Folgen der Staatsverschuldung

15. Juni 2011 23:05; Akt: 15.06.2011 23:05 Print

Rosskur – Griechenland muss untendurch

von Harald Schultz, AP - Scharfe Sparmassnahmen für Griechenland: Ab sofort sind im öffentlichen Dienst zehn Abgänge erforderlich für eine Neueinstellung, die wöchentliche Arbeitszeit wird erhöht.

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«Wir besitzen nichts, wir zahlen nichts», heisst es auf diesem Transparent in Athen. (Bild: Keystone)

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Auf die Griechen wartet eine weitere Rosskur als Gegenleistung für das neuerliche Hilfspaket. Das geht aus dem Bericht der Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank hervor, der der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. Hier ein kleiner Auszug der Massnahmen für die Jahre 2011 bis 2015:

Im öffentlichen Dienst sollen Löhne und Gehälter um 800 Millionen Euro im laufenden Jahr gekürzt werden, um weitere 660 Millionen 2012 und um weitere abnehmende Beträge bis 2015. Dies soll erreicht werden durch einen beschleunigten Arbeitsplatzabbau. Bisher schon wurde für fünf Abgänge nur eine Neueinstellung genehmigt. Ab sofort sind zehn Abgänge erforderlich für eine Neueinstellung. Die wöchentliche Arbeitszeit wird erhöht von 37,5 auf 40 Stunden. Die Überstundenvergütungen werden gesenkt. Die Zahl der vergüteten Ausschüsse und Beiräte wird verringert.

Auch die sonstigen zusätzlichen Vergütungen, Zulagen und Boni werden gekürzt. Die Zahl der Vertragskräfte wird um 50 Prozent im Jahre 2011 gekürzt und um weitere 10 Prozent 2012. Mitarbeiter, deren Stelle wegfallen kann, werden in einen Stellenpool versetzt und bekommen dort nur durchschnittlich 60 Prozent ihres Grundlohns. Der Bewährungsaufstieg wird zeitweilig ausgesetzt. Teilzeitarbeit und unbezahlter Urlaub werden eingeführt. Der Produktivitätszuschlag wird um 50 Prozent gekürzt.

Schulen zusammenlegen

Die Subventionen und Transferzahlungen an andere Körperschaften werden um 500 Millionen Euro in diesem Jahr und weitere Millionen-Beträge bis 2015 gekürzt. Dies soll erreicht werden durch eine Überprüfung der Aufgaben, der Wirtschaftlichkeit und der Aufwendungen der subventionierten Körperschaften. Schulen und Hochschulen sollen abgewickelt und zusammengelegt werden, ihre Subventionen verringert werden.

Gesundheitswesen abspecken

Die Aufwendungen im Gesundheitswesen werden um 310 Millionen im laufenden Jahr und weitere Beträge bis 2015 gekürzt. Dies soll erreicht werden durch einen «Gesundheitsplan», der die Krankenhauskosten senken soll, eine Senkung der durchschnittlichen Kosten pro Fall und eine Verringerung der Dienstleistungen für Nichtversicherte.

Bei Dienstleistungen für ausländische Bürger sollen diese Gebühren zahlen. Für Raucherbereiche soll eine Sonderabgabe erhoben werden. Die Liste der nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel wird erweitert. Die Preise für Medikamente werden gesenkt.

Grundrenten einfrieren

Andere Sozialleistungen sollen um 833 Millione Euro in diesem Jahr gesenkt werden, im kommenden Jahr um 1,128 Milliarden, um weitere 1,025 Milliarden 2013 und sinkende Beträge danach. Die Grundrenten werden eingefroren. Die zusätzlichen Altersversorgungssysteme werden angepasst und eingefroren. Das System der Berufsunfähigkeitsrenten wird reformiert.

Die Einmal-Zahlungen beim Renteneintritt werden gekürzt. Die Rentner werden gezählt und mit den personenbezogenen Daten abgeglichen. Eine Sozialversicherungsnummer wird eingeführt. Der Sonderrentenbeitrag für jene Rentner, deren Rente über 1700 Euro liegt, wird erhöht. Der Sondersozialbeitrag wird ebenfalls erhöht für jene Rentner, die über 1700 Euro erhalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mika am 16.06.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    krass

    so wird GR nie mehr auf die beine kommen. das wird noch böse enden.

  • Peschä am 16.06.2011 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Griechen, wehrt euch!

    Was sind denn das noch für Zukunftsperspektiven für die jungen Griechen? Nur eine Neueinstellung pro 10 Entlassungen. Treffen wird das vor allem die Jugend. Gespart werden muss sicher, aber man muss gut aufpassen, dass es nicht die falschen trifft. Abgesehen davon sind auch andere EU-Länder mitschuldig am Debakel in Griechenland, weil diese einer Aufnahme von GR in die Eurozone zugestimmt haben, obwohl von Anfang an klar war, dass GR wirtschaftlich nicht mit Ländern wie DE mithalten kann. Früher hätte man die Situation nämlich durch eine Abwertung der Drachme entschärfen können.

  • Hans Hager am 16.06.2011 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Umschulden, raus aus dem Euro

    Auch das hilft nichts, im Gegenteil bringt noch mehr Arbeitslose. Mann kann nicht Schulden mit noch mehr Schulden tilgen, geht nicht. Steuererhöhungen auf dem Buckel der Bevölkerung entzieht die Kaufkraft und schürt den Unmut bis zum Kampf. Aber eigentlich weiss das ja jeder nur die schlauen Politiker offenbar nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mika am 16.06.2011 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    krass

    so wird GR nie mehr auf die beine kommen. das wird noch böse enden.

  • der liebe Grieche am 16.06.2011 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Griechen haben keine Schulden

    Also liebe Leute auf dem Transparent heisst es "wir schulden nichts, wir zahlen nichts". Die wiedergebe mit «Wir besitzen nichts, wir zahlen nichts» ist irreführend. Die Griechen spalten sich von der Politischen Klasse ab weil sie der Meinung sind die Politiker haben die Schulden gemacht nun sollen Sie auch selber dafür gerade stehen. Ja ja wer wählt die Politiker... Ist ja bei uns auch nicht anders.

  • Hans Hager am 16.06.2011 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Umschulden, raus aus dem Euro

    Auch das hilft nichts, im Gegenteil bringt noch mehr Arbeitslose. Mann kann nicht Schulden mit noch mehr Schulden tilgen, geht nicht. Steuererhöhungen auf dem Buckel der Bevölkerung entzieht die Kaufkraft und schürt den Unmut bis zum Kampf. Aber eigentlich weiss das ja jeder nur die schlauen Politiker offenbar nicht.

  • Peschä am 16.06.2011 00:32 Report Diesen Beitrag melden

    Griechen, wehrt euch!

    Was sind denn das noch für Zukunftsperspektiven für die jungen Griechen? Nur eine Neueinstellung pro 10 Entlassungen. Treffen wird das vor allem die Jugend. Gespart werden muss sicher, aber man muss gut aufpassen, dass es nicht die falschen trifft. Abgesehen davon sind auch andere EU-Länder mitschuldig am Debakel in Griechenland, weil diese einer Aufnahme von GR in die Eurozone zugestimmt haben, obwohl von Anfang an klar war, dass GR wirtschaftlich nicht mit Ländern wie DE mithalten kann. Früher hätte man die Situation nämlich durch eine Abwertung der Drachme entschärfen können.

  • globe am 16.06.2011 00:13 Report Diesen Beitrag melden

    Will das auch...

    yeah, 37.5h Woche! Da könnte ich mich spätestens Mittwochmittag gemütlich ins Wochenende verabschieden:D