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14. Juni 2011 09:32; Akt: 14.06.2011 11:37 Print

Griechenland auf Ramschniveau

Nun hat auch Standard & Poor's als letzte der drei grossen Ratingagenturen Griechenland herabgestuft. Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen auf Rekordhöhe.

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Der Glaube an Griechenland sinkt und sinkt. Mit Standard & Poor's hat die dritte Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Athens auf Ramschniveau gesetzt. (Bild: Reuters)

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Einen Tag vor einem Treffen der Euro-Finanzminister zur Schuldenkrise hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit von Griechenland noch einmal drastisch von B auf CCC herabgestuft. Damit haben alle drei grossen Agenturen griechische Staatsanleihen auf Ramschniveau gesetzt. Athen kritisierte, die schlechte Bewertung berücksichtige nicht die Bemühungen um eine abgesicherte Finanzierung in den nächsten Jahren.

Zur Begründung erklärte Standard & Poor's am Montag, die Wahrscheinlichkeit von einem oder mehreren Zahlungsausfällen in den kommenden zwei Jahren sei aus ihrer Sicht erheblich gestiegen. Als Zahlungsausfall gilt der Agentur auch eine Umschuldung mit verzögerter Rückzahlung, wie sie Deutschland vorgeschlagen hat, um auch private Investoren am Rettungspaket für Griechenland zu beteiligen. Die Finanzminister der Eurogruppe beraten am Dienstag in Brüssel über die Finanzkrise.

Die Herabstufung lasse die intensiven Verhandlungen mit der europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds um eine tragfähige Lösung ausser acht, erklärte das griechische Finanzministerium. Die Regierung bleibe «auf jeden Fall bei ihrem Kurs zur Rettung des Landes».

Generalstreik und Proteste

Sie hat gerade ein neues Sparpaket vorgestellt, das bis 2015 insgesamt 28 Milliarden Euro durch neue Steuern und Ausgabenkürzungen sowie 50 Milliarden durch ein Privatisierungsprogramm aufbringen soll. Es soll in dieser Woche im Parlament erörtert und Anfang kommenden Monats verabschiedet werden. Das ist eine Voraussetzung für die Freigabe der fünften Tranche des 110 Milliarden Euro schweren Rettungspakets, das im Mai mit EU und IWF vereinbart worden war. Standard & Poor's sieht die damit verbundenen Risiken angesichts der politischen Lage und des schwierigen wirtschaftlichen Klimas in Griechenland steigen.

Die Opposition reagierte verärgert auf die neuen Sparpläne. Selbst einige Abgeordnete der sozialistischen Regierungspartei äusserten sich kritisch, drohten aber nicht offen, dagegen zu stimmen. Die Gewerkschaften haben für Mittwoch zu einem Generalstreik aufgerufen. Zugleich sollen wie in den vergangenen Tagen auch Protestdemonstrationen stattfinden. Ausserdem wurde zu einer Blockade des Parlaments aufgerufen.


(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gregor Weiler am 14.06.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    wirtschaftlich-politische Ungleichheit

    Wie sollte die Währung eines Pleitestaates, der immer grössere Staatshaushaltsdefizite produziert und daher nur noch auf nimmer zurückzahlbaren Pump der anderen Mitgliedstaaten lebt, gleichviel wert sein wie die Währung eines souveränen Staates? Dieses wirtschaftlich-politische Blasenkonstrukt zur Ungleichbehandlung von Steuerzahlern aus souveränen Staaten gegenüber von Pleitestaaten war und ist nicht tragfähig!

  • Spar tacus am 17.06.2011 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Griechische Politiker auf Ramschniveau

    müsste der Titel richtig heissen. Die Griechen, das Volk, das nun für ein paar verantwortungslose, perverse Zocker bezahlen soll, wehrt sich zu Recht massiv. Bald werden auch die EU-Politiker im Desaster enden. Denn die anstehenden Milliarden-Löcher haben keine Change je wieder gestopft zu werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spar tacus am 17.06.2011 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Griechische Politiker auf Ramschniveau

    müsste der Titel richtig heissen. Die Griechen, das Volk, das nun für ein paar verantwortungslose, perverse Zocker bezahlen soll, wehrt sich zu Recht massiv. Bald werden auch die EU-Politiker im Desaster enden. Denn die anstehenden Milliarden-Löcher haben keine Change je wieder gestopft zu werden.

  • Gregor Weiler am 14.06.2011 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    wirtschaftlich-politische Ungleichheit

    Wie sollte die Währung eines Pleitestaates, der immer grössere Staatshaushaltsdefizite produziert und daher nur noch auf nimmer zurückzahlbaren Pump der anderen Mitgliedstaaten lebt, gleichviel wert sein wie die Währung eines souveränen Staates? Dieses wirtschaftlich-politische Blasenkonstrukt zur Ungleichbehandlung von Steuerzahlern aus souveränen Staaten gegenüber von Pleitestaaten war und ist nicht tragfähig!