Fünf vor zwölf

21. Juni 2011 20:56; Akt: 21.06.2011 20:57 Print

Die Griechen sind alles andere als einig

Griechenland steht vor dem Abgrund. Parteien, Gewerkschaften, Unternehmer und die Bürger haben aber unterschiedliche Ansichten darüber, wie es weitergehen soll.

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Die Bürger sind empört, sie wollen weniger verdienen und gleichzeitig mehr Steuern zahlen.

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Die Griechen sind dringend auf Hilfen angewiesen. Fliesst nicht bald Geld nach Athen, ist das Land Mitte Juli pleite. Die Not schweisst aber das Land nicht zusammen - im Gegenteil. Die wichtigsten Kräfte sind sich uneinig darüber, wie Griechenland gerettet werden soll. Eine Übersicht.

- PASOK: Die regierende Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) vertritt die Ansicht: Das Stabilisierungs- und Sparprogramm muss in die Tat umgesetzt werden, so schmerzhaft es auch sein mag. Auch Reformen sind dringend nötig. «Entweder ändern wir uns oder wir gehen unter», sagt Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Er distanziert sich auch von der Politik seiner eigenen Partei der vergangenen Jahrzehnte. Auch die Sozialisten hatten das Spiel des Klientelsystems gespielt und Zehntausende Parteimitglieder und Plakatkleber mit Posten beim defizitären Staat versorgt.

- Opposition: Die grösste Oppositionspartei, die Nea Dimokratia (ND), setzt sich zwar auch für die Verschlankung des Staates und Privatisierungen ein. Parteichef Antonis Samaras kritisiert aber die harten Sparmassnahmen der Regierung, die die Wirtschaft «abgewürgt» hätten. Wegen der Kürzungen und der Rezession sänken die Steuereinnahmen. Das lasse die Defizite wachsen. «Das Medikament ist schlimmer als die Krankheit», sagt Samaras. Ihm und Papandreou wirft ein Teil der griechischen Presse vor, sich nicht auf eine grosse Koalition zu einigen, um das Land gemeinsam aus der Krise zu führen.

- Gewerkschaften: Die Gewerkschaften der privilegierten Unternehmen des öffentlichen Sektors bremsen alle Reformen. Sie wollen alle sozialen Errungenschaften verteidigen. Die Gewerkschaft der Elektrizitätsgesellschaft (DEI) streikt deswegen seit Montag. Immer wieder kommt es zu Stromunterbrechungen. In den Medien wird den Gewerkschaften deswegen teilweise vorgehalten, sie wollten, dass die anderen Griechen für sie zahlten.

- Unternehmerverbände: Sie plädieren für einen «Marshallplan» für Griechenland nach dem Muster der Hilfe der USA für Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Investitionen und die Infrastruktur sollen mit Geld der EU in Griechenland gefördert werden. Die Investitionen sollen aber von der EU überwacht und überprüft werden, damit die Mittel nicht in einem «schwarzen Loch» des unorganisierten Staates verschwinden.

- Bürger: Die einfachen Bürger sind empört und verunsichert. Sie sehen, dass die Finanzmittel, die aus der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Griechenland fliessen, fast ausschliesslich zur Bedienung der Altschulden dienen. Eine Verbesserung der Lage oder auch nur der Aussichten können sie nicht erkennen. Der Eindruck ist: Der Bürger verdient weniger und soll gleichzeitig mehr Steuern zahlen. Die Menschen werfen dem überdimensionalen Staatsapparat und den Politikern vor, unfähig zu sein, die Steuerhinterziehung der Reichen und die Schattenwirtschaft zu erfassen. Den Preis der Krise zahlten die ehrlichen kleinen Leute, die nicht dafür verantwortlich seien.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Andres am 21.06.2011 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bürger???

    Das mit den Bürgern stimmt doch überhaupt nicht. Die Unzufriedenen auf der Strasse wollen alle das selbe. Die Regierung soll weg, das Parlament soll weg und es soll eine richtige Demokratie erstellt werden. Die Spanier sind für den selben Zweck auf der Strasse, es wird nur nicht mehr von den Medien erfasst. Die Politik arbeitet nicht für das Volk sondern für die Wirtschaft, welche auch die grösste Geldgeberin der Politiker ist. Öffnet eure Augen und informiert euch von verschiedenen Seiten. Die Massenmedien erzeugen ein einseitiges Bild.

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  • DänuD am 21.06.2011 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    schön wenns aufgeht..

    In der selben Art und Weise haben sich Konzerne und Banken ganz Afrika unter den Nagel gerissen. Nun gehts halt weiter hoch Richtung Europa. Ich freu mich auf den MC Tatsiki mit original Joghurt aus Österreich, Gurken aus Nord- Deutschland und Oliven Oil aus Italien. Das ganze einmal nach Spanien gekart zwecks Gütesiegel und zurück nach Polen in die Filiale. Paralell werden wenigstens sämtlichen einheimischen KMUs in Griechenland neue Arbeiter zur Vergügung stellen, damit man auch richtig schöne Firmen erbauen kann und ein neues Billiglohnland entsteht. Ach das schöne alte Spiel...

  • sklave am 21.06.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    kapitalismus

    traurig das wir zu sklaven des systems geworden sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • R. Andres am 21.06.2011 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bürger???

    Das mit den Bürgern stimmt doch überhaupt nicht. Die Unzufriedenen auf der Strasse wollen alle das selbe. Die Regierung soll weg, das Parlament soll weg und es soll eine richtige Demokratie erstellt werden. Die Spanier sind für den selben Zweck auf der Strasse, es wird nur nicht mehr von den Medien erfasst. Die Politik arbeitet nicht für das Volk sondern für die Wirtschaft, welche auch die grösste Geldgeberin der Politiker ist. Öffnet eure Augen und informiert euch von verschiedenen Seiten. Die Massenmedien erzeugen ein einseitiges Bild.

    • laura keller am 21.06.2011 23:18 Report Diesen Beitrag melden

      dito.

      dito.

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  • sklave am 21.06.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    kapitalismus

    traurig das wir zu sklaven des systems geworden sind.

    • rolf keller am 21.06.2011 23:18 Report Diesen Beitrag melden

      so ist es

      schade, dass es die meisten erst jetzt realisieren. aber immerhin.

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  • DänuD am 21.06.2011 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    schön wenns aufgeht..

    In der selben Art und Weise haben sich Konzerne und Banken ganz Afrika unter den Nagel gerissen. Nun gehts halt weiter hoch Richtung Europa. Ich freu mich auf den MC Tatsiki mit original Joghurt aus Österreich, Gurken aus Nord- Deutschland und Oliven Oil aus Italien. Das ganze einmal nach Spanien gekart zwecks Gütesiegel und zurück nach Polen in die Filiale. Paralell werden wenigstens sämtlichen einheimischen KMUs in Griechenland neue Arbeiter zur Vergügung stellen, damit man auch richtig schöne Firmen erbauen kann und ein neues Billiglohnland entsteht. Ach das schöne alte Spiel...