Jean-Pierre Danthine

31. Mai 2012 15:19; Akt: 31.05.2012 18:50 Print

«Geldpolitik kann keinen Wohlstand schaffen»

Die Schweizerische Nationalbank warnt vor zu hohen Erwartungen an die Geldpolitik. Tiefe Zinsen sind zwar bei der jetzigen Wirtschaftslage nötig, aber auf Dauer gefährlich.

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Jean-Pierre Danthine: «Falls die Wirtschaftsaussichten oder die Deflationsrisiken es erfordern, ist die SNB bereit, jederzeit weitere Massnahmen zu ergreifen». (Bild: Keystone)

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Die Wirkung der unkonventionellen Massnahmen, welche die SNB und andere Zentralbanken ergriffen haben, dürfe nicht überschätzt werden, sagte SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine am Donnerstag in einer Rede in Genf. Die Massnahmen der Zentralbanken seien massgeschneiderte Antworten auf aussergewöhnliche Umstände. Ihre Risiken müssten aber auch erkannt werden, so Danthine.

Primär seien Zentralbanken Hüter der Preisstabilität. Indem sie die allgemeine Wirtschaftslage berücksichtigten, könnten sie auch günstige Bedingungen für das Wachstum schaffen. Aber Zentralbanken seien nicht allmächtig. «Geldpolitik an und für sich kann keinen Wohlstand schaffen», sagte der SNB-Vizepräsident.

Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen

Zur bisherigen Geldpolitik mit Zinsen nahe Null und dem Euro- Mindestkurs gibt es nach Danthines Worten in der gegenwärtigen globalen Wirtschaftslage keine Alternative. «Die SNB setzt daher den Mindestkurs unverändert mit aller Konsequenz um und ist nach wie vor bereit, dazu unbeschränkt Devisen zu kaufen», bekräftigte Danthine am Journée Solutions Bancaires in Genf die bisherige SNB-Politik gemäss Redetext.

Eine Aufwertung des Frankens würde die Schweizer Volkswirtschaft erneut erheblichen Risiken aussetzen und die Preisstabilität und die Wirtschaftsentwicklung gefährden. «Falls die Wirtschaftsaussichten oder die Deflationsrisiken es erfordern, ist die SNB bereit, jederzeit weitere Massnahmen zu ergreifen», so Danthine. SNB-Präsident Thomas Jordan hatte zuletzt in einem Interview auch Kapitalverkehrskontrollen als mögliche Notfallmassnahme ins Spiel gebracht.

Tiefzinsphase ist Gefahr für Stabilität

Die lange Phase tiefer Zinsen, die derzeit durchlaufen werde, stellt aus Sicht der SNB zudem eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems dar. Die inländische Kreditvergabe und der Immobilienmarkt entwickelten sich sehr lebhaft, und es gebe Befürchtungen, dass sich möglicherweise Ungleichgewichte aufbauen, sagte der SNB-Vizepräsident.

Diese Ungleichgewichte könnten schliesslich zu Preiskorrekturen und erheblichen Verlusten für den Schweizer Bankensektor führen. Allerdings gebe es keinen Zweifel daran, dass im gegenwärtigen Umfeld das aktuelle Zinsniveau und der Mindestkurs unerlässlich seien.

Negativzinsen nicht zwangsläufig schädlich

Nach einer Frage von Journalisten liess Danthine durchblicken, dass selbst Negativzinsen im Bereich des Möglichen liegen. Das Beispiel Schweden zeige, dass ein Negativzins nicht zwangsläufig schaden müsse, sagte er. Dort habe es für eine sehr kurze Zeit Negativzinsen gegeben.

Schweden hatte 2009 auf Geld einen Strafzins erhoben, das Banken bei der Notenbank parkten. Mit dieser Massnahmen sollte die Konjunktur angekurbelt werden. In der Schweiz wird im Zusammenhang mit der Minderung des Kapitalzustroms aus dem Ausland über einen solchen Schritt diskutiert. Dabei würden Bankguthaben von Ausländern mit einen Negativzins belegt.

(sda)

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