Schuldenkrise

21. Juni 2011 13:25; Akt: 21.06.2011 13:54 Print

Die Nacht der Wahrheit in Athen

Die neue griechische Regierung muss die erste wichtige Hürde nehmen, damit Griechenland nicht bankrott geht: Um Mitternacht wird eine Abstimmung zur Vertrauensfrage stattfinden.

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Die Augen in den Euroländern sind in der Nacht auf Mittwoch auf das Regierungsgebäude in Athen gerichtet. (Bild: Keystone)

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Nach dreitägiger Debatte ist es soweit. Das griechische Parlament muss der Regierung ihr Vertrauen aussprechen. Dies hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou nach der Bildung seiner neuen Regierung am Sonntag beantragt. Das Ergebnis der Vertrauensfrage wird für den frühen Mittwochmorgen erwartet.

Sollte der Regierungschef scheitern, wäre das Land kaum noch vor einer Pleite zu retten. Papandreou hatte angesichts der wachsenden Proteste gegen den Sparkurs vergangene Woche das Kabinett umgebildet.

Milliardenhilfe

Wenn er vom Parlament das Vertrauen ausgesprochen bekommt, muss der Regierungschef nächste Woche eine weitere Abstimmung überstehen, um die neuen Einsparungen durchzusetzen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Euro-Finanzminister die dringend benötigten 12 Milliarden Euro freigeben, mit denen Griechenland bis Mitte Juli seine Schulden bedienen muss.

Der Betrag ist die nächste Tranche aus dem ersten Rettungspaket im Gesamtvolumen von 110 Milliarden Euro. Dies reicht allerdings bei weitem nicht aus, um die Griechenland-Krise zu bewältigen, weshalb EU und IWF bereits an einem zweiten Rettungspaket arbeiten, für das dem Vernehmen nach bis zu 120 Milliarden Euro benötigt werden.

Knappe Mehrheit

Vor allem Deutschland dringt dabei auf eine Beteiligung privater Investoren. Die Euro-Finanzminister haben sich darauf verständigt, dass dieser Beitrag freiwillig sein muss, damit es nicht zu einem sogenannten Kreditereignis kommt.

Papandreous Sozialisten haben eine knappe Mehrheit von 155 der 300 Abgeordneten im Parlament in Athen. Billigt das Parlament das neue 78 Milliarden Euro schwere Sparprogramm nicht, steht Griechenland am Abgrund. Das Land hat Geld nur noch bis Mitte Juli.

Proteste

Die Bewegung der «Empörten Bürger» wollte heute Nachmittag aus Protest gegen das Sparprogramm alle Zufahrtswege zum Parlament blockieren. Die Polizei zog starke Einheiten im Zentrum zusammen, wie Augenzeugen berichteten.

Die Bewegung organisiert sich hauptsächlich über das Internet. Tausende Menschen demonstrieren seit fast einem Monat jeden Abend vor dem Parlament. Sie fordern, dass alle Politiker abtreten. Ein Vorschlag, wie es nach einem Abgang der Politiker weiter gehen soll, liegt seitens dieser Bewegung noch nicht vor.

Unter den Zehntausenden Demonstranten, die sehr friedlich sind, bewegen sich in den letzten Tagen zunehmend gefährliche Extremisten. Darunter sind Neonazis und gewaltbereite Autonome.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marco stampfli am 22.06.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bankrott

    Griechenland ist schon bankrott. Die wären doof, wenn sie das aufgeträngte Geld von der EU ablehnen würden. Jeder, auch der Präsident, weiss, dass Griechenland diese Gelder nie zurückzahlen kann und will.

  • Marc am 21.06.2011 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Konkurs gehen ist einzige Lösung.

    Griechenland muss Konkurs gehen, da die Last niemals wieder zurückbezahlt werden kann und nur noch schlimmer wird. Hauptproblem ist, dass die Last durch den Zinseszins weiter ansteigt und das immer schneller.

  • Peter Murbach am 21.06.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Auf zum munteren Bankrott-Spiel!

    Für die Oposition ist die Sache sehr einfach: Die notwendigen (die Not wendenden) Sparmassnahmen werden abgelehnt. Griechenland steht dann vor dem Staatsbankrott, der im Juli einzutreten droht. Die EU -und allen voran Frankreich, dessen Banken Hauptgläubiger Griechenlands sind- können sich einen finanziellen Zusammenbruch Griechenlands schlicht nicht leisten. Also lenkt die EU in letzter Minute auch ohne zugesagte Sparmassnahmen ein und zahlt. Dann wissen alle anderen Schuldnerländer, wie der Hase läuft und das muntere Bankrott-Spiel kan weiter gehen: Irland, Portugal, Spanien, Belgien, Italie

Die neusten Leser-Kommentare

  • marco stampfli am 22.06.2011 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Bankrott

    Griechenland ist schon bankrott. Die wären doof, wenn sie das aufgeträngte Geld von der EU ablehnen würden. Jeder, auch der Präsident, weiss, dass Griechenland diese Gelder nie zurückzahlen kann und will.

  • Sepp am 21.06.2011 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    EU auflösen

    Es gibt nur eine Lösung, die EU auflösen, jedes Land ist dann auf sich selbst gestellt! Fertig. EU meiner Meinung funktionier hinten und vorne nicht. Man kann ein Industrie Land wie z.B. Deutschland nicht mit armen EU Ländern, welches in nicht nennen werde, zusammen tun. Basta!

  • Gregor am 21.06.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich lösen

    Die EU soll Griechenland endlich fallen lassen. Sie lernen es eh nie was auch die Vergangenheit schon zeigte...

  • terre motte am 21.06.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    möglichst bald

    Die Frage ist nicht, OB Griechenland bankrott geht, sondern WANN. Es wäre besser, wenn das möglichst bald passieren würde...

  • Peter Murbach am 21.06.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Auf zum munteren Bankrott-Spiel!

    Für die Oposition ist die Sache sehr einfach: Die notwendigen (die Not wendenden) Sparmassnahmen werden abgelehnt. Griechenland steht dann vor dem Staatsbankrott, der im Juli einzutreten droht. Die EU -und allen voran Frankreich, dessen Banken Hauptgläubiger Griechenlands sind- können sich einen finanziellen Zusammenbruch Griechenlands schlicht nicht leisten. Also lenkt die EU in letzter Minute auch ohne zugesagte Sparmassnahmen ein und zahlt. Dann wissen alle anderen Schuldnerländer, wie der Hase läuft und das muntere Bankrott-Spiel kan weiter gehen: Irland, Portugal, Spanien, Belgien, Italie