Luftfahrt-Salon in Paris

20. Juni 2011 15:05; Akt: 21.06.2011 09:30 Print

Giganten fliegen mit schweren Geschützen ein

Die Flugzeugbauer erwarten an der grössten Luftfahrtmesse eine Auftragsflut. Pannen haben Airbus aber den Auftakt gründlich vermasselt. Der Star des Salons ist erstaunlicherweise ein Schweizer Flugzeug.

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Der A320neo verbraucht dank eines neuen Motors und veränderter Flügelspitzen 15 Prozent weniger Treibstoff als Konkurrenzmodelle. Mit dem Comac C919 wollen die Chinesen das Duopol von Boeing und Airbus knacken. In Paris hat Comac erstmals in Europa ein «lebensgrosses »Modell des Flugzeugs präsentiert. Die Chinesen wollen mittelfristig einen zweistelligen Marktanteil im Bereich der über 100-200-plätzigen Flugzeuge erreichen. Ganz ohne westliche Hilfe kommt der China-Jet nicht in die Luft: Sowohl die Cockpitinstrumente wie auch die Triebwerke stammen aus amerikanisch-französischer Produktion. Die neu motorisierte Airbus A320-Neo-Familie verkauft sich in Paris wie warme Weggli. Alleine Air Asia will in Le Bourget 200 Maschinen dieses Typs bestellen. Über 150 Maschinen stehen auf dem Flughafen Paris-Le Bourget. Ein Superjumbo der Korean Airlines auf einem Vorführungsflug. Der russische Sukhoi-Superjet ist die erste Neuentwicklung aus Russland seit Jahren. Der superschnelle Eurocopter X3 mit Stummelflügeln und Seitenpropeller ist ein Prototyp und soll 50 Prozent flotter unterwegs sein als herkömmliche Rotormaschinen. Die EADS-Tochter Eurocopter zeigt das X3-Modell auch im Flug auf der Luftfahrtausstellung. Das ist die neue Passagierversion von Boeings 747. Die Lufthansa ist einer der Erstkunden des Fliegers, der als Ladenhüter gilt. Boeing hofft inständig auf einen Erfolg in Asien. Dafür wurde extra die Werkslackierung von Blau-Weiss auf die in Fernost beliebte Kombination Weiss-Rot-Orange geändert. Mit über drei Jahren Verspätung will Boeing dieses Jahr endlich die erste 787 an die japanische All Nippon Airways ausliefern. Der Airbus A400M hatte sein internationales Debüt zwar schon auf den Luftfahrtausstellungen 2010 in Berlin und Farnborough, kommt aber jetzt erstmals auch nach Paris. Bis Jahresende hofft Airbus, dass die Zulassungsverfahren abgeschlossen sind. Beim Einparken streifte ein A380 mit den Flügelspitzen einen Hangar. Dieses Flugzeug kann deshalb keine Showflüge zeigen. Strömender Regen trübte den Auftakt zur grössten Luftfahrtmesse des Jahres. Nicolas Sarkozy eröffnete den Salon höchstpersönlich. Mit dem Dreamliner (oben) und der Boeing 747-8I kämpft Boeing gegen die Langstreckenflugzeuge von Airbus. Der Traum vom sauberen Fliegen? Die EADS-Konzeptstudie VoltAir kommt ausschliesslich durch Elektroantrieb voran.

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2100 Aussteller, 150 Fluggeräte, hunderttausende Besucher: Die alle zwei Jahre stattfindende Luftfahrtmesse in Paris le Bourget ist das wichtigste Stelldichein der Branche. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat am Montagmorgen die Messe bei strömenden Regen höchstpersönlich eröffnet.

Peinliche Airbus-Panne

Ausgerechnet beim Heimspiel in Frankreich hat Airbus noch vor Anpfiff einen Rückschlag erlitten: Ein Superjumbo A380 streifte am Sonntag beim Einparkieren mit dem Flügel ein Gebäude (siehe Bildstrecke). Nun muss ein A380 der Korean Airlines einspringen und die Showflüge durchführen. Ebenfalls am Boden bleiben muss der neue Airbus-Militärtransporter A400M. Wegen eines Getriebeproblems darf die Maschine keine Flugvorführungen zeigen.

Trotz der Pannenserie erwartet der europäische Flugzeughersteller ein regelrechtes Auftragsfeuerwerk: So soll alleine der asiatische Billigflieger Air Asia 200 Stück des neu motorisierten A320Neo ordern. Damit würde die Airbus-Flotte von Air Asia bis 2020 auf bis zu 520 (!) A320 anwachsen. Zwei Airlines, die indische Go Air und die philippinische Cebu Pacific, mochten den Beginn des Salons gar nicht erst abwarten und kündigten vergangene Woche 102 Flugzeugbestellungen an. Die Leasingfirma GECAS bestellte am Montag 60 A320Neo. «Der Airbus A320Neo hat sich innert wenigen Monaten zum Kassenschlager entwickelt», freut sich Airbus-Direktor Fabrice Brégier.

Amerikaner unter Zugzwang

Boeing steht wegen des Grosserfolgs des A320Neo arg unter Zugzwang: Der amerikanische Flugzeugbauer will bis Ende Jahr entscheiden, ob er seinen Goldesel, die altehrwürdige Boeing 737, mit neuen Triebwerken ausrüstet oder ein komplett neues Nachfolgemodell entwickelt. «Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen», sagt Jim Albaugh von Boeing. Die Amerikaner rühren in Frankreich kräftig die Werbetrommel und fliegen in Le Bourget mit schweren Geschützen ein. Erstmals landet der vergrösserte Jumbo-Jet und A380-Rivale Boeing 747-8I auf europäischem Boden. Zudem stattet die neue Langstreckenmaschine Boeing 787 Dreamliner am Dienstag Paris einen Besuch ab.

Kurz vor Salonauftakt veröffentlichte der Flugzeugbauer aus Seattle zudem seine neuesten Marktprognosen: Bis 2030 sollten 33 500 zivile Flugzeuge verkauft werden – für einen Wert von 4000 Milliarden Dollar. Der Bestand der Flugzeuge würde sich damit gegenüber heute weltweit verdoppeln. Erstmals wird auch die chinesische Luftfahrtindustrie in Le Bourget vertreten sein. Sie greift ebenso wie Brasilianer, Kanadier und Russen mit Neuentwicklungen die globale Vorherrschaft der Rivalen Airbus und Boeing an.


(Quelle: YouTube/Euronews)

Solar Impulse als Star des Salons

Betrand Piccard und die Crew des Solarfliegers setzen sich dafür ein, dass die tausenden zusätzlichen Maschinen möglichst umweltschonend um die Welt jetten. Solar Impulse ist der Star an der Luftfahrtmesse. Alle Objektive richten sich auf das Experimentalflugzeug. Vorerst bleibt es aber am Boden: «Wegen des starken Regens mussten wir am Montag unseren Showflug streichen», so Piccard.


(Quelle: YouTube/Solar Impulse)

(am)

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