Ex--Skyguide-Kader

19. Juli 2012 07:15; Akt: 19.07.2012 07:48 Print

«Längere Pisten bringen gar nichts»

von Lukas Hässig - Die wegen des Staatsvertrags geforderte Verlängerung der Westpiste sei keine Lösung, meint der Ex-Tower-Chef von Zürich-Kloten. Er setzt ein Fragezeichen hinter die Flughafen-Strategie.

storybild

Viel Verkehr in Zürich-Kloten: Ein Swiss-Airbus landet auf der Piste 32/14 wahrend eine weitere Maschine auf die Starterlaubnis wartet. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Kaum war die Tinte unter dem Fluglärmvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland trocken, wurde der Ruf nach mehr Beton am Boden laut. Wie üblich am lautesten meldete sich Zürich-Kloten selbst. Der Chef der Zürich Flughafen AG, Thomas Kern, sagte an einem Mediengespräch vor Wochenfrist: «Eine Pistenverlängerung ist wegen dem Staatsvertrag zwingend.»

Umfrage
Braucht es am Flughafen Zürich längere Pisten?
57 %
43 %
Insgesamt 1349 Teilnehmer

Kerns Argument: Der Lärmvertrag beschere dem Airport mehr An- und Abflüge aus neuen Himmelsrichtungen, die nur mit einem ausgebauten Pistensystem bewältigt werden könnten.

Kritik aus dem flughafenfreundlichen Lager

Widerspruch von Vertretern der betroffenen Flughafen-Anwohner folgte auf dem Fuss. Damit kann Kern leben. Das Powerplay mit den Lärmgegnern endete bisher immer zugunsten des Flughafens.

Doch nun meldet sich eine gewichtige Stimme aus dem flughafenfreundlichen Lager zu Wort. Andreas Heiter, langjähriger Kadermann der Flugsicherung Skyguide und dort Chef des Towers, lässt kein gutes Haar an den Forderungen des Airport-Chefs nach längeren Pisten. «Um in Kloten das Maximum herauszuholen, bringt eine Verlängerung der Piste 28 rein gar nichts», sagt Heiter zu 20 Minuten Online.

Der Flughafen will vor allem die Piste 28, genannt Westpiste, verlängern. Diese liegt in der Ost-West-Achse zwischen Kloten und Rümlang. Unter dem neuen Staatsvertrag mit Deutschland soll die Westpiste am Abend zur neuen Haupt-Landepiste werden. Gleichzeitig müssten Flugzeuge die Westpiste kreuzen, um auf einer anderen Piste an den Start zu gehen. Das braucht Zeit und birgt Risiken.

Kreuzen ist das Problem

Dieses Kreuzen der Pisten sei Klotens Engpass, meint Aviatiker Heiter, nicht die Kürze der Pisten. Entsprechend setzt der der Ex-Skyguide-Mann, der den Flughafen vor sechs Jahren verlassen hatte und in Pension ging, den Hebel bei den Rollwegen an. «Sinn machen kann der Bau von Schnellabrollwegen und die Vermeidung von Pistenkreuzungen». Hingegen brächten Verlängerungen bezüglich der Kapazität nichts.

Ein weiteres Argument der Flughafen-Lobby für längere Pisten lautet, dass Grossraumjets wie der Airbus A340 auf der heutigen Westpiste nicht landen könnten. «Mumpitz», sagt Andreas Heiter. «Grundsätzlich kann jedes Flugzeug gemäss Herstellerspezifikationen auf Piste 28 bei einigermassen normalen Bedingungen landen. Dies bestätigen auch erfahrene Piloten.» Zudem flögen nach 18 Uhr selten schwere Flugzeuge Zürich an.

Selbst das Problem eines «Überrollens der Piste nach einem verunglückten Landemanöver» könne anders als mit hartem Beton gelöst werden. Dazu müsse lediglich der Untergrund nach dem Pistenende «so befestigt werden, dass ein Einsinken in lockere Erde verhindert» würde, sagt Heiter.

Ausbau im Norden hilft nicht weiter

Bleibt die von den Flughafenchefs geforderte Verlängerung der Piste 32. Es handelt sich um die Haupt-Landepiste während des Tages, die unter dem Staatsvertrag in den Abendstunden vermehrt für Starts Richtung Norden, vorbei an Bülach, genutzt werden soll.

Eine Verlängerung sei auch hier von fraglichem Nutzen, so Heiter. «Ob eine gegen Norden verlängerte Piste 32 vermehrt für schwere Abflüge genutzt werden kann, ist meines Erachtens nicht gesichert.» Grund dafür ist der Stadlerberg als Hindernis, der den Anflug schwerer Maschinen verhindern könnte.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz Bodenmüller am 19.07.2012 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    klar doch

    Natürlich sind Piloten und Fluglotsen gegen eine längere Ost-Piste. Schliesslich wohnen sie alle auf dem Nürensdorfer Pilotenhügel. So ganz nach dem Motto: Dem Osten die Arbeitsplätze, Schwamendingen der Fluglärm. Die gleichen Piloten verlangen dann aber ständig abends den Anflug via Süden weil ihnen die Piste zu kurz ist. Einfach nur peinlich diese Ego-Bande!

    einklappen einklappen
  • R.W. am 19.07.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Eigennutz?

    Kein Wunder, Heiter wohnt in Elgg, also in der Ost-Anflugschneise. Natürlich ist seine Meinung ganz ohne Eigennutz, er will für alle nur das Beste! Und den Fluglärm vor allem in den Süden verschieben. ;-)

  • Roberto Gloor am 19.07.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Im Zweifel für den Hub Zürch

    Also ich bin im Zweifel für die längere Piste. Geht Herr Heiter die Toten sammeln, wenn ein Flieger in die Glatt stürzt oder wenn eine durchstartende Südlandung mit einem nach Norden startenden Jet kollidiert? An alle Kritiker der Hubfunktion: Gäbe es nur Punkt-zu-Punkt Verbindungen und keine Hubs, müsste man viel mehr Flüge durchführen mit weniger Passagieren pro Flug bzw. mehr Treibstoffverbrauch pro Passagier und Flug. Und es gäbe kaum Interkontinentalflüge ab Zürich. Das ist Elementare Netzwerktheorie. Auch der Datenverkehr läuft so.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf.G. am 21.07.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Basel-Mulhouse quo vadis ?

    Für was ist eigentlich der sehr gut ausgebaute Flughafen Basel-Mulhouse denn da ?

  • Franz Bodenmüller am 19.07.2012 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    klar doch

    Natürlich sind Piloten und Fluglotsen gegen eine längere Ost-Piste. Schliesslich wohnen sie alle auf dem Nürensdorfer Pilotenhügel. So ganz nach dem Motto: Dem Osten die Arbeitsplätze, Schwamendingen der Fluglärm. Die gleichen Piloten verlangen dann aber ständig abends den Anflug via Süden weil ihnen die Piste zu kurz ist. Einfach nur peinlich diese Ego-Bande!

    • Hans Fahrni, Winterthur am 20.07.2012 06:39 Report Diesen Beitrag melden

      klar doch - Bitte mehr Fairness!

      Die sogennante "Ego-Bande" wohnt doch wohl eher im Süden. Sie haben schöne, teure Häuser, fliegen geschäftlich sehr viel, sind aber nicht bereit auch einen Teil des Fluglärms zu übernehmen. Das sind dann aber sehr viel mehr Leute als die wenigen Piloten. Bitte mehr Fairness, Herr Bodenmüller!

    einklappen einklappen
  • michi jackson am 19.07.2012 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um eine vernünftige Lösung!!

    Grundsätzlich möchte ich auch Wachstum & Erfolg für die Schweizer Wirtschaft - dafür braucht es einen leistungsfähigen Flughafen. Jedoch finde ich (Stadtzürcher) das es einfach unmöglich ist, über 2 Atomkraftwerke zu fliegen (Zudem muss sicherlich nicht der Kt. Aargau alles "schlucken", haben ja schon die Atomkraftwerke ;-)) !! Dies ist einfach fahrlässig!! Bitte verteilt doch den "Fluglärm auf den ganzen Kanton - e, dann sind alle zufrieden und niemand muss sich dann beklagen, weil alle gleichbetroffen sind!!

    • R.W. am 19.07.2012 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Verstoss gegen das Umweltgesetz

      Schon mal etwas von unserem Umweltgesetzt gehört? Es schreibt vor, dass grundsätzlich möglichst WENIGE Leute zu belärmen sind. Danach richtet sich auch der Fluglärmindex (ZFI). Und daher scheidet der Süden als Flugschneise definitiv aus! Und die AKWs wurden auch in der Vergangenheit immer überflogen, das Argument ist lediglich ein letzter Strohhalm.

    • Roberto Gloor am 19.07.2012 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      Geht nicht und macht keinen Sinn

      Wie wollen Sie Fluglärm auf alle gleichmässig verteilen? Wer genau in der Verlängerung der Pistenachse wohnt, der wird stark belärmt, wer 2 Kilometer daneben wohnt, wird kaum noch belästigt. Und die Idee macht für Kloten auch keinen Sinn, weil die Pistenachsen sehr unterschiedlich stark besiedelt sind. Man belärmt so viel mehr Anwohner als nötig. Zudem leben die Standortgemeinden der AKWs gut von deren Steuerbeiträgen.

    • Ruedi Manser am 19.07.2012 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      Variante des Flughafens ist vernünftig.

      Sorry, der Aargau soll "alles schlucken"? Es geht bei den sog. gekröpften Anflügen um ca. 5% der Landungen. Selbt nach seiner Einführung wird es nach den Unterlagen des Flughafens zahlenmässig noch mehr Südanflüge geben (ca. 7%), ganz zu schweigen von den Ostanflügen.

    • D. M. am 19.07.2012 20:25 Report Diesen Beitrag melden

      Sinken jetzt die Hauspreise?

      Nur mal so gefragt, wenn die Verlärmung rundum verteilt wird, müssten die Wohnungs- und Hauspreise eigentlich in der Region mehr oder weniger sinken.

    • R.W. am 19.07.2012 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Immer über den Kanton Zürich

      Hier wird eines vergessen: Egal woher die Flugzeuge kommen oder wohin sie gehen - den stärksten Lärm verursachen sie IMMER (in Zahlen: zu 100%) im Kanton Zürich! Über dem Aargau wird auf Grund der weiteren Distanz höher geflogen. Ebenso wie in Hohentengen, wo es nachgewiesenermassen gar keinen Fluglärm gibt. Aber unter dem Strich ist eines sicher: Dieser Staatsvertrag muss abgelehnt werden! Hoffentlich kann Filippo Leutenegger als Vorsitzender der parlamentarischen Arbeitsgruppe Flugverkehr die anderen Mitglieder und das Parlament davon überzeugen!

    • Franz Bodenmüller am 19.07.2012 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      entweder oder

      Entweder passiert bei einem Absturz auf ein AKW nichts oder die zivile Luftfahrt muss eingestellt oder alle AKW's abgestellt werden. Schon heute werden die AKW's schon ständig überflogen, einfach etwas höher. Absolutes Scheinargument!!!

    • kurt am 19.07.2012 23:00 Report Diesen Beitrag melden

      R.W.

      aehm...nein. Dies wurde vom Bundesgericht so ausgelegt und daneben haben sie noch entschieden, dass möglichst weniger Personen über dem Lärmgrenzwert zu belasten sind. Und wenn ich mir den so anschaue, dann dürfte die Stadt Zürich da locker überflogen werden.

    einklappen einklappen
  • R.W. am 19.07.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Eigennutz?

    Kein Wunder, Heiter wohnt in Elgg, also in der Ost-Anflugschneise. Natürlich ist seine Meinung ganz ohne Eigennutz, er will für alle nur das Beste! Und den Fluglärm vor allem in den Süden verschieben. ;-)

  • Scherrer Bruno am 19.07.2012 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Luftfahrt abzuzocken

    Die Flugzeughersteller und Fluggesellschaften haben in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen um den Lärm zu mindern. Der "Lärmteppich" ist denn auch sehr viel kleiner geworden. Alzuviele reden jetzt noch von Fluglärm obwohl aufgrund von allzulauten Musikanlagen, Haushaltmaschinen, Starssen- und Eisenbahnlärm ein Flugzeug gar nicht mehr wahrgenommen wird. - Es ist offenbar am einfachsten die Luftfahrt abzuzocken.