden

      Deflation

      Anti-Inflation nennt man Deflation...

    • Real-Wirtschafter am 06.12.2011 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      Flussrichtung des Geldes

      Das wäre aber gegen die Richtung des Geldflusses: vom Proletariat zum Vermögenden. Zinsen bedeuten bereits schon, dass mehr Geld produziert wird und solange es Zinsen gibt, wird die Geldmenge ausgeweitet. Das ganze hat Stil und wird heute noch (weil es 1928 in den USA so gut geklappt hat, Leute "legal" zu enteignen) an unseren Wirtschaftsschulen den Wirtschaftsschafen als das Gelbe vom Ei gelehrt. (geleert). Wirtschaftslehre = Religion. Man glaubt daran, obschon es nicht funktioniert.

    • Gymnasiast am 06.12.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

      EZB nicht SNB

      Weniger Geld auf den Markt zu bringen (zB durch hohe Zinsen) wäre sicher die richtige Möglichkeit, um den Wert der Währung zu steigern - ist aber sicher nicht die richtige Möglichkeit für Krisenland Griechenland (und Spanien, und Portugal, und Irland, und Italien). Wer sich im Abschwung befindet, sollte mehr Geld in den Umlauf bringen, mehr produzieren, mehr konsumieren.. Und eine Nationalbank dementsprechend die Leitzinsen senken. Die SNB könnte das - die EZB nicht. Der deutschen Wirtschaft geht es gut, der griechischen miserabel. Beides unter einen Hut zu bringen ist nicht möglich.

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  • Marc S. am 05.12.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Letzte Chance?

    Es überrascht mich doch immer wieder aufs Neue, wie viele "letzte Chancen" der Euro zugestanden bekommt. Solche Ultimaten helfen weder einem neutralen Beobachter sich ein subjektives Bild zur Situation zu schaffen, noch die Märkte dauerhaft zu beruhigen.

  • Werner Sutter am 05.12.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Für einen EURO-Beitritt der Schweiz

    Ich bin dafür, dass die Schweiz ihre eh' überteuerte Währung aufgibt und im Rahmen der Eurozugehörigkeit die Reformen mitbestimmt. Der CHF ist passé, also lieber vorwärts denken ud handeln, als dauernd rückwärts zu schauen. Die Schweiz ist von den Anrainerstaaten rundherum abhängig (Tourismus, Exporte etc.), also tun wir was und gehen den Schritt mutig vorwärts auf den Euro zu! Als esten Schritt ginge es darum zu erwägen, dass die Löhne hierzulande in Euros ausbezahlt werden.

    • bennn am 05.12.2011 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte?

      Das Sprichwort lautet "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff" und nicht "...besteigen das sinkende Schiff". Sie scheinen hier etwas nicht ganz mitgekriegt zu haben. Aber niemand ist unfehlbar ;)

    • Kein Euro am 05.12.2011 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      wieso?

      Sie dürfen auch gerne nach D-land ziehen wenn Ihnen soviel am Euro liegt. Es gibt einen Grund wieso es uns gut geht und sovielen Euroländern nicht. Und da wollen Sie unser Geld auch noch zum Fenster rauswerfen? Damit es uns auch so schlecht geht? Na vielen Dank! Die Schweiz soll ja eh nur als Geldmaschine in die EU kommen.

    • ahmed am 06.12.2011 06:48 Report Diesen Beitrag melden

      zynisch

      Das war glaub Zynisch gemeint....

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