Euro-Krise

29. Dezember 2010 19:55; Akt: 29.12.2010 20:08 Print

Spanien und Portugal drosseln Kapitalhunger

Die Euro-Sorgenkinder Spanien und Portugal wollen 2011 den Kapitalmarkt weniger anzapfen. Spanien braucht «nur» noch rund 47 und Portugal bis zu 20 Milliarden Euro.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Spanien will mittel- und langfristige Staatsanleihen im Volumen von 47,2 Mrd. Euro netto begeben. Im laufenden Jahr hatte sich das Land noch 62,1 Mrd. Euro geliehen - seit einigen Monaten hat sich die Refinanzierung aber wegen höherer Zinsaufschläge drastisch verteuert.

«Sparmassnahmen, die die Regierung Mitte des Jahres in Kraft gesetzt hat, um die öffentlichen Finanzen zu konsolidieren, haben dazu geführt, dass der Finanzierungsbedarf geringer ausfällt als 2010», teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch in Madrid mit.

Die Regierung in Madrid will mit einem harten Sparkurs ihren Schuldenberg in den Griff bekommen und Investoren davon überzeugen, dass Spanien nicht wie Griechenland oder Irland auf EU-Hilfen angewiesen ist.

Portugal braucht bis zu 20 Milliarden

Das Nachbarland Portugal steht ebenfalls wegen seines hohen Haushaltsdefizits im Fokus der Finanzmärkte und muss Anlegern höhere Renditen zahlen. Das Land will 2011 über Staatsanleihen zwischen 18 bis 20 Mrd. Euro einsammeln nach 22 Mrd. Euro in diesem Jahr, wie die Finanzagentur IGCP erklärte.

Viele befürchten, das überschuldete und wachstumsschwache Portugal könnte nach Griechenland und Irland das nächste Land in der Eurozone sein, das mit einem Finanzpaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gerettet werden muss.

Ungarn hofft auf China

Ungarn wird beim Stopfen seiner Haushaltslöcher womöglich Hilfe von China bekommen. Regierungschef Viktor Orban soll dazu bereits im Oktober erste Gespräche mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao geführt haben. «Es gab eine Vereinbarung darüber, dass beide Parteien die Möglichkeiten einer strategischen finanziellen Kooperation abwägen», wird Entwicklungsminister Tamas Fellegi am Mittwoch auf der Internetseite «index.hu» zitiert.

Im Januar werde eine chinesische Delegation nach Ungarn reisen, um die Gespräche fortzusetzen. Ungarn ist EU-Mitglied, hat aber den Euro nicht eingeführt. Fellegi nannte es eine Möglichkeit, dass die chinesische Zentralbank ungarische Staatsanleihen kaufen könnte. Nachdem Ungarn die Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einiger Zeit abgebrochen hat, will sich das Land weiterhin über die Märkte finanzieren.

Ob es zu einem Engagement Chinas in Ungarn kommt, ist aber unklar, Die chinesische Regierung steht zudem unter innerstaatlichem politischen Druck, bei Investitionen im Ausland vorsichtiger zu sein.

Ungarische Staatsanleihen waren zuletzt bei Investoren immer unbeliebter geworden, nachdem alle drei grossen Ratingagenturen sie an die Schwelle zum Ramschstatus abgewertet haben. Zudem sorgten Ungarns Pläne zur Haushaltskonsolidierung für Unbehagen.

(sda)