Schuldenkrise

02. Dezember 2011 12:05; Akt: 02.12.2011 12:08 Print

Die Banken vertrauen sich nicht mehr

Wenig Vertrauen in die eigene Branche: Anstatt sich das Geld gegenseitig zu leihen, legen die europäischen Banken kurzfristige Mittel lieber bei der EZB an.

teaser image

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das europäische Bankensystem steht nach wie vor unter starker Anspannung. Am Freitag legten sowohl die eintägigen Einlagen als auch die kurzfristigen Ausleihungen der Institute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) von hohem Niveau aus noch weiter zu.

Die Einlagen stiegen von 304,4 Mrd. Euro am Vortag auf 313,8 Mrd. Euro. Dies ist der höchste Wert seit rund eineinhalb Jahren und viel mehr als üblich. Die Mittel, die sich die Geschäftsbanken über Nacht von der EZB leihen, sprangen unterdessen von 4,6 Mrd. auf 8,6 Mrd. Euro. Sie liegen damit so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr.

Misstrauens-Indikator

Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Misstrauens-Indikator, da die Geschäftsbanken auf diese Instrumente normalerweise kaum zurückgreifen. Ausschlaggebend sind die vergleichsweise ungünstigen Konditionen über die Notenbank.

Angesichts der sehr hohen Unsicherheit wegen der Schuldenkrise nehmen die Banken entsprechende Zinsverluste aber in Kauf. Anstatt sich das Geld gegenseitig zu leihen, parken sie kurzfristige Mittel lieber bei der EZB oder legen es dort kurzfristig an.

Staatsanleihen sind die neuen «faulen Hypotheken»

Der direkte Geldhandel zwischen den Banken ist also - ähnlich wie in der Finanzkrise seit 2008 - wieder erheblich ins Stocken geraten. Das gegenseitige Misstrauen der Banken gründete damals auf den faulen Hypotheken, die als toxische Papiere kursierten. Jetzt weiss eine Bank von der anderen nicht, wieviel Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder, sprich Ramschpapiere, in deren Portefeuille sind.

Zur Wochenmitte hatten sechs weltweit führende Notenbanken, darunter die US-Notenbank Fed, die EZB und die Schweizerische Nationalbank, weitreichende Massnahmen ergriffen. Sie senkten den Preis für Dollar-Liquidität, da derzeit vor allem europäische Banken nur schwer Zugang zum amerikanischen Geldmarkt finden. Darüber hinaus spannten die Zentralbanken ein Sicherheitsnetz, sollten sich die Spannungen am Interbankenmarkt auf die Liquidität in anderen Landeswährungen ausweiten.

(whr/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 03.12.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Systematische Unsicherheiten

    Die Banken sehen dies wohl richtig, wenn sie sich nicht mehr trauen. Auch ich und viele Bekannte haben kein Vertrauen mehr in dieses System. Vielleicht wird man sich wieder an die alten Zustände zurückbesinnen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred am 03.12.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Systematische Unsicherheiten

    Die Banken sehen dies wohl richtig, wenn sie sich nicht mehr trauen. Auch ich und viele Bekannte haben kein Vertrauen mehr in dieses System. Vielleicht wird man sich wieder an die alten Zustände zurückbesinnen.