Ein Jahr nach Lehman-Pleite

15. September 2009 16:39; Akt: 15.09.2009 17:27 Print

«Die Banken haben nichts gelernt»

von Peter Blunschi - Ein Jahr nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers gibt es Anzeichen für eine Rückkehr der Casino-Mentalität. Eine britische Denkfabrik warnt, dass die derzeitige Bankenkrise nicht die letzte ihrer Art sein könnte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der US-Präsident sprach Klartext: «Wall Street kann nicht einfach wieder Risiken eingehen, ohne an die Konsequenzen zu denken – und davon ausgehen, dass die Steuerzahler auch beim nächsten Mal einspringen werden, wenn alles schief geht», sagte Barack Obama in seiner Rede am Montag zum Jahrestag des Zusammenbruchs der Investmentbank Lehman Brothers. Doch genau dies ist nach Ansicht von Experten der Fall. Bereits gebe es Anzeichen, dass an der Wall Street die alte Casino-Mentalität zurückgekehrt sei.

Gestützt wird der Befund auch durch eine Studie des britischen Institute for Public Policy Research (IPPR), der ebenfalls am Montag veröffentlicht wurde. Die progressive Denkfabrik warnt in «How to make Capitalism better» (Wie man den Kapitalismus verbessert), dass die Banken kaum etwas aus der Krise gelernt hätten. Angesichts der «Back to Business»-Einstellung in der Londoner City müssten «die Alarmglocken läuten», sagte IPPR-Chefökonom Tony Dolphin gemäss britischen Medienberichten.

Mentalität des «schnellen Reichtums»

Es gebe wenig Anzeichen dafür, dass die Politik Massnahmen ergreife um sicherzustellen, dass der nächste Wirtschaftsaufschwung besser ausbalanciert sei als der letzte, so Dolphin. Falls nicht sofort gehandelt werde, «könnte die derzeitige Bankenkrise nicht die letzte ihrer Art sein», heisst es im Bericht weiter. Die schnelle Rückkehr der Bonus-Kultur in der Londoner City zeige, dass Reformen nur «sehr beschränkt» erfolgt seien.

Die derzeitige Krise sei zum grossen Teil durch die Mentalität des «schnellen Reichtums» erzeugt worden. Kurzfristige Gewinnmaximierung und persönlicher Vorteil hätten «Vorrang vor allen anderen Erwägungen» gehabt, schreibt Dolphin in der Studie. Konkret verlangt das IPPR eine internationale Regulierung, die zu einem Finanzsystem führt, das im Interesse der Gesamtwirtschaft handelt. Dies soll untern anderem erreicht werden, indem aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China und Indien eine grössere Rolle in Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten.

Brown will «aufräumen»

Auch der britische Premierminister Gordon Brown betonte in einem BBC-Interview zum Lehman-Jahrestag die Notwendigkeit eines globalen Vorgehens, um im Finanzsystem «aufzuräumen». Am G-20-Gipfel in Pittsburgh nächste Woche gelte es die «begonnene Arbeit» zu Ende zu führen, sagte Brown und zeigte sich «empört» darüber, dass einige Banken zum «alten Stil» zurückkehren. Allerdings: Gerade in der Bonus-Frage haben sich Grossbritannien und die USA bislang als die grössten Bremser erwiesen.