Rating-Agentur

06. Dezember 2011 23:48; Akt: 07.12.2011 08:47 Print

S&P verteidigt Bewertung der Eurozone

Standard & Poor's verbreitet weiterhin Angst und Schrecken in der Eurozone. Der S&P-Europa-Chefanalyst rechtfertig unterdessen die Arbeit seiner Agentur.

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Standard & Poor's schaltet für den Euro-Rettungsschirm auf Rot. (Bild: AFP)

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Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ihre kurz vor dem EU-Gipfel ausgesprochene Androhung, Deutschland und andere Euro-Länder sowie den Rettungsschirm EFSF herabzustufen, verteidigt.

Originäre Aufgabe von Ratingagenturen sei es, Einschätzungen von Risiken für Investoren zeitnah an den Markt zu bringen, sagte der Europa-Chefanalyst von S&P, Moritz Krämer, am Dienstagabend im ZDF-«heute-journal».

Und die Risiken für die Eurozone hätten in den vergangenen Wochen zugenommen, auch zuletzt seien täglich neue Informationen hinzugekommen. Die Krise nehme zunehmend ein systemisches Ausmass an.

Krämer warnte zugleich davor, die Intelligenz der Marktteilnehmer zu unterschätzen, indem man ihnen unterstelle, sich allein auf die Einschätzung einer Agentur zu verlassen.

Rettungsschirm muss auch um Bonität bangen

Der Druck auf die Euro-Retter wächst: Unmittelbar vor dem mit hohen Erwartungen verbundenen EU-Gipfel Ende dieser Woche droht die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) quasi der gesamten Eurozone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit.

Während sich Europas Politiker mühen, die Schuldenkrise endlich in den Griff zu bekommen, steht plötzlich auch Deutschlands Bestnote «AAA» auf der Kippe. Damit würde auch der Euro-Rettungsschirm EFSF seine Topbonität verlieren.

S&P hat immer grössere Zweifel, ob Europas Regierungen ihren seit Monaten brodelnden Streit beilegen und die Vertrauenskrise an den Märkten bekämpfen können. Die deutsche Regierung sieht sich in ihrem Kurs bestärkt, die Eurozone auf ein solideres Fundament zu stellen.

An den Börsen trübte sich die Stimmung ein, Kurseinbrüche blieben aber aus. «Die Warnung von S&P hat den Markt nicht in Panik versetzt, da die Probleme ziemlich offensichtlich sind», sagte eine Händlerin.

Verantwortung bei der Ratingagentur

«Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Zugleich betonte sie die Notwendigkeit der von Deutschland und Frankreich bis März angestrebten radikalen und raschen Reform der Euro-Zone: «Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig und unabdingbar halten.» Dies sei ein Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone. Auch werde so Vertrauen gewonnen.

S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer verteidigte die Entscheidung gegen Kritik: Die Krise sei zu einer «systemischen Vertrauenskrise» ausgeufert. «Eine Herabstufung ist auf keinen Fall sicher», versicherte Kraemer zugleich. Entscheidend sei, dass das Treffen der Staats- und Regierungschef «glaubwürdige und solide Lösungen» bringe.

Dringliche Überprüfung

S&P stellte auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 der 17 Eurostaaten unter strenge Beobachtung. Dabei wählte die Agentur sogar die schärfere Form des «CreditWatch with negative implications», was eine höhere Dringlichkeit der Überprüfung bedeutet. S&P hat nun maximal 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu treffen. «Wir werden eher früher als später entscheiden», kündigte Kraemer an. Je nach den Ergebnissen des EU-Gipfels droht eine massenhafte Herabstufung.

Zur Begründung verwies die Agentur am späten Montagabend unter anderem auf das ihrer Ansicht nach unkoordinierte und unentschlossene Handeln der Politiker. Auch sei unklar, wie die Politik langfristig mehr wirtschaftliche, finanzielle und steuerliche Annäherung in den Euro-Staaten gewährleistet wolle. Erschwerend hinzu komme die drohende Rezession im Euroraum im kommenden Jahr.

Diese wird durch den Sparzwang in mehreren Ländern verschärft. Nach Italien kündigte am Dienstag auch Irland Sanierungsschritte an. Die irische Regierung will 2012 unter anderem die Mehrwertsteuer um zwei Punkte auf 23 Prozent erhöhen, um den überschuldeten Staatshaushalt auf Vordermann zu bringen.

Minimales Wachstum

Schon jetzt wächst die Wirtschaft im Euroraum nur noch minimal. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal um lediglich 0,2 Prozent gestiegen, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Auch im zweiten Quartal 2011 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen.

S&P könnte bald auch Deutschlands Spitzenrating um eine Stufe senken. Die Exportnation sei eng innerhalb Europas verflochten, das berge Gefahren für die deutsche Wirtschaft. Nach Überzeugung des Wirtschaftsprofessors und Regierungsberaters Clemens Fuest haben die S&P-Experten Deutschland auch deshalb ins Visier genommen, weil sich die grösste Euro-Volkswirtschaft mit den Rettungshilfen für Schuldensünder verheben könnte.

Frankreich als zweitem wirtschaftlichen Schwergewicht Europas droht sogar die Absenkung um bis zu zwei Stufen. Ausserdem führen derzeit auch die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg die Bestnote «AAA».

Ein gutes Rating ist Voraussetzung für Staaten und Unternehmen, um sich an den Kapitalmärkten zu günstigen Konditionen frisches Geld zu besorgen. Schlechtere Bonitätsnoten führen in der Regel dazu, dass Schuldner höhere Zinsen zahlen müssen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vincenzo F. am 06.12.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Dollar retten!

    Die USA wollen ihren geliebten Dollar retten und wieder als unangefochtene Weltwährung bestärken. Und wie es aussieht schrecken sie nicht davor zurück den Euro um jeden Preis zu sabotieren.

  • Beobachter am 06.12.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verschärfte Beobachtung?

    Wie denn, was denn? Gibt es jetzt auch noch Stufen in der Beobachtung? In solchen Angelegenheiten sollten doch alle gleich scharf oder gleich weniger scharf beobachtet werden? Oder darf man diesen Aufwand nicht von solch einflussreichen Unternehmen erwarten? Hinkt S&P und wie die alle heissen womöglich hintennach - und sieht es in Tat und Wahrheit noch viel schrecklicher aus mit den Finanzen auf dieser unseren Welt? Hmm?

  • Peter Silie am 06.12.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht hier nicht

    um US-Rating oder nicht! Jeder halbwegs vernünftige Mensch wird erkennen, dass die EU, der Euro-Raum, kaputt sind. Garantien von Staaten die technisch gesehen PLEITE sind als bare Münze zu nehmen ist genau so verwerflich wie sogenannte AAA rated ABS mit Libor +200 ins Depot zu nehmen! Macht endlich die Augen auf. Die EU ist fertig und das ist gut so! Es sind über 20 Staaten mit vielen Sprachen, Eigenheiten, Mentalitäten, Traditionen und vorallem mit einer laaaangen Vorgeschichte! Europa gibt es nicht - höchstens geographisch! Es gehört schlichtweg nicht zusammen... und das ist gut so!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 06.12.2011 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht hier nicht

    um US-Rating oder nicht! Jeder halbwegs vernünftige Mensch wird erkennen, dass die EU, der Euro-Raum, kaputt sind. Garantien von Staaten die technisch gesehen PLEITE sind als bare Münze zu nehmen ist genau so verwerflich wie sogenannte AAA rated ABS mit Libor +200 ins Depot zu nehmen! Macht endlich die Augen auf. Die EU ist fertig und das ist gut so! Es sind über 20 Staaten mit vielen Sprachen, Eigenheiten, Mentalitäten, Traditionen und vorallem mit einer laaaangen Vorgeschichte! Europa gibt es nicht - höchstens geographisch! Es gehört schlichtweg nicht zusammen... und das ist gut so!

  • Hans Grossenbacher am 06.12.2011 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Diese Rating Agenturen sind schlicht und einfach unglaubwürdig. Wer den Mist noch glaubt ist selber Schuld! Die USA mit ihren gigantischen Schulden sind AAA, aber an Deutschland wird rumgemeckert.

  • Vincenzo F. am 06.12.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Dollar retten!

    Die USA wollen ihren geliebten Dollar retten und wieder als unangefochtene Weltwährung bestärken. Und wie es aussieht schrecken sie nicht davor zurück den Euro um jeden Preis zu sabotieren.

  • Beobachter am 06.12.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verschärfte Beobachtung?

    Wie denn, was denn? Gibt es jetzt auch noch Stufen in der Beobachtung? In solchen Angelegenheiten sollten doch alle gleich scharf oder gleich weniger scharf beobachtet werden? Oder darf man diesen Aufwand nicht von solch einflussreichen Unternehmen erwarten? Hinkt S&P und wie die alle heissen womöglich hintennach - und sieht es in Tat und Wahrheit noch viel schrecklicher aus mit den Finanzen auf dieser unseren Welt? Hmm?

  • M.Sch. am 06.12.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen

    Schafft diese Ratingagenturen endlich ab. Die haben einengrossen Anteil daran, dass es der Welt so schlecht geht!!!

    • Michael Elber am 06.12.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Eben gerade nicht.

      Ratingagenturen legen nur den Finger auf die Wunde. Die Krise verursacht hat die Schuldenpolitik der EU-Politiker, die sich mit Geldgeschenken die Gunst ihrer Wähler gekauft haben. Nun wird ihnen lediglich die Rechnung präsentiert.

    • fredchen am 06.12.2011 20:08 Report Diesen Beitrag melden

      Wohl einen Cloun verschluckt?

      Das Problem sind die Eurostaaten und Ihre Schulden. Die Ratings sind der Spiegel nicht das Bild.

    • Tom Grey am 06.12.2011 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht hilfreich

      Seh ich auch so. Diese Firmen spielen sich auf, indem sie Unternehmen oder Staaten "beurteilen", ohne sich Rechenschaft zu geben, was sie damit anrichten. Natürlich gibt es in der Euro-Krise noch vieles zu verabreiten und zu lösen, aber solche Aktionen sind alles andere als hilfreich. Da geht es nur darum, im Gespräch zu bleiben. Was "schaffen" die Leute bei diesen Firmen eigentlich für die Gemeinschaft, ausser Unsicherheit?

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