Schuldenkrise

18. Juni 2011 08:09; Akt: 18.06.2011 12:02 Print

Droht auch Belgien und Italien die Pleite?

Noch immer ist die Rettung Griechenlands nicht über den Tisch. Und schon warnt Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker vor einer Ausweitung der Krise auf weitere Staaten.

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Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat vor einer weiteren Ausweitung der Schuldenkrise auch auf Belgien und Italien gewarnt. Die Beteiligung privater Gläubiger an den Finanzhilfen für Griechenland könnte dazu führen, dass die Ratingagenturen das Land als «zahlungsunfähig» einstufen.

Dies sagte der luxemburgische Premier der «Süddeutschen Zeitung» (Wochenendausgabe). Das könnte extreme Folgen für andere Euro- Staaten haben. «Die Pleite kann Portugal anstecken und Irland und dann wegen der hohen Schulden auch Belgien und Italien, noch vor Spanien», warnte Juncker.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten am Freitag in Berlin ihre Differenzen beigelegt und sich gemeinsam für eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung des von der Pleite bedrohten Eurolandes ausgesprochen.

Mit der Europäischen Zentralbank (EZB) sollen nun Einzelheiten festgeschrieben werden. Merkel und Sarkozy riefen die Europäer zu raschen Entscheiden über ein neues milliardenschweres Hilfsprogramm für Griechenland auf.

Möglicherweise braucht Athen neben dem aktuellen Hilfspaket im Umfang von 110 Milliarden weitere 120 Milliarden Euro. Als Gegenleistung müsste das Land sich zu einem noch strikteren Sparprogramm verpflichten. Die Euro-Finanzminister dürften am Sonntag in Luxemburg erstmals über Einzelheiten reden.

Erwartet wird dabei auch der neue griechische Finanzminister Evangelos Venizelos. «Morgen ist die erste Kraftprobe», titelte die Athener Zeitung «Ta Nea» am Samstag. Am Donnerstag und Freitag kommen dann die EU-Staats- und Regierungschef in Brüssel zu einem Gipfel zusammen.

Kaum Druck auf Privatinvestoren

Juncker warnte auch in einem Interview mit dem «Luxemburger Wort» vom Samstag vor Auswirkungen einer Beteiligung der privaten Gläubiger. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, «dass die Regierungen massiv Druck auf die Griechenland-Investoren machen und nur nach aussen hin den Anschein wahren würden, es handle sich um eine freiwillige Aktion.»

Ansätze, die sich unterhalb des Risikoniveaus einer Kreditausfallsbewertung durch Ratingagenturen bewegten, müssten vorgezogen werden. «Das sehen auch Berlin und Paris so», sagte Junker. Auch die EZB steht eine Beteiligung privater Geldgeber skeptisch gegenüber und verlangt absolute Freiwilligkeit.

Sollten die Ratingagenturen in dem Vorgehen einen Kreditausfall sehen, dürfte die Notenbank griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten akzeptieren. Das könnte zu einem Kollaps griechischer Banken führen, die am Tropf der Notenbank hängen.

Gefahr für die Weltwirtschaft

Athen muss rasch ein Spar- und Reformprogramm im Umfang von 78 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Bis Ende 2011 müssen 6,4 Milliarden eingespart werden, bis 2015 dann weitere 22 Milliarden. Zusätzlich muss die Regierung versuchen, 50 Milliarden Euro durch den Verkauf von Staatsbetrieben und Immobilien zu erlösen.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellt die griechische Krise über Europa hinaus eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar. In seiner jüngsten Finanzprognose erklärt der IWF, Investoren seien zunehmend darüber in Sorge, dass die griechische Regierung den Staatsbankrott nicht abwenden könne.

Die Weltwirtschaft werde in diesem Jahr voraussichtlich 4,3 Prozent wachsen. Das ist 0,1 Prozent weniger als der IWF im April geschätzt hatte. Das Wachstum könne wegen der gewaltigen Staatsdefizite in den USA und Japan noch geringer ausfallen, warnt der IWF.

(sda)