Deutschland

29. Dezember 2008 14:52; Akt: 29.12.2008 15:30 Print

Braucht die Autoindustrie bald Stützräder?

Die Wirtschaftskrise hat die deutsche Automobilindustrie fest im Griff: Für das kommende Jahr erwarten die Unternehmen wesentlich weniger Umsatz und schliessen den Abbau von Arbeitsplätzen nicht aus.

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«Tragweite und Dauer der Absatzschwäche» seien gegenwärtig noch nicht abschätzbar, meint die traditionell zum Jahreswechsel veröffentlichte Branchenumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Mitte September seien die Auftragseingänge deutlich eingebrochen, zitiert das IW den Verband der Automobilindustrie (VDA). Folglich werde auch die Produktion 2008 und vor allem 2009 voraussichtlich schwächer ausfallen.

Eine erhebliche Belastung für die Unternehmen sei auch «die spürbare Zurückhaltung» der Banken bei der Kreditvergabe. Darlehen, die noch vergeben würden, seien mit einem kräftigen Zinsaufschlag versehen. «Vor diesem Hintergrund bestehen deutliche Risiken auch für Unternehmen der Zulieferindustrie, die strukturell gesund sind», erklärte der Verband.

Falls die Auswirkungen der Krise kurzfristig seien, sollte das Beschäftigungsniveau gehalten werden können. Bei einer längeren Absatzschwäche sei aber mit «Anpassungen» zu rechnen. «Wir müssen derzeit davon ausgehen, dass die Beschäftigungszahl in der deutschen Automobilindustrie im Jahr 2009 leicht reduziert werden muss», beschreibt der VDA die Lage.

Einschränkend hiess es dazu, dies sei «der letzte Schritt in den Planungen der Industrie», da es nach wie vor Facharbeitermangel gebe. Bei einem erneuten Aufschwung würden diese Facharbeiter jedoch fehlen, was «einen erheblichen Bremsklotz für die Expansion der Branche darstellen» würde.

Opel sieht ohne Partner kaum Überlebenschancen

Beim Rüsselsheimer Autobauer Opel gehen bange Blicke in die USA. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht bei einem Untergang der Konzernmutter General Motors kaum Chancen, dass der Autobauer allein überleben kann. «Um die nötigen Investitionen tätigen zu können, ist ein Produktionsvolumen von 2,5 bis drei Millionen Einheiten notwendig», sagte Franz der Nachrichtenagentur AP. «Mit 1,6 Millionen Autos pro Jahr – wie derzeit – kriegen wir das nicht hin.» Sollte GM scheitern, sei ein Überleben aber mit einem neuen strategischen Partner denkbar.

Franz warb erneut für eine staatliche Bürgschaft an Opel. «Es geht um einen Bürgschaftsrahmen von 1,8 Milliarden Euro», sagte der Gesamtbetriebsratschef. Durch eine staatliche Bürgschaft wären Investitionen und Liquidität für das Jahr 2009 gesichert: «Dann könnte es uns sogar gelingen, die Markteinführung einiger geplanter neuer Modelle vorzuziehen.» Für die momentane Autokrise machte der Arbeitnehmervertreter auch gewaltige Überkapazitäten von bis zu 26 Millionen Fahrzeugen weltweit verantwortlich.

Knapp 6.000 Arbeitsplätze zu viel bei Daimler?

Auch bei Daimler hat Vorstandschef Dieter Zetsche die rund 167.000 Beschäftigten in Deutschland schon auf ein schwieriges Jahr 2009 eingeschworen. Betriebsratschef Erich Klemm sagte aber jüngst, er gehe davon aus, dass sich die Situation auf dem Absatzmarkt mittelfristig erhole. Mercedes-Produktionschef Rainer Schmückle arbeitet nach Angaben aus Unternehmenskreisen allerdings zurzeit an einem weiteren Sparpaket. Einzelheiten sind noch nicht durchgesickert. Intern geht man aber davon aus, dass Mercedes 5.800 Beschäftigte zuviel an Bord hat.

(ap)