Euro-Mindestkurs

03. Juni 2012 09:40; Akt: 03.06.2012 09:41 Print

Bürgerliche warnen vor dem «grossen Knall»

Bürgerliche Politiker und Topshots aus der Wirtschaft nehmen die Politik der Nationalbank ins Visier. Der Mindestkurs von 1.20 könne zum Bumerang werden.

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FDP-Präsident Philipp Müller und die SVP-Nationalräte Christoph Blocher und Peter Spuhler sehen im Mindestkurs eine Gefahr.

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Die Euro-Krise hat sich diese Woche zugespitzt, der Aufwertungsdruck auf den Franken nimmt zu. Jetzt fordern Schwergewichte aus Wirtschaft und Politik: Die Nationalbank (SNB) sollte den Mindestkurs von Fr. 1.20 pro Euro aufgeben.

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel schreibt in seiner Kolumne im « Sonntag» , es sei «nur eine Frage der Zeit und der Entwicklung der Eurokrise», dass die Strategie des Mindestkurses aufgegeben werden müsse. Je früher die SNB dies tue, umso besser: «Je länger wir daran festhalten, umso höher wird der Preis, den wir alle dafür bezahlen.»

Der Zürcher Finanzprofessor Martin Janssen stimmt Grübel zu: «Die Festlegung des Mindestkurses von 1.20 war in Erwartung eines wieder stärker werdenden Euros vertretbar. Aber jetzt wird der Euro und damit der Franken gegenüber allen anderen Währungen laufend schwächer – obwohl die Marktkräfte zu einem deutlich stärkeren Franken drängen», so Janssen zum «Sonntag».

Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Halte die SNB den Kurs lange künstlich bei 1.20, drohe in zwei oder drei Jahren ein umso schlimmerer Absturz auf 90 Rappen. Janssen fordert eine «Exit-Strategie». Die SNB könnte den Franken schrittweise aufwerten: «Jedes Quartal um einen Rappen, von 1.20 auf 1.19 und so weiter.»

Welches der «freie» Wechselkurs wäre, lässt sich nicht bestimmen. UBS-Berechnungen aufgrund der Kaufkraftparität gehen von schockierend tiefen 93 Rappen pro Euro aus. FDP-Präsident Philipp Müller sagt gegenüber dem «Sonntag»: «Die Schweiz hat die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder stützt die SNB den Franken weiter bei 1.20, mit dem Risiko gewaltiger Verluste auf den Devisenreserven. Oder sie gibt den Mindestkurs auf, was wohl Parität bedeuten würde und die Exporte einbrechen liesse.»

Blocher und Spuhler warnen

SVP-Stratege Christoph Blocher sagt: «Die SNB muss sich bewusst sein, dass der Mindestkurs von 1.20 langfristig nicht durchsetzbar ist. Irgendwann muss wieder der freie Markt den Devisenkurs bestimmen können.» Darum habe Oswald Grübel «grundsätzlich recht». Ein Fragezeichen setzt Blocher beim Zeitpunkt: «Wann der richtige Moment da ist, um den Kurs wieder frei schwanken zu lassen, muss letztlich die Nationalbank entscheiden.»

Auch Unternehmer und SVP-Nationalrat Peter Spuhler ist pessimistisch. Zur «SonntagsZeitung» sagt er: «Ich erwarte, dass es in Europa in den nächsten zwölf bis 24 Monaten gewaltig knallt.» Darum brauche es Instrumente, um eine weitere Aufwertung des Frankens im Notfall zu bremsen. Spuhler zweifelt aber daran, «dass Kapitalverkehrskontrollen technisch umsetzbar sind.» Solche hatte Nationalbank-Präsident Thomas Jordan in der SonntagsZeitung vorgeschlagen. Ausländer könnten damit nur noch begrenzt in der Schweiz investieren.

Linke und Mitte für Mindestkurs

Skeptisch ist Pascal Gentinetta: «Kapitalverkehrskontrollen sind ein Griff in den Giftschrank», sagt der Direktor des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse. «Sie sind ein massiver Eingriff in den freien Kapitalverkehr.»

Anders sieht es bei den Mitte-Parteien und der SP aus. Sie unterstützen Jordan in seiner Linie. Susanne Leutenegger Oberholzer (SP), Hans Grunder (BDP) und Christophe Darbellay halten die «Abschottung des Kapitalmarktes für ein wirksames Mittel». Die Linke will gar noch weiter gehen: «Es braucht einen Verzicht der Grossbanken auf Franken-Spekula¬tionen. Und der Bund müsse im Notfall sogar ein Verbot für Immobilienverkäufe erlassen», fordert die SP.

(aeg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick Sutter am 03.06.2012 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Gibt es denn in der SP niemanden mit genug Wirtschaftskompetenz, der den Genossen erklären kann, was für ein Stuss die Forderung nach einem "Verbot der Franken-Spekulation" ist? Die Fakten: die Grossbanken gehören zu den Hauptleidtragenden der Frankenstärke (a/ viel höherer Anteil der Kosten in der Schweiz als der Einnahmen, b/ Interventionspolitik der SNB hat zu Negativzinsen geführt, die die Banken in eine inländische Immo-Blase treibt). Habe kein Problem mit angebrachter Kritik am Finanzsektor aber bitte nicht so billiges weltfremdes Geschwafel auf Knopfdruck...

  • Hans Aebi am 03.06.2012 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So eine Frechheit der Mindestkurs

    Die National bank setzt den Kurs fest, dies ist ein absoluter irrsinn. Wir als Schweizer werden die Zeche bezahlen müssen. Im Endeffekt werden wir das Volk dafür bluten. Aber wie so ist wird das ganze in die Hose geht die snb noch geld vom Staat kriegen. Und es wird festgestellt das die aktionen nichts gebracht hat un die Schweiz mehrere Milliarden für den maroden Euro verschwendet hat. Danach ist der Vorteil von Exporten wieder hin und es wird wieder Arbeitsplaetze kosten. Bei der Sache gibt es nur einen Verlierer naemlich das Schweizer Volk. So sachen darf die SNB nicht alleine entscheide

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  • paul am 03.06.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig spekuliert

    Wer bei diesen Spekulationen Geld verdient sind höchstens die Banken, weil es mehr Transaktionen gibt. Die Industrie und das Volk zahlt das mit realen Verlusten von Firmen und Anlagen. Ich bin für eine volle Anbindung an den Euro, dann haben wir als Anleger und Konsumenten eine 1:1 Situation. Die Preise sind ja nach wie vor frei, je nach wirtschafts-region.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R.W. am 04.06.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung des Volksvermögen-

    hätte man von Anfang an Unterbinden können! Da die CH.Fr. keine Welthandlungs Währung ist ,wie etwa Dollar o.Euro,wäre es ein leichtes gewesen den Ch.Fr.künstlich niedrig zu halten, und zwar ohne Eingriff der SNB.Da aber einige Leute in der Oberen Etage und auch Parteien über das hintertürchen den Euro Unterstützen wollen!Haben wir jetzt den Salat! En Guete.

    • Supermario am 06.06.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      Künstlich tief halten??? Wie geht das???

      Glaubst du im Ernst, dass die SNB ihre Euro-Guthaben FREIWILLIG vervielfacht hat. Erklär mir mal, wie man ein Gut, welches die ganze Welt nachfragt, wie grad jetzt der CHF, künstlich billig halten kann, ohne soviel von diesem Gut auf den Markt zu werfen, dass jeder befriedigt ist? "Künstlich" tief halten ist ne Aussage, welche den Markt herzlich wenig interessiert :-)

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  • Dr. Franken am 04.06.2012 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    den Spiess umkehren

    also machen wir doch das gleiche wie unsere Nachbarn. wir Schweizer bringen unsere Franken nach Deutschland. Dann muss der Euro hochklettern !?!??!!. kaufen wir jetzt billigen Euro. geht der Euro Kurs hoch dann dann kaufen wir wieder billigeren Franken.....

    • Supermario am 06.06.2012 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      SNB ist ja dran, Schnellmerker

      Macht die Nati ja grad; vorher war der Euro so zwischen 1.00 und 1.10!!!

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  • Radaumann am 04.06.2012 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sein oder nicht sein, das ist die Frage

    Die SNB muss selber entscheiden was sie tut, Die Politiker sollten sich raus halten. Viel zu viele davon wollen etwas anderes. Der Euro ist auf dem Scheideweg angekommen. Wir werden es bald erfahren.

  • Rechner am 04.06.2012 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    Drehen wie mann will....

    Sind wir mal Ehrlich!!!!Geht es der CH "gut" werden unmengen an Boni abgeschöpft(Vasella/Swissair/CS/UBS/usw.) Geht es der CH "schlecht" darf der "kleine Steuerzahler" blechen(Swissair/UBS/usw.)! Logik dieses Systems;der Dumme ist immer der "kleine Ehrliche Steuerzahler"! Wer mir das Gegenteil beweisen kann bekommt meinen LOHN/sonst bekomme Ich seinen!!!

  • Michel am 04.06.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung!

    Die beste Variante wäre den Kurs frei zu lassen. Würde man die Gewinne im Import weiter geben, könnten wir auch eine Lohnkürzung in kauf nehmen. Das Sparschwein würde gleich voll bleiben.