Wettrennen um die Welt

12. Januar 2012 16:09; Akt: 12.01.2012 16:21 Print

Die Flugmeilen-Junkies

von Adrian Müller - Sie sammeln Vielflieger-Meilen wie andere Cumulus-Punkte, fahren mit dem Porsche bis zum Jet und verbringen 9 von 14 Ferientagen in der First Class. Ein Mitglied des exklusiven Zirkels packt aus.

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Es sind die Könige der Lüfte: Schätzungsweise 2000 bis 4000 Passagiere gehören dem HON-Circle von Swiss, Lufthansa, Austrian und Lot an, dem exklusivsten Club der Vielflieger. Dazu gehören etwa Unternehmensberater von McKinsey, die mehr Zeit in der Luft als am Boden verbringen, Ingenieure, Promis ... und Leute wie du und ich, die das Meilensammeln zu ihrer Passion gemacht haben.

Einer davon ist der 52-jährige Wolfgang Riegert. Manchmal sitzt er nächtelang vor dem Laptop und durchforscht das Web. Sein Ziel: Besonders günstige Flüge mit maximaler Meilenausbeute zu finden. Kürzlich etwa flog er laut «Spiegel», «wie es sich für einen richtigen Meilensammler gehört», von New York über Miami und Zürich zurück nach Stuttgart.

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Die verrückteste Route des Lebens

«Früher trat ich Flüge extra im Ausland an, um zusätzliche Meilen zu sammeln. Direktflüge sind meilentechnisch ungünstig. Denn je mehr Umwege man einbaut, desto mehr Meilen gibt es», sagt der Projektleiter bei vornesitzen.de.

Als seine verrückteste Reiseroute bezeichnet er gegenüber 20 Minuten Online einen Trip von Bangkok nach Cancun: «Wir flogen – selbstverständlich in der First Class – von Bangkok über Hongkong nach Singapur. Dann via Seoul nach Los Angeles und von dort über Phoenix nach Cancun. Zurück ging es via Tokio.» 9 von 14 Reisetagen sei er mit seinem Vielflieger-Kollegen im Flugzeug gesessen – und habe für all die Flüge 90 000 Meilen «verdient», aber nur 3200 Euro bezahlt - ein Bruchteil des eigentlichen Ticketpreises.

Nicht zuletzt dank solchen Marathon-Trips hat er im HON-Zirkel Anschluss gefunden, wo 600 000 Meilen in zwei Jahren Aufnahmebedingung sind – das entspricht etwa 20 Retourflügen Zürich-San Francisco in der Business Class. «Am meisten schätze ich daran, dass man als HON etwa in Asien vielerorts schneller durch die Passkontrolle kommt», so Riegert.

Mit dem Porsche zur Flugzeugtüre

Daneben zeichnet sich der HON-Service durch eine persönliche Begrüssung im Flugzeug, spezielle Lounges sowie einen Limousinen-Fahrdienst aus. «Es macht Spass, im Porsche zum Flugzeug chauffiert zu werden», verrät der Projektleiter aus Kempten. Seine Lieblingsairline ist die Swiss, vor allem wegen der aufgemöbelten Business Class. «Auf den neuen Sitzen schläft man viel besser. Zudem kümmern sich die Stewardessen immer persönlich um mich.»

Ab und zu bringt aber eine HON-Karte auch immaterielle Vorteile: Es kann schon vorkommen, dass ein Flugzeug extra auf ein verspätetes HON-Member wartet. Falls das Flugzeug trotzdem wegfliegt, können sich die Passagiere in den Luxus-Lounges die Zeit vertreiben. Nichts lieber als das: «Ich kenne Leute, die bereits frühmorgens in die Lounge kommen, obwohl ihr Flug erst am Abend geht», so Riegert. Zwischen Rindsfilet und Nackenmassage trifft er immer wieder auf alte Bekannte und plant mit ihnen den nächsten Trip: «Da sind schon die verrücktesten Ideen entstanden».

Die Jagd nach dem grössten Meilen-Konto treibt bei den Vielfliegern manchmal seltsame Blüten: «Das Meilensammeln kann in der Tat zu einer Sucht werden. Es gibt Kunden, die mehrere Millionen Meilen auf ihrem Konto haben»

Meilen sammeln als Suchtfaktor

Meilen-Junkies hin oder her: Die Anziehungskraft des HON-Circles ist ungebrochen. In der Schweiz sind eine Million Swiss-Kunden Mitglied bei dem Vielfliegerprogramm. Wie viele Schweizer zu dem erlesenen HON-Zirkel gehören, gibt die Airline auf Anfrage von 20 Minuten Online nicht bekannt.

Für Normalsterbliche bleibt der Zugang trotz Meilen-Tricks sehr schwer. «Es ist sicher nicht das billigste Hobby», gibt Riegert unumwunden zu. Und auch nicht das umweltfreundlichste: Pro Kopf verursachen Reisende in der Business und First Class einen massiv höheren CO2-Austoss als Economy-Passagiere. Dies kümmert die Flugmeilen-Jäger kaum. Auf Vielflieger-Foren gibt es haufenweise Tipps, wie man besonders rasch und günstig einen HON-Status erlangt.

Einige treiben es aber mit dem Drang nach HON-Status zu bunt: In einem Vielflieger-Forum meinte etwa ein Passagier: «Da ich mich für den Erwerb der HON-Karte stark verschuldet habe, kann ich mir derzeit leider keine Flugtickets leisten. Und so wie es aussieht, kann man die meisten HON-Vorteile nur nutzen, wenn man auch oft fliegt. Schon irgendwie blöd, finde ich, denn mich interessieren vor allem das Essen und die Bar.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nancy am 13.01.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Senator Status

    Ich habe die Senator Karte und weil meine Firma mir nur Eco bezahlt ist diese Karte GOLD Wert! Die Lounges, First Class Check In, die Exit-Row Sitzplätze, manchmal (1-2x im Jahr) auch ein Upgrade (Europa) etc. Wenn man Vielflieger ist, dann ist das wirklich suuuper :-) Da kann mir einer sagen was er will, so ist es!

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  • Flying Chlaus am 13.01.2012 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Sache diese Status-Privilegien

    Für Leute, die geschäftlich sehr oft mit dem Flugzeug unterwegs sind, sind solche Status-Privilegien schon eine gute Sache. Ich mag es jedem gönnen, der in den Genuss solcher Annehmlichkeiten während der Reise kommt. Ok, ich würde nie 9 meiner 11 Ferientage im Flugzeug verbringen, aber jeder hat seine eigenen Vorlieben. Meine Freundin und ich freuen uns jedes mal, wenn wir die Möglichkeit haben in Business-Klasse in die Ferien zu fliegen, denn so wird bereits der Flug zu einem Erlebnis.

  • Meilensammler am 12.01.2012 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Erholung beim Umsteigen!

    Ich bin Silberkartenbesitzer bei der Swiss und werde dieses Jahr alles tun was möglich ist für die Goldene. Dies nicht weil ich Geil bin auf die Meilen ansich, sondern auf die Vorteile. Als Montag bis Freitag Geschäftsreisender ausschliesslich in der Economy Class ist grad beim Umsteigen etc. sehr angenehm wenn man in einer Lounge Erholung findet. Natürlich schätze ich auch das Business Check in und das zusätzliche Gepäckstück.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Flying Chlaus am 13.01.2012 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Sache diese Status-Privilegien

    Für Leute, die geschäftlich sehr oft mit dem Flugzeug unterwegs sind, sind solche Status-Privilegien schon eine gute Sache. Ich mag es jedem gönnen, der in den Genuss solcher Annehmlichkeiten während der Reise kommt. Ok, ich würde nie 9 meiner 11 Ferientage im Flugzeug verbringen, aber jeder hat seine eigenen Vorlieben. Meine Freundin und ich freuen uns jedes mal, wenn wir die Möglichkeit haben in Business-Klasse in die Ferien zu fliegen, denn so wird bereits der Flug zu einem Erlebnis.

  • Julian am 13.01.2012 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    solche vielflieger, die die Umwelt nur aus Spass und total unnötig belast, sollte man nicht noch zusätzlich beschenken, sondern sie in Schranken weisen!

  • Dayu am 13.01.2012 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    UMSATZ

    Ich habe mir gestern nochmal Gedanken drüber gemacht und eine Freundin gefragt, die beim Flughafen arbeitet. Sie sagte mir folgendes: «Diese Leute werden nicht gerne gesehen. Sie führen sich auf, als wären sie etwas besseres. Dabei macht die Fluggesellschaft mit solchen Leuten keinen grossen Umsatz. Das ist wie jemand, der ein Freiticket fürs Kino hat. Der wird auch nicht gerne gesehen.»

    • Avi Ator am 13.01.2012 16:49 Report Diesen Beitrag melden

      Kein grosser Umsatz?

      Nur stimmt es leider nicht: Jemand, der sich den HON Circle Status erfliegt, legt pro Jahr so gegen 120'000 bis 150'000 CHF für Flüge aus. Die Fluggesellschaft macht sehr wohl grossen Umsatz mit diesen Kunden, darum werden sie auch privilegiert behandelt. Die im Artikel beschriebenen Spezies sind durchaus ein bisschen speziell. Aber die meisten HONs sind Leute, die einfach viel unterwegs sind und die höheren Buchungsklassen benutzen. Sie schauen nicht darauf, möglichst viele Umsteigeverbindungen zu buchen etc. Die meisten HONs haben ihren Status, weil sie schlicht viel unterwegs sein müssen.

    • HON Circle Member am 13.01.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

      Angestellte fuehren sich teilweise auf !

      Das hat was Wahres. Vor allem am Flughafen Zuerich wird man als HON nicht immer gerne gesehen. Die Angestellten fuehren sich teilweise unmoeglich auf. Und vergessen dabei ganz wer ihren Lohn bezahlt!

    • Artus am 13.01.2012 22:04 Report Diesen Beitrag melden

      Reisende führen sich teilweise auf...!!

      Ich denke mal Dayu hat vollkommen Recht. Ich gehöre zwar nicht zu diesem, sich selbst wohl als "erlauchten" Kreis findenden Leuten, aber die Bemerkungen von Hon Circle Member sprechen für sich! Da gibt's wirklich nichts mehr zu sagen!! Und wie man in den Wald ruft....oder hier sich wohl ab und zu nur einfach arrogant aufführt, muss man halt mit solchen Reaktionen rechnen, das ist menschlich!! Das neureiche "Gehabe" ist halt nicht beliebt...

    • Kalku Lator am 13.01.2012 23:45 Report Diesen Beitrag melden

      @ Avi Ator

      Lies den Bericht nochmal durch (4. Absatz) und rechne mal! Für 90'000 Meilen zahlte der Herr ca. 3'200 EURO! Mit 600'000 Meilen in 2 Jahren zählst du zu dem gloreichen HON-Circle! Wenn ich das ausrechne komme ich auf einen Umsatz von etwas weniger als 11'000 EURO pro Jahr und nicht mal annähernd 100'000 EURO geschweige denn 150'000! Adam Riese war ein kluger Mann Wenn ich das auf den Tag runter rechne, komme ich auf läppische 29 EURO pro Tag. Damit fährt man nicht mal von SG nach ZH (1. Klasse) mit dem Zug. Und du sagst die machen Umsatz! Das ich nicht lache!!!

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  • Besserwisser am 13.01.2012 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wer's braucht

    Darum geht der Flug nicht schneller, oder die Strecke wird nicht kürzer. Naja ich fliege zum Glück nicht viel, da mir Autofahren viel mehr Spass macht! *Wroamm* ;-)) Jedem das seine ...

  • F. Meier am 13.01.2012 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Idee

    Ich hätte einen Alternativvorschlag: Ich spare mir das viele Geld, fliege Eco oder gar nicht (wenn ich nur als Hobby Meilen sammle und fliege) und leiste mir dafür meinen eigenen Porsche und fahre x mal pro Jahr in ein schönes Spa in den schönsten Hotels, mit individuell gebuchten Massagen oder Sauna/Pool am eigenen Zimmer. Und ich bestimme sogar selber den "Abflug". Das ist doch viel komfortabler und noch stressfreier.