Analyse

09. Februar 2010 07:37; Akt: 09.02.2010 07:52 Print

Turnaround geschafft – Kunden vertrieben

von Lukas Hässig - Kosten im Griff, Personal abgebaut, Kapital gestärkt und einen Quartalsgewinn. Das sind die guten Nachrichten der UBS von heute. Doch wie aus einer offenen Wunde strömen weiter Kundenvermögen ab – pro Tag über 600 Millionen Franken. Trotzdem gibts 3 Milliarden Bonus fürs Management und die Mitarbeiter.

storybild

Sie haben das Ruder herumgerissen: VR-Präsident Kaspar Villiger, links, und CEO Oswald Grübel (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die UBS ist am Ende des letzten Jahres in die Gewinnzone zurückgekehrt. «Wir erwarten, dass mit der Rückkehr zur Profitabilität auch das Kundenvertrauen und unsere Reputation wieder steigen», lässt sich CEO Oswald Grübel in einer Mitteilung der Bank zitieren.

Für das ganze Jahr 2009 sieht die Rechnung allerdings nochmals düster aus. 2,7 Milliarden Verlust blieben unter dem Strich für den gebeutelten Konzern übrig. Das ist zwar nichts im Vergleich zu den 21 Milliarden von 2008, aber eben immer noch eine stolze Summe für die tief gefallene Grossbank.

Sogar die UBS-Investmentbank schreibt einen kleinen Gewinn

Die Erholung der Bank zeigt sich hingegen in den letzten Wochen des Jahres. 1,2 Milliarden Franken beträgt der Gewinn für das 4. Quartal. Die UBS hat damit den Turnaround geschafft, den die neue Führung um Grübel und Präsident Kaspar Villiger ankündigten.

Hervorzuheben ist die Rückkehr in die schwarzen Zahlen vor allem in der Investmentbank. Dort, wo die UBS seit Herbst 2007 über 50 Milliarden Franken verspielt hatte, machte die Bank von Oktober bis Dezember einen Minigewinn von 300 Millionen Franken. Das ist erfreulich, doch im Vergleich zu den Konkurrenten Credit Suisse und Deutsche Bank natürlich kümmerlich.

Jeden Tag zogen Kunden über 600 Millionen Franken ab

So weit, so gut. Doch das wahre Problem haben Grübel und Villiger auch nach fast einem Jahr im Amt nicht gelöst. Die UBS hat ihr Vertrauen bei den vermögenden Kunden dieser Welt verloren und noch nicht zurückerobert.

Das zeigt sich an einer Zahl. In den letzten 13 Wochen des Jahres 2009 flossen insgesamt 56 Milliarden Franken ab. Das entspricht rund einem Drittel der gesamten Kundenvermögen, welche die Zürcher Privatbank Julius Bär verwaltet – immerhin so etwas wie die dritte Kraft des Swiss Banking.

Tag für Tag zogen die Kunden der UBS über 600 Millionen Franken ab und suchten für diese Gelder eine neue Finanzheimat. Diese unvorstellbare Kapitalflucht ist das deutlichste Zeichen dafür, dass die UBS noch nicht über dem Berg ist.

Viel Potenzial – auch nach unten

Es ist absolut keine Entwarnung, wenn sich der Abfluss auf Jahresbasis verlangsamt hat. 2008 zogen UBS-Kunden 226 Milliarden Franken ab, 2009 waren es noch 147 Milliarden Franken. Dass die Bank trotz diesem Abfluss weiterhin über 2200 Milliarden Vermögen verwaltet und als zweitgrösste Vermögensverwalterin weltweit gilt, stimmt nicht zuversichtlicher. Im Gegenteil: Man könnte argumentieren, dass noch viel Geld vorhanden ist, das die Bank verlassen könnte.

Auch die eigene Prognose der UBS-Führung lässt einen skeptisch bleiben. «UBS ist zuversichtlich, dass die von ihr ergriffenen Massnahmen zur Ursachenbekämpfung von Vermögensabflüssen erfolgreich sein werden», schreibt die UBS in ihrem Communiqué, warnt dann aber im nächsten Satz: «Doch für die unmittelbare Zukunft ist nach wie vor mit einer negativen Nettoneugeldentwicklung zu rechnen, verbunden mit einem gewissen Margendruck.»

Weitere Abflüsse im ersten Quartal und erst noch weniger Ertrag auf die zurückbleibenden Gelder, weil man versuchen wird, die Kunden mit Dumpingpreisen bei der Stange zu halten – diese Aussicht ist für den riesigen Vermögensverwalter höchst ungemütlich. Die Führung ist gefordert, beim Vermögensabfluss durch nachhaltige Gewinne rasch das Steuer herumzureissen.

Stabile Eigenkapitalbasis dank massivem «Luftablassen»

Einen Lichtblick bildet die Bilanz, also jener Teil der Bank, der Aussagen über die Risiken und die eigene Resistenz von Schocks an den Finanzmärkten zulässt. 15,4 Prozent weist die UBS als sogenannte Tier-1-Quote aus. Das bedeutet, dass jeder siebte Franken der eingegangenen Risiken mit eigenem Geld unterlegt ist. International eine hohe Quote, die weit über dem vorgeschriebenen Minimum liegt, was allerdings von einer auf die Vermögensverwaltung fokussierten Grossbank verlangt wird und auch nötig ist.

Zu dieser befriedigenden Kapitalquote geführt hat vor allem die anhaltende Reduktion der Bilanz. Die UBS weist Ende 2009 Aktiven und Passiven von noch 1341 Milliarden Franken aus, das ist gerade noch die Hälfte des Höchststandes vor zweieinhalb Jahren. Dieses «Luftablassen» in den letzten 30 Monaten zeigt am deutlichsten, wie viele Risiken die alte Führung eingegangen ist.

Boni sind grosszügig für Bank mit Verlust

Total schüttet die UBS 3 Milliarden Bonus für 2009 aus. Das ist knapp eine Milliarde mehr als im Schreckensjahr 2008, aber 7 Milliarden weniger als 2007, als die Bank zu kippen begann. 3 Milliarden für 65 000 Mitarbeiter macht fast 50 000 Franken pro Kopf – ein stolzes Ergebnis angesichts eines Jahresverlusts von 2,7 Milliarden oder 42 000 Franken pro Mitarbeiter. Für weitere Kritik in der politischen Arena und am Schweizer Stammtisch ist gesorgt.