«Too big to fail»

28. Juni 2010 18:36; Akt: 28.06.2010 19:56 Print

Versicherungen dürfen pleitegehen

Beim Zusammenbruch einer grossen Schweizer Versicherung würde das Finanzsystem nicht kollabieren. Sie sind nicht «too big to fail».

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Keine Versicherungsgesellschaft müsse als «too big to fail» (zu gross zum Scheitern) eingestuft werden und eine Staatsgarantie wie bei den Grossbanken gebe es weder juristisch noch faktisch. Es drängten sich auch keine grundlegenden Änderungen der Versicherungsaufsicht auf. Zu diesem Schluss kommt der Experte Marc Philipp Radice, der im Auftrag der Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) ein Arbeitspapier zu systemischen Risiken im Versicherungssektor verfasst hat.

Gemäss Radice gebe es jedoch Handlungsbedarf zur Stärkung der Belastbarkeit der Versicherungsunternehmen, namentlich bezüglich der Liquidität und der Risikenkonzentrationen. Gleichzeitig seien kapitalmarktbezogene Geschäfte, fremdfinanzierte Anlageprogramme und andere Refinanzierungsaktivitäten einer getrennten Regulierung und Aufsicht zu unterwerfen, schlägt Radice in seinem am Montag veröffentlichten Dokument vor.

Ausserdem seien die Arbeiten für eine international koordinierte Aufsicht der Versicherungsgruppen zu fördern, heisst es weiter.

Die «Too big to fail»-Problematik wird seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers und der Staatshilfen für internationale Grossbanken im Zuge der Finanzrise diskutiert. Dabei geht es um die Minderung von Risiken, die von Grossbanken ausgehen und welche wegen ihrer Auswirkungen auf das ganze Finanz- und Wirtschaftsystem durch den Staat getragen werden müssen.

(sda)