Industrie in der Krise

02. Dezember 2008 14:52; Akt: 13.02.2009 13:52 Print

«Der Letzte macht das Licht aus»

In Detroit geht die Angst vor dem Verlust Tausender Jobs um. Lebensader der Industriemetropole im US-Staat Michigan ist die Autoindustrie und die steckt in massiven Schwierigkeiten.

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Erinnerungen werden wach an die Krise vor 25 Jahren, als die Arbeitslosenrate in Michigan auf 17 Prozent hochschnellte und Menschen Anstecker mit der Aufschrift trugen: «Kann der Letzte, der Michigan verlässt, bitte das Licht ausmachen.»

Schon jetzt bekommen die Menschen in Detroit die Flaute auf dem Automarkt zu spüren, auch wenn sie nicht in der Branche tätig sind. «Meine Umsätze haben sich gegenüber den späten 90er Jahren inzwischen halbiert», berichtet Restaurantbesitzer Anton Nikollbibaj. Bis 2002 sei es wirklich gut gelaufen. «Doch seitdem geht es nur noch abwärts», erzählt er.

Die Politik sollte nicht auf die Fehler der Autokonzerne schauen, sondern darauf, was gut für die Menschen sei, meint Nikollbibaj. Die grossen Drei - General Motors, Ford und Chrysler - beschäftigen nahezu eine halbe Million Arbeiter, hinzu kommen 730 000 in der Zulieferindustrie. «Falls GM oder Chrysler untergeht, oder beide, gibt es hier einen nuklearen Winter. Wir werden Zehntausende Jobs verlieren», befürchtet der Verwaltungschef von Oakland County, L. Brooks Patterson.

Kritik an US-Kongress

Wenig Verständnis haben die Regionalpolitiker daher auch dafür, dass der US-Kongress seine Entscheidung über ein Hilfspaket von 25 Milliarden Dollar für die Autobauer vertagt hat, bis die Hersteller ihre Sanierungspläne vorgelegt haben. «Was immer wir dem Management vorwerfen, es hilft weder den Beschäftigten noch den Städten und Gemeinden, wenn die Autoindustrie zusammenbricht», sagt der frühere Gouverneur von Michigan, James Blanchard. Michigan drohe ein «wirtschaftlicher Tsunami», wenn einer der Hersteller pleite gehe.

«Ich kann nachvollziehen, dass der Durchschnittsbürger nicht versteht, worum es geht, aber der Kongress sollte wissen, was Detroit für dieses Land bedeutet», sagt Nikollbibaj. «Wie wollen Sie einem Arbeiter erklären, der fünf oder sechs Kinder hat und sein ganzes Leben bei Chrysler gearbeitet hat, dass man ihm nicht hilft.»

Schlechte Stimmung in Detroit

Die Autostadt Detroit zählt bereits jetzt schon zu den Städten mit der höchsten Arbeitslosigkeit und den meisten Zwangsversteigerungen von Immobilien in den USA. Hinzu kommen Probleme in der öffentlichen Verwaltung. Den öffentlichen Schulen droht der Verlust von Millionen Dollar an staatlichen Subventionen, weil die Schülerzahl unter 100 000 gesunken ist. Die Stadt selbst steht vor einem Haushaltsdefizit von 125 Millionen Dollar. Stellenabbau in der Verwaltung und weniger Service könnten die Folge sein.

«Die Stimmung in der Stadt ist nicht gut», sagt der 76 Jahre alte Rentner Glen White. «Viele Leute verlieren ihr Haus, viele verlieren ihren Job.»

(ap)